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Wo Karstadt schließt, zieht Lidl ein; wo Lidl weicht, eröffnet TEDi. Zwischen dem historischen Ullsteinhaus samt Hafen auf der einen und dem Tempelhofer Feld auf der anderen Seite liegt ein Abschnitt des Tempelhofer Damms, der mehr sein könnte als eine Meile voller Discountläden. Warum finden sich hier so wenige hochwertige Geschäfte, Cafés oder Treffpunkte, obwohl die Lage gut, die Verkehrsanbindung stark und das Umfeld attraktiv ist?

Tempelhofer Damm, Kaiserin-Augusta-Straße

Discounter und preiswerte Einzelhändler säumen bislang den Tempelhofer Damm und prägen das Straßenbild, ohne nennenswerte Aufenthaltsqualität zu bieten. / © Foto: Wikimedia Commons, Dguendel, CC BY 4.0,

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Der Tempelhofer Damm zwischen Ullsteinhaus, Hafen und Tempelhofer Feld ist ein Abschnitt voller Gegensätze. Auf der einen Seite historische Bauten, denkmalgeschützten Parkanlagen mit Dorfkirche und das Rathaus Tempelhof, auf der anderen Seite eine Straße, die vor allem durch Discountmärkte und Euroläden geprägt ist.

Einladende Cafés oder Orte zum Verweilen sind hingegen eher rar. Trotz der Nähe zum Tempelhofer Feld und der guten Anbindung durch die U6 entsteht kein wirklich urbanes Flair. Warum gelingt es der Straße nicht, mehr hochwertige Geschäfte oder gastronomische Treffpunkte anzuziehen?

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Einzelhandel vor Brutalismus-Ikone: Auf Lidl-Markt folgt TEDi

Die ehemalige Lidl-Filiale am Tempelhofer Damm 217 zeigt exemplarisch die Entwicklung des Abschnitts. Jahrelang war Lidl ein fester Bestandteil der Nahversorgung. Mit dem Umzug in das nahegelegene ehemalige Karstadt-Gebäude eröffnete der Discounter eine größere, modernere Filiale.

Auf der alten Fläche, direkt angrenzend an das weithin sichtbare brutalistische Wohnhochhaus von Finn Bartels und Christoph Schmidt-Ott, hat inzwischen der Non-Food-Discounter TEDi übernommen. Offiziell angekündigt wurde die Neueröffnung zwar nicht, dennoch ist die Filiale mittlerweile regulär geöffnet. Auch wenn die Straße damit aktiv bleibt, fehlt es doch an einer Aufwertung hin zu Vielfalt oder Qualität.

Trotz attraktivem Umfeld: Stagnation am Tempelhofer Damm

Die Veränderungen halten den Abschnitt am Leben, zeigen aber zugleich eine gewisse Stagnation: Die Potenziale zwischen Hafen und Feld scheinen weitgehend ungenutzt zu bleiben. Ob es an den Mieten liegt, an der Wahrnehmung der Straße als reine Einkaufsmeile oder an fehlender Aufenthaltsqualität – warum anspruchsvollere Konzepte höchstens vereinzelt nachziehen, bleibt offen.

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Was fehlt, ist eine Mischung aus attraktiven Cafés, kleinen Gastronomiebetrieben, urbanem Einzelhandel und Begegnungsräumen, die den Damm über seine Funktion als Discounter-Meile hinaus beleben würden. Mehr Bäume, Sitzmöglichkeiten und Orte, die zum Verweilen einladen, könnten die Straße noch deutlich attraktiver machen.

Mehr Grün? Wie kann der Tempelhofer Damm attraktiver werden?

Gefordert wäre hier auch die Bezirkspolitik, die an vielen Stellen des Bezirks Optimierungen der öffentlichen Räume und Verbesserungen der Flächen für Fußgänger und Fahrradfahrer vornimmt, wie etwa am Barbarossaplatz oder in der Ella-Barowsky-Straße.

