Ob Kreativquartier, Innovationscampus oder Handwerkerhof: Berlin setzt auf unterschiedlichste Konzepte, um neue Arbeitswelten zu schaffen. Fünf ausgewählte Projekte zeigen, wie stark Architektur und Stadtplanung die Zukunft des Arbeitens prägen.

Neue Campusprojekte verändern das Stadtbild und schaffen Räume für Arbeit, Forschung und Kultur. So auch in Berlin-Schmargendorf, wo das Campusprojekt „GoWest“ realisiert wird. / © Visualisierung: Die Wohnkompanie Berlin GmbH & Co. KG, Christoph Kohl Architekten
© Visualisierung Titelbild: PSP Weltner Louvieaux Architekten
Berlin erlebt derzeit eine bemerkenswerte Dynamik bei der Entwicklung neuer Gewerbe– und Innovationscampus. Sie reichen von großflächigen Quartieren bis zu spezialisierten Standorten, die jeweils eigene Akzente setzen. Mit „Funkytown“ in Oberschöneweide entsteht bis 2029 etwa ein Ensemble aus acht sehr unterschiedlich gestalteten Gebäuden, das Architektur und Nutzung vielfältig miteinander verknüpfen will. In Lichtenberg formt sich mit „re:o“ am Ostkreuz ein multifunktionaler Campus, der Büros, Hotels und Dienstleistungen in einem modernen Umfeld vereinen wird.
Westlich der Innenstadt wächst mit „GoWest“ in Schmargendorf ein Gewerbequartier heran, das Handwerk, Kultur und digitale Infrastruktur verbindet. Einen Innovationsschwerpunkt legt der Standort „NLND Berlin“ in Neukölln, wo Startups, Forschung und Industrie 4.0-Technologien auf 150.000 Quadratmetern gebündelt werden.
Parallel dazu etabliert sich im Berliner Süden mit „ringberlin“ ein Modellcampus, der das Handwerk mit Wissenschaft und Startups zusammenbringt und besonders auf Nachwuchsförderung setzt. Zusammen zeigen diese Projekte, wie vielfältig die Konzepte sind, mit denen Berlin seine Rolle als Stadt der Zukunftsquartiere ausbaut. Die fünf ausgewählten Projekte stellen wir hier im Detail vor:
„Funkytown“ in Oberschöneweide: Wie acht Architekturbüros ein neues Quartier entwerfen

Oberschöneweide: Entlang der Rummelsburger Landstraße soll bis 2029 der von Trockland konzipierte Gewerbe-Campus „Funkytown“ entstehen, mit acht sehr unterschiedlich gestalteten Neubauten. / © Visualisierung: Trockland Management GmbH
Acht Architekturbüros, acht Visionen: Entlang der Rummelsburger Landstraße entsteht bis 2029 ein neues Ensemble, das Berliner Architekturgeschichte schreiben will. Der „Funkytown“-Campus soll künftig zeigen, wie kreative Vielfalt zur Leitlinie moderner Stadtentwicklung werden kann. Projektentwickler Trockland hat nun die geplante Gestaltung der acht Neubauten vorgestellt, die auf dem Gelände entstehen sollen.
Herzstück des Areals ist allerdings der sogenannte BLOCK E. Anders als viele DDR-Bauten seiner Zeit wird dieser nicht abgerissen, sondern umfassend saniert und in das Nutzungskonzept integriert – obwohl kein Denkmalschutz besteht. Projektleiterin Barbara Sellwig erklärte kürzlich im ENTWICKLUNGSSTADT Podcast „Metropole im Wandel“ warum Trockland hier auf Erhalt statt auf Abriss setzt.
Die Betonsanierung im Bestandsgebäude läuft derzeit auf Hochtouren, um die Bausubstanz für die künftig geplante Nutzung zu ertüchtigen. In dem Gebäudeteil sollen nach dem Umbau flexibel nutzbare Flächen zwischen 250 und 10.500 Quadratmetern angeboten werden – geeignet für Studios, Ateliers, Büros oder andere kreative Nutzungen.
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Baustart für den Büro-Campus „re:o“ am Berliner Ostkreuz

Die Fassade des Gebäudes wird über dem Eingangsbereich neugestaltet. / © Visualisierung: PSP Weltner Louvieaux Architekten
In Berlin-Lichtenberg hat der Umbau des Büro-Campus „re:o“ am Bahnhof Ostkreuz begonnen. Bis 2027 entsteht hier ein multifunktionaler Standort mit Büroflächen, Hotels und ergänzender Infrastruktur. Der Startschuss fiel im August mit dem Beginn des ersten Bauabschnitts. Die Bauarbeiten werden von der Ed. Züblin AG als Generalunternehmer ausgeführt. Bereits im März 2025 lag die Baugenehmigung für die umfassende Repositionierung vor.
Im Mittelpunkt des ersten Bauabschnitts steht die Umgestaltung eines Gebäudeteils an der Schreiberhauer Straße. Geplant sind eine neue Haupteingangshalle sowie die Einrichtung von zwei Hotels. Mit Premier Inn und Stayery ziehen zwei etablierte Marken auf das Areal. Sie sollen künftig das Campusangebot ergänzen und den Standort nicht nur für Büromieter, sondern auch für Geschäftsreisende und Gäste attraktiver machen.
Parallel zu den Bauarbeiten laufen bereits die Planungen für die nächsten Projektphasen. Entstehen soll ein modernes Arbeitsumfeld, das Büroflächen mit Gastronomie und weiteren Dienstleistungen verbindet. Insgesamt sind im Rahmen des Projekts rund 76.000 Quadratmeter Mietfläche vorgesehen. Dabei soll das neu entstehende Atrium künftig nicht nur als Haupteingang, sondern auch als zentrale Verteilerfläche für das gesamte Gebäudeensemble dienen.
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So wächst das Gewerbequartier „GoWest“ in Berlin-Schmargendorf

