Berlin hat den Auftrag für die Zukunft der S-Bahn rechtskräftig vergeben. 1.400 neue Wagen, modernisierte Werkstätten und neue Strukturen sollen den Betrieb ab 2032 schrittweise verändern.

Vertreter aus Politik, Verkehrsunternehmen und Bahnindustrie stellen in Berlin die Pläne für die Zukunft der S-Bahn vor. Der rechtskräftige Zuschlag ermöglicht den Bau von 350 neuen Halbzügen für die Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd. / © Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
© Titelbild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Die Entscheidung ist gefallen: Nach einem jahrelangen Vergabeverfahren steht fest, wie die Zukunft großer Teile der Berliner S-Bahn aussehen soll. Mit dem rechtskräftigen Zuschlag können nun die neuen Fahrzeuge gebaut, Werkstätten vorbereitet und die nächsten Schritte umgesetzt werden. Bis Fahrgäste in den neuen Zügen unterwegs sind, wird allerdings noch Zeit vergehen.
Am 8. Juli 2026 erhielten die S-Bahn Berlin GmbH, Siemens Mobility und Stadler Deutschland den Zuschlag für die Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd. Ein Nachprüfungsverfahren hatte die Vergabe zuvor erneut verzögert. Erst nachdem Alstom auf weitere Rechtsmittel verzichtete, konnte das Verfahren abgeschlossen werden. Begonnen hatte es bereits im Jahr 2020.
- Betroffene S-Bahn-Linien: S1, S2, S3, S5, S7, S8, S9, S15, S21, S25, S75, S85 und S86
- Projektstatus: Rechtskräftiger Zuschlag erteilt
- Betriebsaufnahme: schrittweise ab Anfang 2032
- Fertigstellung der Einflottung: planmäßig 2038
- Umfang: 350 Halbzüge mit insgesamt 1.400 Wagen
Das Konsortium übernimmt mehrere eng miteinander verbundene Aufgaben. Siemens und Stadler entwickeln und bauen die neue Fahrzeuggeneration. Die S-Bahn Berlin fährt weiterhin die Züge und übernimmt eine zentrale Rolle bei deren Instandhaltung. Der Auftrag umfasst 350 Halbzüge mit vier Wagen pro Einheit. Insgesamt entstehen damit 1.400 Wagen. Die neuen Fahrzeuge ersetzen schrittweise die Baureihen 480 und 481 auf den ausgeschriebenen Linien.
Berlins neue S-Bahn-Flotte kommt ab 2032
Der Zeitplan bleibt langfristig. Die Betriebsaufnahme und die Einflottung sollen Anfang 2032 beginnen. Bis 2038 soll die komplette neue Flotte im Einsatz stehen. Der VBB hatte zwischenzeitlich noch auch Betriebsstarts im Juni 2029 für die Stadtbahn und im Juni 2030 für das Nord-Süd-Netz gehofft. Doch die Verzögerungen bei der Vergabe und ein größerer Zeitbedarf für die Anbindung neuer Werkstätten machten diese Termine hinfällig.
Die neuen Fahrzeuge erhalten eine vollständige Klimatisierung, moderne Fahrgastinformationssysteme und automatische Schiebetritte. Diese sollen den Abstand zwischen Fahrzeug und Bahnsteig überbrücken und den barrierefreien Einstieg erleichtern. Außerdem sind Videotechnik und verbindliche Vorgaben zum Lärmschutz vorgesehen.
Die neuen S-Bahnen fahren künftig auf einem großen Teil des Berliner Netzes. Zum Teilnetz Stadtbahn gehören die Linien S3, S5, S7, S75 und S9. Das Teilnetz Nord-Süd umfasst S1, S2, S8, S15, S21, S25, S85 und S86. Die Ringbahn gehört nicht zu dieser Vergabe. Auch mehrere Verbindungen nach Brandenburg sind eingebunden, darunter Strecken nach Potsdam, Oranienburg, Bernau, Hennigsdorf, Blankenfelde, Strausberg Nord und Wildau.

Eine S-Bahn verlässt den Bahnhof Berlin Hauptbahnhof. Die neue Fahrzeuggeneration soll ab 2032 schrittweise auf den Linien der Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd eingesetzt werden. / © Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Neue Werkstätten für die S-Bahn in Berlin und Brandenburg
Parallel zum Fahrzeugbau müssen Berlin und Brandenburg die Instandhaltung neu organisieren. Bestehende Anlagen der S-Bahn Berlin, darunter das Werk Schöneweide, werden für die neue Flotte umgebaut. Zusätzlich soll in Fredersdorf-Vogelsdorf ein neues Instandhaltungswerk entstehen.
Eine besondere Rolle übernimmt die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Berlin (LSFB). Sie wird nach Abnahme Eigentümerin der neuen Züge. Außerdem überwacht sie die Entwicklung der Fahrzeuge, den Bau und Umbau der Werkstätten sowie später die Qualität der Instandhaltung. Den jeweiligen Verkehrsunternehmen überlässt sie die Wagen zur Nutzung. Berlin will damit verhindern, dass der Betrieb dauerhaft an das Eigentum eines einzelnen Bahnunternehmens gebunden bleibt.

Die Infografik zeigt die wichtigsten Kennzahlen zum Berliner S-Bahn-Vergabeverfahren. / © Grafik: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
Eine gemeinsame Leitstelle für schnellere S-Bahn-Entscheidungen
Zu den Plänen gehört außerdem eine neue Steuerungs- und Dispositionszentrale. Dort sollen ab Anfang der 2030er Jahre Beschäftigte des Infrastrukturbetreibers und des Verkehrsunternehmens gemeinsam arbeiten. Berlin, Brandenburg und die DB InfraGO wollen so bei Störungen schneller reagieren und Informationen besser abstimmen. Bislang liegen Betriebssteuerung und Infrastrukturmanagement organisatorisch stärker getrennt.
Der Zuschlag beendet damit zwar den Vergabestreit, nicht aber die lange Übergangsphase. Bis die neuen S-Bahnen fahren, müssen die Hersteller die Fahrzeuge entwickeln, zulassen und produzieren. Gleichzeitig stehen Werkstattumbauten, der Neubau in Fredersdorf-Vogelsdorf und die Vorbereitung der neuen Leitstelle an. Ob alle Züge wie geplant zwischen 2032 und 2038 in Betrieb gehen, hängt nun von der fristgerechten Umsetzung dieser Schritte ab.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Landesanstalt Schienenfahrzeuge Berlin, Welt
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Als Streckenanwohner hoffe ich auf bessere Technik.
Die jetzigen Bahnen rauben einem mit ihrem sinnlosen Gehäule von Lüftern beim Anfahren den Schlaf!