Auf diesem Abschnitt des Tempelhofer Damms könnten ähnliche bauliche Anpassungen durchaus hilfreich sein. Hinzu kommt allerdings auch, dass der Standort am Wohnhochhaus für viele Einzelhändler vermutlich wenig attraktiv ist. So wären auch hier mögliche Umbau- oder Modernisierungsmaßnahmen eine mögliche Option.

Drohnenansicht vom Alter Park in Tempelhof mit der alten Dorfkirche in Berlin am 31. Mai 2023.

Die denkmalgeschützten Grünanlagen von Alt‑Tempelhof – darunter Lehnepark, Alter Park und Bosepark – sollen ab 2026 umfassend klimafreundlich saniert werden. Wege, Treffpunkte und Zugänge sollen modernisiert, Barrierefreiheit verbessert und die Vegetation klimaangepasst entwickelt werden. / © Foto: IMAGO / Emmanuele Contini

Tempelhofer Hafen

Am Tempelhofer Hafen, einer denkmalgeschützten Anlage mit historischen Speichern und Kränen, ist es gelungen, durch Gastronomie, Sitzstufen und restaurierte Strukturen ein lebendiges Quartier zu schaffen – beim Tempelhofer Damm hingegen müsste endlich nachgezogen werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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19 Kommentare

  1. pjotrsagt 24. Januar 2026 at 12:48 - Reply

    Als Ex – Berliner bin ich ja gewöhnt dass hinter den meisten Entwicklungen nach Jahren der wahre Hintergrund auftaucht ( ich sag nur Mauergalerie…..). Insofern könnte man vermuten dass hinter der Verödung des Tempehofer Damms System ist. Sprich es existieren längst Pläne zur Verwertung……

  2. Ex-tempelhofer 24. Januar 2026 at 16:32 - Reply

    Als ehemaliger Tempelhofer mochte ich es dort nie. Wenn man Einkäufe erledigen will, muss man sich entlang der stinkenden Autoschlange über schmale Gehwege quetschen. Die Aufenthaltsqualität ist miserabel und dank der Aufhebung von Tempo 30 ist der Verkehrslärm noch stärker geworden. Man darf sich nicht wundern, wenn Stadtteilzentren verwaisen, wenn sie keine Aufenthaltsqualität bieten. Die Schloßstraße in Steglitz ist da deutlich attraktiver, wenn auch dort recht viel Verkehr ist. Aber schöner als in Tempelhof, besonders in den Seitenstraßen.

    • Max 25. Januar 2026 at 12:41 - Reply

      Der Verkehr wird nicht weniger wenn man ihn auf eine Spur quetscht und langsamer macht.

  3. Berlin 24. Januar 2026 at 19:24 - Reply

    Sehr geehrte Damen und Herren, wurde dieser Artikel von KI verfasst? Es gibt in Tempelhof sehr wohl attraktive Cafés und Gastronomiebetriebe, welche zum verweilen einladen. Dieser Artikel macht auf mich einen oberflächlichen Eindruck. Ja, der Einzelhandel hat sich bedauerlicherweise, wie vieler Orts ebenfalls, zurückgezogen.

  4. Thomas 24. Januar 2026 at 22:01 - Reply

    Warum das alles so ist und keine guten Geschäfte mehr dort sind? Na ganz einfach… Weil die verdammten Grünen einfach alle Parkplätze am Te-damm weggenommen haben. Weil die Idioten einfach Berlin zur Fußgängerzone und damit kaputt machen wollen.
    LG Thomas.

    • Maik Ronge 27. Januar 2026 at 08:05 - Reply

      Alle Parkplätze weg? Es gibt ausreichend Parkhäuser am Tempelhofer Damm, die häufig sehr leer sind. Bspw. das alte Karstadt-Parkhaus ist fast immer komplett leer. Einige Parkhäuser sind zudem günstiger als das Parken auf der Straße in der Parkzone, welche es ja nun fast überall gibt. Fehlende Parkplätze ist also sicherlich kein Grund.

