Auf dem ehemaligen Gaswerksgelände in der Glasmeisterstraße in Babelsberg sollten 250 barrierefreie Wohnungen, eine inklusive Kita, Pflegeangebote und ein Campus entstehen. Jetzt steht das Projekt auf der Kippe: Die Insolvenz einer Hedera-Tochtergesellschaft sorgte seit Monaten für Stillstand auf dem Gelände. Nun entscheidet die Zwangsversteigerung über die Zukunft des Projekts.
© Foto Titelbild: Verein Oberlinhaus
Ein städtebaulich und sozial ambitioniertes Projekt in Babelsberg steht kurz vor dem Aus: Das rund 1,8 Hektar große Grundstück in der Glasmeisterstraße, auf dem ein neues Wohn- und Sozialquartier entstehen sollte, wird am 7. Januar 2026 zwangsversteigert. Das berichtete der Tagesspiegel.
Ursprünglich geplant waren dort rund 250 Wohnungen, darunter barrierefreie Einheiten für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, eine inklusive Kita, ambulante medizinische Angebote und ein erweitertes Oberlinhaus-Campusangebot. Noch ist unklar, ob dieser Entwurf weiter verfolgt werden kann. Grund für die Zwangsversteigerung ist die Insolvenz der Oberlinhaus-Grundstücks-GmbH, einer Tochterfirma der Hedera Bauwert GmbH.
„Quartier Babelsberg“ sollte sozialen und inklusiven Wohnraum schaffen
Das Vorhaben sah ein integratives Quartier mit Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten, sozialen Diensten und Nahversorgung vor. Das Oberlinhaus, das bereits Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Babelsberg betreibt, wollte sein Angebot räumlich und funktional erweitern. Ziel war es, ein generationenübergreifendes, inklusives Quartier zu schaffen, das den städtischen Anforderungen an sozialen Wohnraum gerecht wird.
Die Umsetzung des Projekts lag in den Händen der Oberlinhaus-Grundstücks-GmbH (OGG). Das Oberlinhaus selbst besitzt nur rund zehn Prozent der Anteile und hatte damit kaum Einfluss auf die operative Steuerung, wie der Tagesspiegel berichtete.
Stillstand des Projekts durch Insolvenz einer Hedera-Tochterfirma
In den vergangenen Jahren kam das Projekt mehrfach zum Stillstand: Trotz intensiver Planungen gab es seit 2024 keine Bautätigkeit mehr. Ursachen sind unter anderem Insolvenzverfahren gegen die Hedera-Gruppe und deren Tochterfirmen, Probleme bei der Projektfinanzierung sowie Verzögerungen bei Genehmigungen und Planungsprozessen.
Hedera Bauwert geriet in den letzten Jahren wiederholt in die öffentliche Kritik: Mehrere Projekte des Bauträgers in Berlin und Potsdam wurden gestoppt oder verzögerten sich. Handwerksunternehmen blieben unbezahlt. Bis heute laufen Verfahren wegen Insolvenzverschleppung und anderer Vorwürfe gegen den Konzern und seinen Geschäftsführer. Aktuell sind es laut dem Tagesspiegel zehn.
Zwangsversteigerung im Januar wird neue Ausrichtung des Vorhabens bestimmen
Wie es in Babelsberg weitergeht, wird sich zeigen müssen. Der Verkehrswert des Grundstücks in der Glasmeisterstraße wird auf rund 3,3 Millionen Euro geschätzt, wobei die Kosten für die Bodensanierung noch hinzukommen. Das Grundstück befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks Potsdam-Babelsberg, weshalb der Boden ist mit Altlasten belastet ist. Gleichzeitig ist der Bebauungsplan für die Fläche bislang nicht rechtskräftig, wodurch die planungsrechtliche Sicherheit fehlt.
Mit der Zwangsversteigerung ist unklar, ob ein neuer Eigentümer die ursprüngliche Vision für ein sozial orientiertes Quartier fortführen wird. Das Oberlinhaus hat als Minderheitseigentümer wenig Einfluss auf die Auswahl des Käufers oder die künftige Nutzung. Damit steht das Bauvorhaben und der geplante Oberlin-Campus vorerst auf der Kippe.
Quellen: Tagesspiegel, Immobilienzeitung, hedera bauwert GmbH, Verein Oberlinhaus
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