Die Zukunft des RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain steht erneut zur Debatte. Hintergrund ist ein Konflikt zwischen Eigentümer und Bezirk über das seit Jahren laufende Bebauungsplanverfahren. Während der Eigentümer steigende Kosten und ausbleibende Planungssicherheit kritisiert, befürchten viele Betreiber von Clubs und Kulturorten erhebliche Mieterhöhungen.

Die Kurth Immobilien-Gruppe plant die langfristige Entwicklung des RAW-Geländes zu einem offenen und gemischten Quartier. Bestehende kulturelle Strukturen sollen dabei erhalten und weiterentwickelt werden. / © Visualisierung: Kurth Immobilien
© Visualisierung Titelbild: Kurth Immobilien
Das RAW-Gelände in Friedrichshain gehört zu den bekanntesten Kultur- und Clubstandorten der Hauptstadt. Doch aktuell steht das Areal erneut im Zentrum eines politischen und wirtschaftlichen Konflikts. Hintergrund sind unterschiedliche Erwartungen zwischen Eigentümer und Bezirk hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Geländes.
Der Eigentümer, die Kurth-Gruppe, stellt infrage, ob die bisherige Finanzierung der Kultur- und Freizeitangebote weiter aufrechterhalten werden kann. Nach Angaben des Unternehmens gegenüber der Berliner Morgenpost, könnten künftig deutlich höhere Mieten verlangt werden, falls das seit Jahren laufende Bebauungsplanverfahren weiterhin stockt. Für viele der rund 70 Betreiber auf dem Gelände hätte dies erhebliche wirtschaftliche Folgen.
Geplantes Stadtquartier mit Kultur, Gewerbe und Wohnen auf dem RAW-Gelände in Berlin
Der Hintergrund des Konflikts liegt in einem städtebaulichen Konzept, das bereits seit mehreren Jahren diskutiert wird. Demnach sollte das RAW-Gelände langfristig zu einem gemischt genutzten Stadtquartier entwickelt werden. Neben Kultur- und Freizeitnutzungen waren auch neue Büroflächen, Gewerbeangebote und teilweise Wohnnutzungen vorgesehen.
Im Gegenzug hatte sich die Eigentümerseite verpflichtet, zentrale Bereiche der bestehenden Soziokultur langfristig zu sichern. Insbesondere das sogenannte „Soziokulturelle L“ sollte über Jahrzehnte zu vergünstigten Mieten betrieben werden. Die Kosten dafür trägt nach Angaben des Unternehmens bislang überwiegend der Eigentümer selbst.
Verzögerungen beim Bebauungsplan auf dem RAW-Gelände sorgen für Konflikt
Aus Sicht der Kurth-Gruppe, geriet der Zeitplan des Projekts jedoch zunehmend ins Stocken. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 2019. Ursprünglich wurde eine deutlich frühere Klärung der planungsrechtlichen Fragen erwartet.
Nach Darstellung des Eigentümers hätten Verzögerungen im Verfahren dazu geführt, dass Planungssicherheit bislang ausbleibt. Während zunächst ein Abschluss des Verfahrens in den kommenden Jahren erwartet wurde, wird inzwischen teilweise ein deutlich späterer Zeithorizont diskutiert. In diesem Zusammenhang stellte das Unternehmen infrage, ob die bisherige finanzielle Unterstützung der kulturellen Nutzungen weiterhin möglich sei.
Quartiersvision der Kurth-Gruppe trifft auf komplexes Bebauungsplanverfahren am RAW-Gelände
Im Interview mit ENTWICKLUNGSSTADT hatte Geschäftsführer Lauritz Kurth zuvor die übergeordnete Vision für das Areal beschrieben. Demnach solle auf dem rund 51.000 Quadratmeter großen Gelände ein urbanes Quartier mit unterschiedlichen Nutzungen entstehen. Kultur, Gewerbe, Büros, Sportangebote und öffentliche Freiräume sollen langfristig miteinander kombiniert werden.
Ziel sei es gewesen, ein lebendiges Stadtquartier zu entwickeln, das sich bewusst von reinen Gewerbeentwicklungen unterscheidet. Gleichzeitig sollte die über Jahre gewachsene Club- und Kulturszene Teil des zukünftigen Nutzungsmixes bleiben.
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg weist die Kritik des Eigentümers zurück und verweist auf die hohe Komplexität des Bebauungsplanverfahrens. Zugleich betont das Bezirksamt, dass derzeit intensiv an Lösungen gearbeitet werde, um sowohl neues Baurecht zu schaffen als auch die bestehenden soziokulturellen Nutzungen langfristig zu sichern.
Zukunft des RAW-Geländes: Einigung zwischen Eigentümer und Bezirk entscheidend
Wie sich der Konflikt weiter entwickelt, hängt nun maßgeblich vom Fortgang des Bebauungsplanverfahrens ab. Sollte es zu einer Einigung zwischen Eigentümer, Bezirk und Senat kommen, könnte das geplante Quartier langfristig umgesetzt werden.
Bleibt der Konflikt jedoch bestehen, könnten steigende Mieten für viele Kultur- und Clubbetreiber zu einer erheblichen Belastung werden. Damit steht nicht nur ein großes Stadtentwicklungsprojekt auf dem Spiel, sondern auch ein bedeutender Teil der Berliner Club- und Kulturlandschaft.

Das RAW-Gelände heute, eines der beliebtesten Party-Areale der Hauptstadt. / © Foto: Wikimedia Commons, Tine Volpert
Quellen: Kurth Real Estate, Holzer Kobler Architekturen, Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Berliner Morgenpost, Zimraum, Transsolar, Orange Edge
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3 Kommentare
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Eas geht also um „planungsrechtliche Fragen“ die das BZA Friedrichhain nach mehr als 6 Jahren immer noch nicht beantworten kann. Man verlangt vom Grundstückseigentümer also günstige Mieten für die Kultur- und Clubbetreiber, will aber die Gebäude, die der Eigentümer benötigt, um Geld zu verdienen, nicht genehmigen bzw. Jahre später als angekündigt.
So ist es wenn Linksgrüne im Bauamt das Sagen haben. Genehmigungs und Planverfahren unendlich in die Länge ziehen, den Investoren Steine in den Weg legen und dann auf die bösen Investoren schimpfen, wenn die die Mieten erhöhen.
Ich wette, gegen das geplante Hochhaus wird man auch noch kämpfen. Dieses benötigt der ET jedoch, um den notwendigen Gewinn zu erzielen.
Derartige Bauprojekte sollten grundsätzlich zentral im Senat und nicht in den Bezirken behandelt werden.
Dieses Vorhaben zeigt mal wieder, dass Linke und Grüne es nicht können und nicht wollen. Darum nie wieder RRG!
Wenn es ein gemeinsames Committment gab (und ich meine, vor einigen Jahren Presseberichte in dieser Richtung zu erinnern), dann müssen sich alle Seiten daran halten, auch das Bezirksamt. Und im Zweifel dürfen sich die Clubs dort bedanken, wenn der Eigentümer nicht mehr an sie vermieten wollen würde. Verbindlichkeit ist wichtig, auch bei der Umsetzung.
Ein Typ hat es bei einer Sprechstunde mit den Göttinger Eigentümern mal schön ausgedrückt (ungefähre Wortwahl)
„nehmt doch euer Scheiß Geld und haut ab, kauft euch eine Yacht oder so, aber macht doch nicht uns hier das Leben kaputt nur weil ihr Geld habt“