  5. […] Weiter auf ENTWICKLUNGSSTADT … […]

  6. Holger 25. Januar 2026 at 07:15 - Reply

    Neukölln 2.0
    Zwei Sachen: Wie bereits kommentiert, ist das Verhältnis Gehweg zu Straße ungünstig und es drücken immer mehr Billo-Läden in das Gebiet. Das ist eine Entwicklung, ohne Sinn und Verstand. Wieso kann keine Behörde die Art, den Umfang und Qualität der Läden steuern? Was haben die ganzen Läden, wo man vermutlich nicht mal mit Karte zahlen kann, dort zu suchen? Ich habe in den 2000er direkt am T-Damm in Höhe des Karstadts gewohnt. Kein Vergleich…

    • Max 25. Januar 2026 at 12:43 - Reply

      Jetzt hab ich erst Bio-Läden gelesen und kurz gestutzt.

  7. Pitti 25. Januar 2026 at 08:02 - Reply

    Nicht nur Tempelhofer Damm, das Sterben kleiner Läden, Caffee’s, Restaurants geht doch schon bis zum Lichtenrader Damm weiter, entweder Leerstand , der Rest wird an türkisch, arabischen Geschäftsführer vermietet. Spielotheken und Döner/ türkische Backwaren…. All das führt zu einer Verdrängung ,kleine deutsche Unternehmen haben keine Chance, denn Käsekuchen und Bouletten und Co haben in Berlin eh keine Chance mehr, der Ur- Berliner stirbt langsam aus, wer kann macht sich vom Acker.

    • Rosiwa 26. Januar 2026 at 11:07 - Reply

      türkisch, arabischen – Läden sind zu viel, wo bleiben die Noreuropaer/Deutscheläden

  8. Michael 25. Januar 2026 at 08:41 - Reply

    Sie wundern sich doch nicht wirklich, dass bei dieser typischen Berliner Ausfallstraße, die dem Autoverkehr zum Fraß vorgeworfen wird, keine positive Entwicklung stattfinden kann? Und dann auch noch diese unfassbar hässliche heruntergekommene Hochhaus.

    • F. Wolff 25. Januar 2026 at 09:36 - Reply

      Es wohnen und leben am Tempelhofer Damm, Mariendorfer Damm und Lichtenrader Damm gar nicht die Menschen, die auf ein „urbanes“ Stadt-Gesicht bzw. Stadt-Leben wert legen. Hinzu kommt der intensive Straßenverkehr sowie die heruntergekommene U6. In 10 Jahren leben entlang der Straßen die Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Nachbargebiet Neukölln. Mit ihren Geschäften sind sie schon da. Ich habe kein Vertrauen in die Bezirkspolitik, dass Tempelhof ein urbaner und lebenswerter Bezirk im Süden von Berlin werden kann.

      • Stefan 27. Januar 2026 at 09:17 - Reply

        Ich stimme F Wolff zu. Die Geschäfte passen sich der Nachfrage an. Und wenn die Gegend erstmal multi kulti geprägt ist (Geschäfte u Bewohner u damit verbunden Veränderungen an Lebensqualität), ziehen die Menschen die das nicht wollen u sich leisten können, weiter in den Süden, in die westlichen Stadtteile oder ganz aus Berlin raus.

  9. Dirk Thiele Galizia 26. Januar 2026 at 09:52 - Reply

    Abenteuerlich scheußlich,auch wenn einer durch die Fenster Wände der wunderschönen Nationalgalerie schaut ,die neue Architektur,Abend feierlich scheußlich!

  10. Rosiwa 26. Januar 2026 at 10:27 - Reply

    das ehemalige karstadt haus müsste mehr Verkaufsflächen haben „Bekleidung“

  11. Andy 27. Januar 2026 at 09:29 - Reply

    Ich habe lieber ein authentisches und diverses Viertel als eine Verschlimmbesserung durch ‚hochwertige‘ = gentrifizierende Läden. Die Infrastruktur für Rad und Fuß ist stark verbesserungswürdig und die aber ich mag den Kiez trotz den (aufgrund der?) Imperfektionen.