Die Visualisierung zeigt das großflächige Gewerbeprojekt „GoWest“, das die Wohnkompanie Berlin seit 2020 auf einem Areal realisiert, das größer ist als der Potsdamer Platz. /© Visualisierung: Die Wohnkompanie Berlin GmbH & Co. KG / Christoph Kohl Architekten
Auf dem ehemaligen Zigarettenfabrikgelände an der Forckenbeckstraße in Berlin-Schmargendorf wächst das Großprojekt „GoWest“ zu einem neuen Gewerbequartier heran. Aktuelle Bilder zeigen den Baufortschritt des Areals, das künftig Büros, Handwerk, Kultur und ein Rechenzentrum beherbergen soll.
Das rund 185.000 Quadratmeter große Gelände ist vollständig für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Wohnnutzung ist nicht Teil des Konzepts – stattdessen entstehen Flächen für Büros, Gastronomie, Veranstaltungsorte und einen modernen Handwerkerhof. Seit dem Aushub der Baugruben im Jahr 2022 schreiten die Arbeiten zügig voran. Zahlreiche Bestandsgebäude aus den 1950er- und 1960er-Jahren wurden inzwischen zurückgebaut und durch Neubauten ersetzt. Bis zur Schließung der Fabrik vor rund zehn Jahren verließen jährlich rund 16 Milliarden Zigaretten das Gelände im Südwesten Berlins.
Auch Nachhaltigkeit soll eine Rolle spielen, natürlich: Auf rund 15.000 Quadratmetern Dachfläche ist der Anbau von Kräutern und Gemüse geplant. Solaranlagen und eine unterirdische Verkehrsführung sind ebenfalls Teil des weitreichenden Quartierskonzepts. So entsteht nach Angaben der Projektverantwortlichen in den kommenden Jahren ein verkehrsberuhigtes, durchgrüntes Gewerbequartier.
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Neukölln: „NLND Berlin“ startet als Innovationscampus für Industrie und Gewerbe

Auf dem ehemaligen Philip-Morris-Gelände entsteht ein großflächiger Standort mit begrünten Dachflächen, offenen Plätzen und unterschiedlichen Nutzungsbereichen. Zu den zentralen Funktionen vom Campus gehören ein Konferenzzentrum, Startup-Labore, Büros, Restaurants sowie Flächen für Industriepartner. / © Foto: Green City Developments
In Neukölln ist mit dem ambitionierten Projekt „NLND Berlin“ die Entwicklung eines neuen Innovationscampus gestartet. Auf dem Gelände des ehemaligen Zigarettenwerks von Philip Morris sollen Forschung, Startups und Industrie zusammenarbeiten. Mit der Eröffnung ziehen gleich zwei internationale Partner ein: Plug and Play sowie UNITE Berlin.
Auf einer Fläche von 150.000 Quadratmetern soll ein Zentrum für Industrie 4.0-Technologien entstehen. Künftig stehen dort Themen wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Sensorik und Automatisierung im Fokus. Auch urbane Zukunftsfelder wie Smart City, Logistik und Mobilität gehören dazu.
Der Senat unterstützt den Campus als Teil der Berliner Innovationsstrategie. Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, betonte bei der Eröffnung, dass mit dem Projekt ein Industriegebiet der Zukunft entstehe. Es gehe darum, Innovation und Transformation aktiv zu gestalten und wirtschaftliche Perspektiven für die Stadt zu sichern.
Mehr zum Projekt „NLND“ gibt es hier
Campus „ringberlin“: Berliner Innovationszentrum Handwerk nimmt Betrieb auf

Mit der Eröffnung des Pop-Ups auf dem Gelände des „ringberlin“ ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem dauerhaften Innovationszentrum für das Berliner Handwerk getan. Das BIZH versteht sich als Raum für offene Zusammenarbeit, angewandte Forschung und unternehmerische Entwicklung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mit dem Pop-Up des Berliner Innovationszentrums Handwerk (BIZH) auf dem Modell-Campus „ringberlin“ startet ein Ort der Zusammenarbeit zwischen Handwerk, Startups und Wissenschaft. Das Projekt bringt alte und neue Kompetenzen zusammen und setzt auf Praxisnähe, Nachhaltigkeit und Nachwuchsförderung.
Ziel des Projekts ist es laut Projektverantwortlichen, ein Ökosystem zu schaffen, das unterschiedliche Akteure zusammenbringt. Hochschulen, Betriebe, Startups und Innungen sollen hier in direkten Austausch treten und gemeinsam an Prototypen, Technologien und neuen Dienstleistungen arbeiten. Das Konzept sieht verschiedene Formate vor, darunter Imagekampagnen, Matchmaking-Veranstaltungen und Workshops.
Einen besonderen Fokus lege man auf die Einbindung junger Menschen. Das BIZH plant, Kinder und Jugendliche frühzeitig für das Handwerk zu begeistern. Damit soll nicht nur das Interesse am Berufsbild gestärkt, sondern auch der dringend benötigte Nachwuchs angesprochen werden.
Mehr zum Campus „ringberlin“ findet Ihr hier
Quellen: Trockland Management GmbH, PSP Weltner Louvieaux Architekten, GLUT Berlin, Die Wohnkompanie Berlin GmbH & Co. KG, Christoph Kohl Architekten, fiylo.de, event inc, NLND-Berlin, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin, ringberlin, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
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