Der Berliner Teilchenbeschleuniger Bessy II in Adlershof gilt als zentrale Forschungsinfrastruktur, doch die Anlage ist in die Jahre gekommen. Bis 2035 soll ein Nachfolger entstehen, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern soll. Gleichzeitig stellt das Projekt Politik und Wissenschaft vor finanzielle und planerische Herausforderungen.

Der Teilchenbeschleuniger BESSY II soll modernisiert werden und für weitere zehn Jahre für die Forschung als „BESSY II plus“ genutzt werden. Ab 2035 jedoch brauche das Helmholtz-Zentrum Berlin BESSY III. / © Foto: Wikimedia Commons, Nylki, CC0
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© Titelbild: IMAGO / Schöning
Der Teilchenbeschleuniger Bessy II im Technologiepark Adlershof zählt zu den wichtigsten Forschungsanlagen Berlins. Seit rund zwei Jahrzehnten liefert die Anlage hochintensives Röntgenlicht, das Einblicke in die Struktur von Materialien ermöglicht. Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen nutzen die Infrastruktur, um Prozesse in Physik, Chemie, Biologie und Energieforschung zu untersuchen.
Die Nachfrage ist hoch. Nach Angaben der Helmholtz-Gesellschaft übersteigt der Bedarf an Messzeit die vorhandenen Kapazitäten deutlich. Es gebe mehr Anträge als verfügbare Slots, sodass die Anlage dauerhaft ausgelastet sei, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Damit gilt Bessy II als zentraler Baustein für den Wissenschaftsstandort Berlin und darüber hinaus.
Bessy III in Adlershof geplant: Neuer Teilchenbeschleuniger bis 2035
Gleichzeitig wird deutlich, dass die bestehende Anlage an ihre technischen Grenzen stößt. Viele Komponenten stammen aus den frühen 2000er Jahren und müssen zunehmend gewartet oder ersetzt werden. Daher arbeitet das Helmholtz-Zentrum Berlin bereits seit einiger Zeit an einem Nachfolgeprojekt.
Mit Bessy III soll bis etwa 2035 eine neue Generation von Teilchenbeschleunigern entstehen. Die Anlage soll leistungsfähiger sein und zusätzliche Forschungskapazitäten bieten. Ein geeigneter Standort wurde inzwischen im Technologiepark Adlershof identifiziert. Ein Neubau am bisherigen Standort wurde verworfen, da ein Abriss von Bessy II den Forschungsbetrieb über Jahre unterbrechen würde.
Teilchenbeschleuniger in Adlershof: Bessy II wird weiter modernisiert
Bis zur Fertigstellung der neuen Anlage soll Bessy II weiter betrieben und schrittweise modernisiert werden. Ziel ist es, die Forschung ohne größere Unterbrechungen fortzuführen. Bernd Rech, der wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums betonte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass ein paralleler Betrieb notwendig sei, da die Anlage bis zur Inbetriebnahme von Bessy III unverzichtbar bleibe.
Langfristig ist vorgesehen, dass die bestehende Anlage erst außer Betrieb geht, wenn der Nachfolger vollständig einsatzbereit ist. Über eine mögliche Nachnutzung des bisherigen Standorts wird derzeit noch diskutiert. Konkrete Pläne liegen jedoch noch nicht vor.
Bessy III kostet rund 1,2 Milliarden Euro: Bund und Berlin müssen Finanzierung klären
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Finanzierung. Für den Bau von Bessy III werden derzeit rund 1,2 Milliarden Euro veranschlagt. Den Großteil der Kosten soll der Bund tragen, während sich das Land Berlin mit einem Anteil von über 100 Millionen Euro beteiligen müsste.
Innerhalb der Helmholtz-Gesellschaft wurde das Projekt bereits als strategisch besonders wichtig eingestuft. In einer internen Bewertung erhielt Bessy III die Bestnote. Dennoch steht das Vorhaben noch am Anfang eines komplexen Priorisierungsverfahrens auf Bundesebene. Erst wenn die Finanzierung gesichert ist, kann die konkrete Umsetzung beginnen.
Quellen: Berliner Morgenpost, Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB)
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