Frankfurt plant den Neubau des Schauspielhauses als Teil der „Kulturmeile“ an der Neuen Mainzer Straße, während die historische Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz abgerissen werden soll. Die Initiative Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus Frankfurt warnt vor dem Verlust historischer Substanz und fordert stärkere Mitbestimmung.

Die aktuelle Doppelhauslösung bietet Flächen für das Schauspielhaus und die Oper. Das Gebäude befindet sich jedoch in sanierungsbedürftigem Zustand und soll abgerissen werden. Auf der Freifläche am Willy-Brand-Platz soll dann ein eigenes, neues Gebäude für die Frankfurter Oper entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Wikimedia Commons, Gerda Arendt- CC BY-SA 4.0
Die Theaterdoppelanlage von Oper und Schauspiel am Willy-Brandt-Platz befindet sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Nach Plänen der Stadt Frankfurt soll das bestehende Gebäude abgerissen werden. Vorgesehen sind ein Neubau für die Oper Frankfurt am bisherigen Standort sowie ein eigenständiger Neubau für das Schauspielhaus an der Neuen Mainzer Straße 49 als Teil der geplanten „Kulturmeile“.
Die städtischen Pläne zum Abriss der Theaterdoppelanlage stoßen jedoch auch auf Kritik. Stimmen aus Architektur und Zivilgesellschaft fordern den Erhalt beziehungsweise eine stärkere Berücksichtigung der historischen Substanz des ursprünglichen Schauspielhauses von 1902.
Konflikt um historische Bausubstanz: Stadtpläne stoßen auf Kritik von Architekten und Bürgerinitiative
Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) verweist auf die architektonischen Qualitäten des bestehenden Gebäudes, die durch einen vollständigen Abriss verloren gingen, und plädiert für eine Teilsanierung. Auch die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus kritisiert die bisherigen Planungen und fordert seit Langem eine stärkere Einbindung in die Debatte. Die Initiative setzt sich insbesondere für den Erhalt und eine mögliche Rekonstruktion der verbliebenen Fassadenfragmente des historischen Schauspielhauses ein und bemüht sich seit Monaten um Zugang zu diesen Bauteilen.
Die Aktionsgemeinschaft wirft der Stadt vor, die Besichtigungen zu behindern, da ihre Position vom Magistrat abweiche. Kulturdezernentin Ina Hartwig wies diese Vorwürfe jedoch zurück. Nach Angaben der Stadt habe die Initiative in der Vergangenheit mehrfach Besichtigungen durchführen können, die öffentlich bekannt und von ihr dokumentiert worden seien. Derzeit werde eine neue Anfrage zur Besichtigung geprüft; dabei seien jedoch der laufende Theaterbetrieb sowie die verfügbaren organisatorischen Kapazitäten zu berücksichtigen.
Diskussion um Mitbestimmung und Denkmalschutz: Stadt und Initiative im Dialog über die Doppelanlage
Die Aktionsgemeinschaft bewertet die Situation als kritisch für den bürgerschaftlichen Diskurs, während die Stadt darauf verweist, dass keine willkürliche oder undemokratische Behandlung stattgefunden habe. Die Terminierung und Durchführung von Besichtigungen erfolgt laut Angaben der Kulturdezernentin nach transparenten, sachlichen und sicherheitsrelevanten Kriterien.
Ob und wann die Aktionsgemeinschaft erneut Zugang zu Besichtigungen erhält und die Stadt Frankfurt in der Folge ihre Entscheidung über den Abriss der historischen Bausubstanz am Willy-Brandt-Platz überdenken wird, bleibt abzuwarten.
Quellen: Stadt Frankfurt, Frankfurter Rundschau, Stadt von Morgen, Neue Bühne Fankfurt, Skyline Atlas, Zukunft Städtische Bühne, Frankfurter neue Presse, Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus, Bürgerstiftung Neue Oper Frankfurt i.G., Stadt Frankfurt am Main – Der Magistrat, Dezernat für Kultur und Wissenschaft
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