Die Neugestaltung der Hamburger Colonnaden nimmt konkrete Formen an. Ein Preisgericht hat den Entwurf von TREIBHAUS Landschaftsarchitektur aus Hamburg, auf den ersten Platz gewählt. Der Siegerentwurf soll die historische Flaniermeile zwischen Jungfernstieg und Esplanade ab 2029 grundlegend aufwerten, mit klaren Raumstrukturen, mehr Grün und einem verkehrsberuhigten Zentrum.

Die Colonnaden sollen durch einen durchgehenden Pflasterteppich und einen neu interpretierten Belag der historischen Arkaden als zusammenhängender, ruhiger Stadtraum erlebbar werden. Mehr Begrünung, offene Übergänge in die Nebenstraßen und ein einheitliches Stadtmobiliar stärken die Aufenthaltsqualität und verbinden das Quartier neu mit seiner Umgebung. / © Visualisierung: MOKA Studio
© Abbildungen: TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg
© Visualisierung Titelbild: MOKA Studio
Der freiraumplanerische Wettbewerb zur Umgestaltung der Colonnaden ist entschieden. Das Preisgericht kürte den Entwurf von TREIBHAUS Landschaftsarchitektur aus Hamburg auf den ersten Platz. Ausschlaggebend war vor allem das klare Raumkonzept, das die historische Substanz respektiert und zugleich zeitgemäße Nutzungen ermöglicht. Der Entwurf setzt auf gestalterische Zurückhaltung, Präzision und eine robuste, langfristig tragfähige Gestaltung
Der Wettbewerb ist Teil des BID Quartier Colonnaden, mit dem die traditionsreiche Flaniermeile zwischen Jungfernstieg und Esplanade gestalterisch, funktional und wirtschaftlich gestärkt werden soll. Finanziert werden die Maßnahmen über das sogenannte BID-Modell, das in Hamburg seit 2005 etabliert ist und von den ansässigen Eigentümerinnen und Eigentümern getragen wird.
Neues Raumgefüge für die Colonnaden: „Stadtteppich“ verbindet Jungfernstieg und Esplanade
Zentrale Leitidee des Siegerentwurfs ist ein durchgängiges Raumgefüge. Ein einheitlicher Belagsteppich verbindet Jungfernstieg und Esplanade visuell wie fußläufig und macht den Stadtraum als zusammenhängendes Ganzes erlebbar. Gastronomische Nutzungen werden bewusst an die Seiten gerückt, um Offenheit, Großzügigkeit und klare Sichtachsen zu schaffen
TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg teilte auf Nachfrage von ENTWICKLUNGSSTADT mit, dass dem Entwurf eine intensive Analyse vorausging: „In einer systematischen Bestandsaufnahme wurden Achsen, Blickbeziehungen, Höhenniveaus, Barrierefreiheit und Passantenströme untersucht“, erläutert eine Sprecherin des Büros. Ziel sei es gewesen, „Durchgängigkeit, Aufenthaltsqualität, Mobilität und städtische Identität zu vereinen und dabei historische Bezüge zu respektieren“.
Im Zentrum des Quartiers entsteht mit dem Gustav-Mahler-Platz künftig eine neue grüne Mitte. Das Mobilitätskonzept ordnet den Verkehr neu. Radfahren wird gefördert, Abstellanlagen konzentrieren sich an den Quartierseingängen. In Theater-, Büsch- und Fehlandtstraße bleibt Autoverkehr möglich, jedoch klar strukturiert und beruhigt. Fünf Lieferzonen sichern die Versorgung des Quartiers.
Historisches Pflaster und neue Beläge: Materialstrategie für die Colonnaden
Gestalterische Grundlage ist ein durchgehender Pflasterteppich, in den funktionale Anforderungen wie Fahrbahnen oder Ladezonen dezent integriert werden. Besonders hervorgehoben wird der Umgang mit dem Bestand: Historisches Pflaster wird ausgebaut und innerhalb der Colonnaden wiederverwendet. In stärker belasteten Bereichen ist großformatiges Betonsteinpflaster vorgesehen, das Belastbarkeit und Wirtschaftlichkeit verbindet.
Die Arkaden erhalten einen neu interpretierten Plattenbelag, der ihre identitätsstiftende Wirkung stärkt. Entwässerungsrinnen lösen sich bewusst von der Linearität der Arkaden und schaffen ein offeneres Raumgefühl. Laut TREIBHAUS fließen technische Anforderungen dabei frühzeitig in die Gestaltung ein. „Tragfähigkeit, Wassermanagement und Entwässerung werden von Beginn an mitgedacht und gestalterisch integriert“, so das Büro gegenüber ENTWICKLUNGSSTADT. Zugleich spiele der Denkmalschutz eine zentrale Rolle. „Besonders die vielfältigen Blickbeziehungen und Fassaden werden im weiteren Prozess vertieft“, heißt es.
Pflanztröge, Sitzgelegenheiten und Licht: Einheitliches Mobiliar für die Colonnaden
Die charakteristischen Säulen der Arkaden dienen als Leitmotiv für eine neue Möbelfamilie. Aus ihren Proportionen entwickeln sich Pflanztröge in unterschiedlichen Größen, ergänzt durch runde Sitzelemente aus Stahl-Holz-Kombinationen. Fahrradbügel, Abfallbehälter und Leuchten greifen eine einheitliche Farb- und Formensprache auf.
Offene Flächen bleiben bewusst flexibel nutzbar, etwa für Märkte, Veranstaltungen oder temporäre Formate. Vegetation mit wechselnden Blühaspekten sorgt für saisonale Dynamik. Sitzgelegenheiten sind gezielt gesetzt und ermöglichen Aufenthalt ohne Konsumzwang.
Baustart für BID Colonnaden ab 2029: Klar geregelter Verkehr und bessere Aufenthaltsqualität
Mit Blick auf die Umsetzung sieht TREIBHAUS vor allem den Bauablauf als Herausforderung. „Im späteren Verlauf wird es darum gehen, die Funktion der Einkaufsstraße während der Bauphase nicht zu stark zu beeinträchtigen und dennoch Aufenthaltsqualität zu gewährleisten“, erklärt das Büro. Der „Stadtteppich“ müsse sich nahtlos einfügen und zugleich hohe gestalterische wie technische Anforderungen erfüllen.
In den kommenden Monaten wird der Entwurf gemeinsam mit dem BID und den zuständigen Behörden weiter ausgearbeitet. Der Baustart ist für 2029 vorgesehen. Mit dem Siegerentwurf liegt nun ein zurückhaltendes, zugleich ambitioniertes Leitbild vor, das den besonderen Charakter der Colonnaden stärkt und langfristig weiterentwickeln soll.
Quellen: competition-online, ganz Hamburg, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg, Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen Hamburg, HanseMerkur Grundvermögen, Hamburger Morgenpost
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