  12. Emmy N. 27. Januar 2026 at 10:55 - Reply

    Tempelhof ist wirklich nicht mehr schön und das sage nicht nur ich. Der T-Damm wurde als erstes zu einer Tempo30 Zone umgewidmet. Gut, die ist wieder weg, aber wenn man an Tausenden rot-weißen Pollern vorbeifährt, hat man eh das Gefühl, auf einer nie enden wollenden Baustelle zu leben. Allein der Anblick ist furchtbar. Mehr als Augenkrebs ist da nicht drin. Gegenüber vom T-Hafen ist die Shishabar, vor der einst protein-und testosterongeschwängerte Muskelprotze ihre Lamborghinis abstellten, um gepimpte mit 1 Meter Wimpern ausgestattete Ladys zu beeindrucken, wenigstens geschlossen. Wer weiß, was als Nächstes da kommt? Der 199.ste Halal Hühnerladen? Nee, der hat schon gegenüber der einstigen Shishabar den einst hübschen Blumenladen abgelöst und sein Kommen mit großen Plakaten angedroht. An der Stelle würde sich dank der hiesigen Sozialstruktur nur ein Späti anbieten. Mal sehen. Aber ansonsten: Dönerläden,Falafelläden,Dönerläden,Falafelläden,ein paar arabisch geführte Mexicanoketten, 1Euroshops wechseln sich mit dem T-Hafen ab. Ödnis pur. Der T-Hafen hat ein neues Stadtbild geschaffen. Ja, kann man so sagen. Kommt man rein, findet man als erstes einen Actionmarkt,wo der geneigte Bürger seine Sozialkohle in billige Schnapper aus China investieren kann. Dass sich der Mediamarkt dort verkleinern musste, ist sicher der Sozialstruktur des Kiezes geschuldet. Immerhin sitzen gegenüber Gruppen von arabischen Jugendlichen, die sich da des kostenlosen WLan bedienen,um ihre Resthirnzellen mit Tiktok oder Imamvideos abzustumpfen. Manchmal gibts auch noch nette Läden, ja, aber eine Buchhandlung zB sucht man vergebens. Die, die es noch am T-Damm gibt, kann man gut fußläufig erreichen, aber zufällig vorbeikommende Kundschaft kann nicht parken, Stichwort: rot-weiß! Wir wohnen Nähe Hafen, würden aber nie auf die Idee kommen, zum neuen Lidl zu gehen. Sehr unangenehmes Volk da. Und wer die Tiefgaragen in Tempelhof anspricht: welche Frau würde alleine eine solche Tiefgarage betreten? Die Tiefgarage beim neuen Lidl ist noch ok; die am alten Standort konnte man nicht mehr betreten. Wer dort aus dem Auto ausstieg, war erstmal von einem olfaktorischen Mix aus Kacke, Urin und Gekotztem umgeben. Da denkt man nicht mehr an Lebensmittel. Das wird beim Tedi (passt da gut zu dem Sozialpalast obendrüber) nicht anders sein. Ich sag mal: Tempelhof ist in jeder Hinsicht das neue Neukölln. Hier zu wohnen, macht keinen Spaß. Speziell dann, wenn die Sauffeste am Tempelhofer Hafen stattfinden, wo dann die tagsüber lustwandelnden Kopftuch-und Bartträger durch besoffene Deutsche abgelöst werden, deren wahrer Lebenszweck neben dem Bier noch die regelmässig stattfindenden Feuerwerke sind, die gerne auch zur Brutsaison der Vögel stattfinden. Selbst das zuständige Umweltamt hebt da die Hufe und behauptet frech „alles geprüft“. Vorgang abgestempelt und erledigt. Die Vögel sinds auch.
    Ich würde SOFORT hier wegziehen, wenn es nur bezahlbare Wohnungen gäbe. Es gibt wenig ödere Orte wie Tempelhof. Da nützen auch die netten Posts des CDU Abgeordneten aus Tempelhof und die bunten Gratiskugelschreiber zum Wahlkampf nichts. Tempelhof ist und bleibt lost! So wie vieles in Berlin.

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