Die Idee, das Warenhaus und die Bibliothek unter einem Dach zu vereinen, wird weiterverfolgt. Die Verhandlungen über eine Mischnutzung zwischen Senatsverwaltung und CommerzReal sollen vertieft werden. Noch gibt es allerdings keine verbindlichen Vereinbarungen.

So könnte das Foyer der ZLB im Galeria-Gebäude am Alexanderplatz aussehen. / © Visualisierung: CommerzReal
© Visualisierung: CommerzReal
Die Gespräche über einen möglichen Kombi-Standort aus dem Warenhaus Galeria und der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) am Alexanderplatz gehen in die nächste Runde. Wie die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt mitteilte, sollen die Verhandlungen mit der Eigentümerseite, vertreten durch CommerzReal, fortgeführt werden. Ziel bleibt es, das Galeria-Gebäude am Alexanderplatz perspektivisch sowohl für den Einzelhandel als auch für größte öffentliche Bibliothek der Stadt zu nutzen.
Nachdem die erste Verhandlungsphase beendet wurde, liegen nun verschiedene Angebote und Finanzierungsmodelle vor. Konkret verständigten sich Senat und Eigentümer darauf, die bisher geführten Gespräche zu vertiefen und offene Punkte weiter zu klären. Dazu zählen unter anderem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, bauliche Anforderungen sowie die langfristige Nutzungsstruktur des Hauses.
Umzug der ZLB an den Alexanderplatz: Mischnutzung des Galeria-Gebäudes angestrebt
Den aktuellen Gesprächen ging eine mehrjährige Phase der Prüfung und Neuorientierung voraus. Nachdem der ursprüngliche Plan eines eigenständigen Neubaus für die Zentral- und Landesbibliothek Berlin auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof aufgegeben worden war, rückte der Alexanderplatz erneut in den Fokus. Parallel dazu geriet das dortige Warenhaus der Galeria Karstadt Kaufhof infolge der Konzernkrisen und Restrukturierungen unter Druck.
In diesem Spannungsfeld entwickelte sich die Idee, das Bestandsgebäude am Alexanderplatz neu zu denken: nicht mehr ausschließlich als klassisches Kaufhaus, sondern als Gebäude mit Mischnutzung. Bereits in früheren Abstimmungen hatten sich Senat, Galeria und Eigentümer grundsätzlich offen für ein solches Modell gezeigt. Zu einer Einigung kam es bislang jedoch nicht. Zu den offenen Fragen zählen Umbaukosten und Mietkonditionen.
ZLB-Umzug: Verhandlungen sollen im Sommer 2026 abgeschlossen werden
Gleichzeitig betont Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Franziska Giffey (SPD), dass eine zwingende Voraussetzung für eine Fortführung der Verhandlungen eine Verlängerung der Nutzungsvereinbarung mit der Galeria ist.
„Das hat die CommerzReal heute zugesagt“, sagt Giffey. „Wir wollen den Warenhausstandort und die über 200 Arbeitsplätze am Alexanderplatz erhalten und sichern. Heute ist dafür ein wichtiger Zwischenschritt gelungen. Das verschafft den Beschäftigten und der Galeria eine Perspektive und uns die nötige Luft, in die weiteren Verhandlungen mit der CommerzReal zu gehen.“
Beide Seiten verständigten sich darauf, die Verhandlungen bis zum Sommer 2026 abzuschließen.
Alexanderplatz: Potentieller Umbau des Galeria-Gebäudes für die ZLB bei laufendem Betrieb
Nach den bislang bekannten Planungen könnte der Einzug der ZLB nach einer Einigung schrittweise erfolgen, bei laufendem Betrieb des Warenhauses Galeria. Vorgesehen ist, einzelne Ebenen des Gebäudes für bibliothekarische Nutzungen umzubauen, während der Warenhausbetrieb fortgeführt wird. Diskutiert werden offene Lesesäle, Lern- und Arbeitsbereiche sowie Veranstaltungsflächen. Auch eine teilweise Öffnung der Fassade sowie öffentlich zugängliche Dachflächen standen in früheren Entwürfen im Raum.
