Die Zukunft der Berliner Waldbühne steht vor einer Zäsur. Der Pachtvertrag mit dem bisherigen Betreiber CTS Eventim läuft Ende 2026 aus und der Senat bereitet erstmals seit Jahren eine europaweite Neuausschreibung vor. Damit ist auch die Frage offen, ob das Land Berlin die traditionsreiche Spielstätte künftig selbst betreibt.

Waldbühne Berlin

Die Waldbühne Berlin ist einer der bekanntesten Veranstaltungsorte der Stadt und umfasst eine Gesamtfläche von rund 69.600 Quadratmetern. Der Zuschauerbereich bietet Platz für 22.290 Menschen und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Glockenturm und dem Olympiastadion im Olympiapark. / © Foto: Wikimedia Commons, Sebastian Wallroth, CC BY 4.0

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Sebastian Wallroth, CC BY 4.0

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Die Zukunft der Berliner Waldbühne ist lange unklar geblieben, nun gibt es eine konkrete Perspektive. Der aktuell gültige Pachtvertrag zwischen dem Land Berlin und dem Ticket- und Veranstaltungsunternehmen CTS Eventim endet regulär am 31. Dezember 2026. Damit steht erstmals seit Jahren eine grundlegende Entscheidung über den künftigen Betrieb der Konzertlocation an.

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Inneres und Sport soll der Betrieb der Waldbühne künftig im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung vergeben werden, wie der Tagesspiegel berichtet. Damit wolle man Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Fairness im Vergabeverfahren sicherstellen und zugleich der besonderen kulturellen Bedeutung des Ortes Rechnung tragen.

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Übergangsphase bis 2027: Senat plant Ausschreibung der Waldbühne ab 2026

Um Planungssicherheit zu schaffen, prüft der Senat derzeit eine Verlängerung des bestehenden Vertrags um ein weiteres Jahr. Sollte dieser Schritt erfolgen, würde der aktuelle Betreiber die Waldbühne bis Ende 2027 weiterführen. Der eigentliche Betreiberwechsel wäre dann zum 1. Januar 2028 vorgesehen. Die Veröffentlichung der Ausschreibung ist für den Sommer 2026 geplant.

Hintergrund sind auch vergaberechtliche Fragen. Juristische Einschätzungen verweisen darauf, dass bei Pachtverträgen dieser Größenordnung eine Ausschreibung haushaltsrechtlich geboten sein könnte. Die bisherige Praxis, den Vertrag mehrfach zu verlängern, steht daher zunehmend in der Kritik.

Eventim unter Kritik: Debatte über öffentliche Trägerschaft der Waldbühne

Die Waldbühne gehört dem Land Berlin, wird jedoch seit 2009 von Eventim betrieben. Das Unternehmen organisiert eigene Veranstaltungen, vermietet die Bühne aber auch an externe Veranstalter. Kritiker werfen dem Konzern seit Jahren eine marktbeherrschende Stellung und hohe Ticketpreise vor, wie rbb24 mitteilt.

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Aus der Berliner Politik kommen deshalb alternative Vorschläge. Vertreterinnen und Vertreter von SPD und Grünen sprechen sich dafür aus, den Betrieb künftig in öffentliche Hand zu überführen. Als möglicher Betreiber wird die landeseigene Olympiastadion Berlin GmbH genannt, die bereits das benachbarte Olympiastadion betreut. Ziel wäre es, stärkeren Einfluss auf Preisgestaltung, Zugänglichkeit und Nutzungskonzepte zu nehmen.

Pachteinnahmen und Spielräume: Wirtschaftliche Bedeutung der Waldbühne für Berlin

Finanziell ist die Waldbühne für das Land relevant. Laut Haushaltsplänen flossen zuletzt deutlich mehr als eine Million Euro jährlich an Pachteinnahmen. Diese Summe setzt sich aus einer festen Pacht und einer erfolgsabhängigen Komponente zusammen.

Ein Eigenbetrieb könnte aus Sicht einiger Politikerinnen und Politiker zusätzliche Spielräume eröffnen, etwa für Sozial- oder Studierendentickets oder eine stärkere Öffnung für nicht-kommerzielle Formate. Ob und wie solche Ziele in einer Ausschreibung oder in einem Landesbetrieb umgesetzt werden, bleibt vorerst offen.

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Berliner Waldbühne vor Weichenstellung: Ausschreibung entscheidet über künftigen Betrieb

Die Waldbühne Berlin zählt zu den bekanntesten Freilichtbühnen Europas. Errichtet für die Olympischen Spiele 1936 und seit den 1960er-Jahren vor allem als Konzertort genutzt, prägt sie das kulturelle Selbstverständnis der Stadt bis heute.

Mit der anstehenden Ausschreibung endet eine lange Phase vertraglicher Verlängerungen. Welche Rolle die Waldbühne künftig spielen soll, als privat betriebene Eventlocation oder als stärker öffentlich gesteuerter Kulturort, wird damit zur politischen Entscheidung. Nun könnte sich der Betrieb ab 2028 grundlegend verändern.

Quellen: Waldbühne Berlin, Tagesspiegel, rbb24, radiodrei

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