Das Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel wird zu einem zukunftsweisenden Stadtbaustein transformiert. Mit dem Forschungsstandort Urban Tech Republic, dem Schumacher Quartier und neuen kulturellen Nutzungen entsteht ein Modell für nachhaltige Stadtentwicklung. Die Berliner Wirtschaft kritisiert jedoch das schleppende Tempo der Umsetzung.

Östlich der Urban Tech Republic entsteht mit dem Schumacher Quartier ein ambitioniertes und dringend benötigtes Wohnviertel. Es zählt zu den größten Wohnbauprojekten Berlins: Geplant sind über 5.000 Wohnungen für rund 10.000 Menschen – ergänzt durch Schulen, Kitas, Grünflächen und ein nachhaltiges Energiekonzept. / © Visualisierung: Tegel Projekt GmbH
© Visualisierungen: Tegel Projekt GmbH
Seit der Schließung des Flughafens Tegel im November 2020 schreitet die Umgestaltung des 500 Hektar großen Areals im Norden der Hauptstadt voran. Wo früher Flugzeuge starteten und landeten, entstehen heute wissenschaftliche Infrastrukturen, Wohnungen und öffentliche Freiräume. Die Entwicklung erfolgt unter der Regie der Tegel Projekt GmbH, einer landeseigenen Gesellschaft, die sowohl die Urban Tech Republic als auch das Schumacher Quartier koordiniert.
Ziel ist es, das Gelände nicht nur baulich zu transformieren, sondern ein städtebauliches Modell der Zukunft zu schaffen. Die Vision: Ein innovationsgetriebener Forschungscampus trifft auf ein ökologisch und sozial durchdachtes Wohnquartier – ergänzt durch öffentliche Beteiligungsprozesse und kulturelle Zwischennutzungen.
Urban Tech Republic: Zukunftstechnologien auf historischem Boden
Auf dem westlichen Teil des Geländes soll die Urban Tech Republic entstehen – ein Innovationsstandort für urbane Technologien. Mit über 1.000 geplanten Unternehmen und bis zu 20.000 Arbeitsplätzen setzt Berlin hier auf langfristige wirtschaftliche Impulse. Bereits heute wird das Areal als wissenschaftliches Testfeld genutzt.
Ein Beispiel ist die neu eröffnete Versuchsanlage für Verdunstungsbeete. Das Gemeinschaftsprojekt der TU Berlin, der Berliner Hochschule für Technik, der Berliner Wasserbetriebe und der Tegel Projekt GmbH dient dazu, klimaangepasste Regenwasserbewirtschaftung im Maßstab 1:1 zu erproben.
Trotz solcher Fortschritte sieht sich das Projekt auch mit Kritik konfrontiert. Insbesondere bei Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Stadtentwicklung wächst die Ungeduld, da sichtbare Ergebnisse auf dem Gelände bislang nur vereinzelt zu erkennen seien. Im Rahmen eines wirtschaftspolitischen Treffens der IHK verteidigte Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler das Vorhaben. Er betonte, dass die vorbereitenden Maßnahmen weit fortgeschritten seien und die Umsetzung nun Fahrt aufnehmen werde.
Schumacher Quartier: Großprojekt für nachhaltigen Wohnraum
Östlich der Urban Tech Republic entsteht mit dem Schumacher Quartier ein ebenso ambitioniertes wie dringend benötigtes Wohnquartier. Das Quartier ist eines der größten Wohnbauprojekte Berlins. Mehr als 5.000 Wohnungen für rund 10.000 Menschen sind geplant – ergänzt durch Schulen, Kitas, Grünflächen und ein nachhaltiges Energiekonzept.
Der Baustart ist für 2026 vorgesehen. Besonders die Beteiligung der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften wird als zentraler Baustein des Konzepts betrachtet. Nachdem bereits im Januar 2025 die DEGEWO erste Verträge für rund 320 Wohnungen unterzeichnet hatte, folgte Ende März auch die GESOBAU. Sie plant auf zwei Baufeldern rund 330 weitere Wohnungen, von denen die Hälfte mietpreisgebunden sein wird.
Jedoch halten nicht alle Wohnungsbaugesellschaften an ihren Beteiligungen fest. So hat sich die GEWOBAG aus dem Projekt zurückgezogen, was nachfolgend Fragen zur weiteren Finanzierung und Verteilung der Bauverantwortung aufwirft. Die Landespolitik hält jedoch weiterhin an dem ambitionierten Zeitplan fest.
Die Zukunft von TXL als Chance für den Norden Berlins und Reinickendorf
Die Entwicklung des ehemaligen Flughafengeländes wirkt zudem weit über dessen Grenzen hinaus. Denn das Bezirksamt Reinickendorf hat im Rahmen der Fortschreibung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) eine Online-Plattform zur Mitgestaltung gestartet.
Mit der öffentlichen Bürgerbeteiligung zur Stadtentwicklung rund um Tegel sollen die umliegenden Quartiere eingebunden werden. Ziel ist eine ganzheitliche Aufwertung des Umfelds – vom Auguste-Viktoria-Kiez bis zu den Mäckeritzwiesen.
Ein Quartier für alle: TXL als Muster für integrierte Stadtentwicklung
Neben Forschung und Wohnen soll auf dem TXL-Gelände auch die Kultur einen dauerhaften Platz erhalten. Bereits seit 2023 wird die ehemalige Frachtkantine als temporäre Veranstaltungsfläche genutzt – nun soll daraus ein langfristiger Kulturort entstehen.
Ab 2025 sollen auch Innenräume für Club- und Kulturveranstaltungen zur Verfügung stehen. Die Berliner Clubcommission koordiniert das Projekt gemeinsam mit städtischen Partnern. Ziel ist es, nicht nur kulturelle Freiräume zu erhalten, sondern auch ein Zeichen gegen die Verdrängung kreativer Szenen zu setzen – und Tegel als Ort urbaner Vielfalt neu zu positionieren.
Sichtbare Veränderungen sind bislang Mangelware: Quo Vadis, TXL?
Trotz überzeugender Konzepte und erster realisierter Maßnahmen bleibt die Gesamtentwicklung des Areals zumindest bislang hinter den ambitionierten Erwartungen zurück. Zwar entstehen auf dem ehemaligen Flughafengelände in Tegel zukunftsweisende Strukturen für Wissenschaft, Wohnen und Kultur, doch das Tempo der Umsetzung sorgt zunehmend für Kritik.
Vieles befindet sich noch im Planungsstadium, sichtbare Veränderungen vor Ort sind bislang eher die Ausnahme. Gleichzeitig zeigt das Projekt großes Potenzial, um den Norden Berlins städtebaulich und wirtschaftlich entscheidend zu stärken.
Damit diese Chance tatsächlich auch genutzt werden kann, müssen die Planungen in den kommenden Jahren zügiger in die Realität überführt und verbleibende Hürden in Koordination, Finanzierung und Kommunikation überwunden werden. Denn das große Potenzial des einstigen Flughafengeländes ist unbestritten da.
Quellen: Grün Berlin GmbH, GMP Architekten, Tegel Projekt GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Reinickendorf
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Bauteil A wird laufen und KS-Quartier auch, aber Bauteil B sehe ich final nicht in der Form: Dafür wabert es viel zu lange aus sehr
nicht nachvollziehbaren Gründen. ….Siemens wird z.B. schon laaange fertig sein und dann wird hier immer noch „geredet“ werden.