Die ZLB würde damit nicht nur neue Flächen gewinnen, sondern zugleich eine deutlich zentralere Lage erhalten. Der Alexanderplatz als Verkehrsknotenpunkt böte ideale Voraussetzungen für höhere Besucherzahlen und eine stärkere Verankerung der Bibliothek im städtischen Alltag.
Für den Alexanderplatz hätte ein solcher Kombi-Standort erhebliche städtebauliche Bedeutung. Seit Jahren gilt er als Großbaustelle der Berliner Innenstadtentwicklung, geprägt von Umbrüchen, Leerständen und Neuplanungen. Der Umzug der ZLB könnte einen neuen Anziehungspunkt schaffen.
Quellen: Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, rbb, Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung
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3 Kommentare
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Man kann es nicht oft genug schreiben: Es gibt überhaupt kein öffentliches Interesse, die ZLB an den Alexanderplatz zu verlegen. Schon die Behauptung, eine ZLB im Galeria-Gebäude läge zentraler, ist abstrus. Am Blücherplatz treffen sich die U-Bahn-Linien U7, U6, U1, zugleich finden sich endlos viele Bus-Anbindungen. Zentraler geht gar nicht!
Die Vermietung an das Land Berlin ist ausschließlich im Interesse der CommerzReal, die einen solventen, verlässlichen Mieter haben will, den sie darüber hinaus gekonnt über den Tisch ziehen kann (Merke: Die öffentliche Hand lässt sich bei sowas immer über den Tisch ziehen), und die zwar von Signa das Objekt übernommen hat, aber genaugenommen mit dem Bau einschließlich insbesondere des Hochhauses wirtschaftlich nichts anfangen kann. Für Autofahrer ist der Alexanderplatz schlechter zu erreichen als der Blücherplatz, weil es am Alexanderplatz außer in dem engen Parkhaus, für das kräftig „Eintritt“ zu zahlen ist, keine Parkplätze in der Umgebung gibt.
Mit Einzug der ZLB wird auch in überschaubarer Zeit das Ende Galerias herbeigeführt. Gegenwärtig ist das gesamte Gebäude an Galeria vermietet. Weshalb braucht die CommerzReal überhaupt einen neuen Mieter? Wohl, weil Galeria wirtschaftlich ständig am Abgrund wandelt, man darüber hinaus bei einer Neuvermietung den Mietpreis kräftig anheben kann, allzumal bei der öffentlichen Hand, die immer zuviel zahlt. Und wenn das heutige Galeria nicht überlebensfähig ist, ist es erst Recht nicht ein verbleibendes Rumpf-Galeria!
Und: Der gegenwärtige Bestandsbau am Blücherplatz muss ja weiter finanziert werden. Man müsste für den darüber hinaus eine angemessene Weiterverwendung finden. Und sanieren müsste man das Gebäude ebenfalls! Wir werden also für das ZLB einen irrwitzig teuren Mietvertrag „an der Backe“ haben, darüber hinaus Sanierungskosten für das Bestandsgebäude für sicherlich 150 bis 200 Mio. – und hätten dann ein weiteres Leerstandsgebäude! Das Projekt „ZLB in den bisherigen Galleries Lafayette“ ist zum Glück gescheitert. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Alexanderplatz sind im Ergebnis keine günstigeren als für das vorgenannte Projekt. Daher: Finger weg!
Baut endlich am Blücherplatz den Erweiterungsbau und saniert dann den Bestandsbau!
Dem vorletzten Absatz ist nichts hinzuzufügen. Genauso sieht es aus… Alle reden doch immer von Bildungsgesellschaft. Und genau das ist das stärkste innerstädtische Symbol (denn mehr ist es erst einmal nicht), dass man diesbezüglich in die Welt setzen kann. Zusammen mit den neuen Türmen wird man diesen verratzten und ätzenden Platz hoffentlich dann auch final in den Griff bekommen.
Der erste Kommentar spricht mir aus der Seele. Vielen Dank.