Der Standort des ehemaligen Hotel Mondial am Kurfürstendamm steht vor einer grundlegenden Veränderung. Während der Investor BEOS AG ein Büro- und Geschäftshaus plant, kursieren parallel Hinweise auf eine mögliche Neuausrichtung als Boutiquehotel. Damit ist die Zukunft des prominenten Grundstücks weniger klar, als es zunächst erscheint.

Die früheren Entwürfe von Tchoban Voss Architekten für einen Büroneubau wurden vom Investor nicht weiterverfolgt. / © Visualisierung: Tchoban Voss Architekten
© Visualisierungen: Tchoban Voss Architekten
Das frühere Hotel Mondial am Kurfürstendamm steht seit mehr als drei Jahren leer. Im Sommer 2022 stellte das Vier-Sterne-Hotel wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten den Betrieb ein. Kurz darauf übernahm die in derselben Straße ansässige BEOS AG das Gebäude aus den 1970er Jahren.
Das Unternehmen verfolgt seitdem das Ziel, den Bestand abzureißen und durch ein Geschäftshaus zu ersetzen. Erste Entwurfsideen präsentierte Ende 2022 der Architekt Sergei Tchoban, dessen Konzept jedoch nicht weiterverfolgt wurde. Stattdessen entschied sich der Investor für einen internationalen Architektenwettbewerb.
Der abrissreife Bestandsbau soll einem Neubau weichen, der zeitgemäße Büroflächen bereitstellt. Im Stadtentwicklungsausschuss von Charlottenburg-Wilmersdorf stellte die BEOS AG nun die Ergebnisse des Wettbewerbs vor, die die Grundlage für das weitere Verfahren bilden sollen.
Wettbewerb entschieden: Entwurf der Bjarke Ingels Group überzeugt
Die Wahl fiel auf die Bjarke Ingels Group aus Kopenhagen. Aus Sicht des Investors biete der Entwurf großzügige, helle Arbeitsbereiche und ermögliche durch seine Gebäudestruktur mehr Tageslicht in den geplanten Büroräumen. Vorgesehen sind sieben Geschosse, ein Dachpavillon sowie Ladennutzungen im Erdgeschoss. Eine Simulation wurde zwar im Ausschuss gezeigt, liegt jedoch öffentlich bislang nicht vor.
Der Investor plant, den Bauantrag bis zum vierten Quartal 2026 einzureichen. Eine bereits 2022 erteilte Baugenehmigung bleibt gültig und bildet weiterhin die rechtliche Grundlage. Vertreterinnen und Vertretern von CDU, FDP und Grünen äußerten sich im Ausschuss zufrieden über die vorgestellte Planung. Sie hoben hervor, dass der Entwurf einen hochwertigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Kurfürstendamms leisten könne.
Neubaupläne am Kurfürstendamm 47: Kritik am fehlenden Wohnraum
Ein anderes Bild zeigte sich bei der SPD-Fraktion und bei einem als Gast anwesenden Architekten. Sie kritisierten, dass an diesem Standort keine Wohnungen vorgesehen seien. Baustadtrat Christoph Brzezinski erklärte, dass der Kurfürstendamm in diesem Abschnitt baurechtlich als Kerngebiet gelte, das vorrangig wirtschaftlichen Nutzungen vorbehalten sei. Er habe betont, dass der Boulevard nicht als Wohnstraße einzustufen sei.
Nach der Schließung fanden im ehemaligen Hotel vereinzelt Kulturveranstaltungen statt. Weitere Zwischennutzungen lehnt der Investor allerdings ab, da der bauliche Zustand des Gebäudes aus seiner Sicht keine erneute Nutzung zulasse.
Hinweise auf alternative Hotelpläne am Ku’damm
Parallel zu den Büroplänen tauchen inzwischen Hinweise auf eine mögliche alternative Nutzung des Standorts auf. Die Atrium Development Group GmbH beschreibt auf ihrer Internetpräsenz eine umfassende Neuausrichtung des früheren Hotels zu einem Boutiquehotel. Das Unternehmen stellt darin in Aussicht, dass ein hochwertiges Angebot aus Beherbergung und Gastronomie die Aufenthaltsqualität am Kurfürstendamm verbessern könne.
Ob diese Darstellung eine konkrete Projektentwicklung widerspiegelt oder ältere Überlegungen dokumentiert, bleibt offen. Eine Verbindung zur aktuellen Planung der BEOS AG wurde bislang nicht bestätigt.
Ehemaliges Hotel Mondial: Unklare Perspektive für einen zentralen Standort
Der weitere Verlauf hängt nun von der Einreichung des Bauantrags und den anschließenden Genehmigungsprozessen ab. Während die BEOS AG konsequent auf ein Büro- und Geschäftshaus setzt, deutet das Auftauchen der Hotelidee darauf hin, dass der Standort weiterhin Gegenstand unterschiedlicher Zukunftsvisionen ist.
Für den Kurfürstendamm in der Berliner City West, der sich seit Jahren baulich verändert, bleibt damit eine zentrale Fläche in Bewegung.
Quellen: Tagesspiegel, Atrium Development Group GmbH, BEOS AG
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Ich habe mir neulich die Preise für Büros in einer Seitenstraße vom Kurfüstendamm angeschaut, und da auch bald das FÜRST sowas stellt frage ich mich ob mehr Büros in der Gegend die Mieten senkt.