Nach Monaten der Unsicherheit steht fest: Das Gesundheitszentrum Gropiusstadt bleibt mindestens bis 2035 bestehen. Die Einigung auf neue Mietverträge beendet vorerst eine Debatte, die den traditionsreichen Standort schon mehrfach an den Rand seiner Existenz geführt hatte.

Gropiusstadt: Das Gesundheitszentrum in der Lipschitzallee ist eine zentrale Anlaufstelle für die ambulante Versorgung im Stadtteil, besonders für ältere Menschen. Die neuen Mietverträge sichern diese wichtige Funktion nun für mindestens zehn weitere Jahre. / © Foto: Wikimedia Commons, Klaus61, CC BY-SA 3.0
© Foto Titelbild: IMAGO / Emmanuele Contini
Für viele Patientinnen und Patienten in der Gropiusstadt ist es eine beruhigende Nachricht: Das Gesundheitszentrum im Quartier bleibt für mindestens zehn weitere Jahre bestehen. In den vergangenen Wochen unterzeichneten die Diakonie Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz und die im Haus ansässigen Arztpraxen neue Mietverträge. Damit ist eine Lösung gefunden, die nach längerer Unsicherheit den Fortbestand des Standorts sichert.
Zuvor hatte es Befürchtungen gegeben, ein möglicher Verkauf des Gebäudes könne zur Verdrängung von Praxen und Einrichtungen führen. Jährlich werden im Gesundheitszentrum rund 130.000 Patientinnen und Patienten behandelt. Bezirksamt, Diakonie und die Leitung des Zentrums hatten die Vereinbarung über Monate vorbereitet und begleitet. Von Beginn an habe Einigkeit darüber bestanden, den Standort langfristig zu erhalten, heißt es aus dem Kreis der Beteiligten.
Lipschitzallee: Gesundheitszentrum für zehn weitere Jahre gesichert
Aus dem Bezirksamt wird betont, dass das Gesundheitszentrum für die medizinische Versorgung von fast 40.000 Einwohnerinnen und Einwohnern der Gropiusstadt eine zentrale Rolle spiele. Der Standort bündelt zahlreiche Facharztpraxen sowie weitere Angebote wie Apotheke, Physiotherapie, Schwangerenberatung und Sanitätshaus. Gerade für ältere Menschen, deren Anteil im Quartier überdurchschnittlich hoch ist, sei die Sicherung des Zentrums von besonderer Bedeutung.
Auch die Diakonie verweist auf den sozialen Stellenwert der Einrichtung. Das Gesundheitszentrum sei Teil einer breiteren Infrastruktur aus sozialen und pflegerischen Angeboten im Bezirk. Die nun geschlossenen Verträge eröffneten dem Haus eine verlässliche Perspektive und sollten dazu beitragen, die ambulante Versorgung im Stadtteil zu stabilisieren.
Kooperatives Modell in der Gropiusstadt: Ein ungewöhnlicher Anfang in den 1970er Jahren
Dass das Gesundheitszentrum heute eine solche Bedeutung hat, geht auf seine besondere Entstehungsgeschichte zurück. Mitte der 1970er Jahre gründeten mehrere Ärztinnen und Ärzte in der neu entstehenden Gropiusstadt eine Einrichtung, die sich deutlich von der klassischen Einzelpraxis unterscheiden sollte. Ihr Ziel war ein kooperatives Modell, in dem verschiedene Fachrichtungen unter einem Dach zusammenarbeiten und medizinische mit sozialen Angeboten verbunden werden.
Dieses Konzept orientierte sich an Polikliniken und war für West-Berlin damals ungewöhnlich. Es ging mit basisdemokratischen Strukturen, gemeinsamer Organisation und zeitweise auch mit einer solidarischen Verteilung der Einnahmen einher. Das Modell stieß bundesweit auf Aufmerksamkeit, führte aber auch zu internen Konflikten; vor allem über finanzielle Fragen und Zuständigkeiten.
Wandel, Krisen und erneute Unsicherheit durch Verkaufspläne und steigende Mieten
Mit dem Wachstum der Gropiusstadt entwickelte sich das Zentrum zu einer festen Größe in der ambulanten Versorgung. Gleichzeitig änderten sich die Rahmenbedingungen: Eigentümer wechselten, das ursprüngliche Organisationsmodell wurde schrittweise aufgegeben, wirtschaftliche Aspekte gewannen an Gewicht.
Spätestens vor drei Jahren wurde die Zukunft des Standorts erneut öffentlich infrage gestellt. Berichte über Verkaufspläne und steigende Mieten nährten die Sorge, das Zentrum könne seine Funktion verlieren oder zerschlagen werden. Ärztinnen und Ärzte warnten damals vor einer Verschlechterung der Versorgung im Quartier.
Bezirksbürgermeister Hikel: „Als Bezirk werden wir weiter alles unternehmen, den Standort auch über das Jahr 2035 hinaus zu erhalten.“
Vor diesem Hintergrund beendet die jetzige Einigung eine Phase der akuten Unsicherheit, ohne jedoch alle langfristigen Fragen zu klären. Um den Standort zusätzlich abzusichern, hatte der Bezirk bereits 2023 einen Bebauungsplan beschlossen, der das Grundstück ausdrücklich für die Nutzung als Gesundheitszentrum festschreibt.
Für das Gesundheitszentrum Gropiusstadt bedeutet die Entscheidung vom 19. Januar vor allem eines: Zeit. Zeit, um den Betrieb zu stabilisieren und um an eine Geschichte anzuknüpfen, die seit fast fünf Jahrzehnten eng mit der Entwicklung des Stadtteils verbunden ist.
Quellen: Bezirksamt Neukölln, Gesundheitszentrum Gropiusstadt, Ärzteblatt, Gropiusstadt Berlin, Berliner Zeitung, Bebauungsplan 8-114 („Gesundheitszentrum Gropiusstadt“)
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