Wo einst die Grenze durch die Spree verlief, entsteht ein Ort für Kultur, Bildung und Erinnerung. Der neue Museumshafen Berlin soll den historischen Grenzsteg in eine öffentliche Anlage verwandeln, die Geschichte sichtbar und erlebbar macht.

Das Ausstellungskonzept verbindet historische Dokumente mit modernen Präsentationsformen. Große Fensterfronten schaffen Transparenz zwischen Museum und Wasser und machen die Geschichte des Ortes räumlich erfahrbar. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO
© Visualisierungen: Wilk Salinas Architekten, XOIO
Mitten auf der Spree zwischen den Bezirken Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg liegt der fast 500 Meter lange Grenzsteg. Er wurde 1962 als Wassersperre errichtet, um die Flucht aus der DDR über den Fluss zu verhindern. Jahrzehntelang blieb er unzugänglich und verfiel langsam. Ursprünglich sollte die Anlage im Jahr 2010 abgerissen werden. Heute steht der Steg unter Denkmalschutz und wartet auf eine neue Nutzung.
Das Berliner Büro Wilk Salinas Architekten hat im Werkstattverfahren den Zuschlag erhalten, den Ort in ein Kultur- und Museumsquartier zu verwandeln. Das Konzept will den geschichtlichen Charakter des Stegs bewahren und gleichzeitig neue Perspektiven für einen öffentlichen Raum schaffen. Bis 2025 soll der Bauantrag eingereicht werden, im besten Fall könnte schon 2026 mit der Umsetzung begonnen werden.
Neues Kultur- und Museumsquartier auf der Spree: Zwei Museen und neue Wege über das Wasser
Der Entwurf sieht eine Anlage vor, die sich beidseitig des Zugangs zur Eichenstraße an der Spree erstreckt. Auf der westlichen Seite soll ein rund 65 Meter langes und 20 Meter breites Floß entstehen, das das Grenzstegmuseum beherbergt. Es wird Ausstellungen über die Spree als politische Grenze, Verkehrsweg und Lebensader zeigen. Auf der östlichen Seite ist das Binnenschifffahrtsmuseum geplant, das sich der Geschichte der Berliner Wasserwege widmet.
Zwischen beiden Museen entstehen mehrere Stege, über die Besucherinnen und Besucher die Anlage erkunden können. Auf dem Dach des Museums soll eine große Terrassen mit einem Café und Aufenthaltsflächen eingerichtet werden, von der sich ein weiter Blick über die Spree bietet. Diese offenen Bereiche sollen einen einzigartigen Blick auf die Spree und den ehemaligen Grenzsteg bieten.
Im Museumshafen zwischen Treptow und Kreuzberg: Historische Schiffe als schwimmende Ausstellungen
Ein zentrales Element der neuen Anlage ist der geplante Museumshafen. Dort sollen historische Schiffe wie der Maßkahn „Helene“ von 1928, der Schleppkahn „Heimat“ von 1926 und der Fahrgastdampfer „Frohsinn“ dauerhaft festmachen. Die Schiffe werden als schwimmende Ausstellungsstücke genutzt. Besucherinnen und Besucher können so direkt auf dem Wasser die Geschichte der Berliner Schifffahrt erleben.
Neben den musealen Bereichen entsteht eine kleine Marina mit etwa 60 Liegeplätzen für Sportboote. Sie wird so in die Anlage integriert, dass der Schiffsverkehr nicht beeinträchtigt wird. Ein kleiner Pavillon mit Café, Terrasse und Verwaltungsräumen ergänzt das Ensemble. So soll in den kommenden Jahren ein ganz neuer Ort entstehen, der historische Substanz mit moderner Nutzung verbindet.
Der geplante Grenz- und Museumshafen zwischen Molecule Men und Badeschiff: Ein neuer öffentlicher Raum auf der Spree
Der Bereich zwischen den Molecule Men und dem Badeschiff zählt schon heute zu den markantesten Orten an der östlichen Spree. Mit dem geplanten Museumshafen soll dieser Abschnitt um eine kulturelle Dimension erweitert werden, die aufhorchen lässt. Besucherinnen und Besucher sollen künftig über den Steg spazieren, Ausstellungen besuchen oder einfach den Blick auf die Stadt genießen können.
Wenn die Pläne umgesetzt werden, wird aus dem ehemaligen Sperrwerk ein Ort der Begegnung und Erinnerung – so jedenfalls der Plan der Projektinitiatoren. Der Grenzsteg, einst gebaut, um Ost- und West-Berliner zu trennen, könnte schon bald Menschen und Geschichte auf neue Weise verbinden. Damit bekommt ein Stück Berliner Vergangenheit eine zukunftsweisende Bedeutung.

Von den Steganlagen öffnet sich der Blick auf die Molecule-Man-Skulptur. Rechts entsteht die neue Marina mit rund 60 Liegeplätzen für Sportboote, während links historische Schiffe im Museumshafen liegen. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO

Der Entwurf sieht unter anderem Gastronomieflächen mit Terrasse vor, die Besuchern neue Perspektiven auf die Spree bietet. Das Café soll ein Treffpunkt für Spaziergänger, Museumsgäste und Anwohner werden. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO

Die Visualisierung zeigt den geplanten Zugang zum Grenzstegmuseum mit weitläufigen Glasfassaden. Hier soll künftig ein Ort entstehen, der Bildung und Erinnerung miteinander verbindet und die Geschichte der Berliner Spree als innerstädtische Grenze erlebbar macht. / © Visualisierung: Wilk Salinas Architekten, XOIO
Quellen: Grenz- und Museumshafen Berlin
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3 Kommentare
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Genial 👍wo bitte kann ich mich bewerben?
Mit freundlichen Grüßen Ronny Koschnick
Tja, das wäre schon schön und würde dem Ort gut stehen. Aber wer soll das bezahlen?
Selten erwarte ich ja in Berlin was mit Spannung, aber das ist so ein Projekt, bei dem ich das tue.
Genau sowas brauchen wir. Das wird ein Wurf für die Stadt mit hohem Wiedererkennungswert und von breitem Interesse.
Jetzt bitte nicht das Ding aus irgendwelchen Gründen versauen oder ins Schlingern bringen!