Die Debatte um einen neuen Standort für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) gewinnt an Tempo. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson spricht sich klar für einen Umzug ins Galeria-Gebäude am Alexanderplatz aus. Doch bevor eine Entscheidung fällt, müssen zentrale Preisfragen mit dem Eigentümer Commerz Real geklärt werden.

ZLB am Alexanderplatz im ehemaligen Galeria Gebäude

Geöffnete Fassade: So stellt sich Bauherr CommerzReal den Umbau des Galeria-Gebäudes am Berliner Alexanderplatz vor. / © Visualisierung: CommerzReal AG

© Visualisierungen: CommerzReal AG

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Der Senat hatte sich bereits im Januar darauf verständigt, die Gespräche über einen möglichen Einzug der Zentral- und Landesbibliothek in das Galeria-Kaufhaus am Alexanderplatz fortzuführen. Während bislang die landeseigene Berliner Immobilienmanagement (BIM) verhandelte, führt nun Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson die Gespräche für das Land Berlin.

Wedl-Wilson betonte gegenüber dem Tagesspiegel, Berlin brauche dringend einen neuen Standort für die ZLB. Der Alexanderplatz sei dafür hervorragend geeignet. Zugleich verwies sie darauf, dass der Platz seit Jahren unter städtebaulichen und sozialen Problemen leide. Eine Bibliothek könne beide Herausforderungen — die Standortsuche der ZLB und die Situation am Alex — zugleich adressieren.

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Zentralbibliothek am Alexanderplatz: Neue Impulse für Sicherheit, Handel und Aufenthaltsqualität

Der Alexanderplatz gilt als einer der meistfrequentierten Orte Berlins. Dennoch verweilen viele Menschen dort nur kurz. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, eine Zentralbibliothek könne die „Chemie“ des Platzes grundlegend verändern. Mehr Menschen mit einem konkreten Ziel könnten auch das Sicherheitsgefühl stärken und dem Einzelhandel neue Impulse geben.

Auch ZLB-Generaldirektor Jonas Fansa wirbt seit Jahren für einen zentralen Neubeginn. Die bestehenden Standorte, die Amerika-Gedenk-Bibliothek und das Haus an der Breiten Straße, seien zu klein und teilweise sanierungsbedürftig. Man sei mehrfach an die Grenze der Betriebsfähigkeit geraten. Ein neuer Standort könnte die Besucherzahlen deutlich steigern und eine zentrale kulturelle Adresse schaffen.

ZLB-Standortfrage: 600 Millionen Euro und mögliche Immobilienverkäufe im Fokus

Die Kosten bleiben jedoch der zentrale Knackpunkt. Eine Sanierung der beiden Bestandsgebäude würde nach Angaben der ZLB rund 600 Millionen Euro kosten. Ein Neubau oder Umbau an zentraler Stelle bewege sich in einer ähnlichen Größenordnung. Die Senatorin argumentiert, man müsse ohnehin investieren. Nach Jahrzehnten der Standortsuche könne ein neuer zentraler Ort langfristig wirtschaftlicher sein.

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Finanziellen Spielraum könnte das Land durch den Verkauf bestehender Immobilien gewinnen. Für die Amerika-Gedenk-Bibliothek gebe es bereits Nachnutzungskonzepte. Auch für das Gebäude an der Breiten Straße liefen Gespräche. Konkrete Entscheidungen seien jedoch noch nicht gefallen.

Galeria-Gebäude am Alexanderplatz: Preisverhandlungen mit Commerz Real entscheiden über ZLB-Umzug

Entscheidend ist nun der Preis. Wedl-Wilson machte deutlich, dass die bisherigen Forderungen des Eigentümers Commerz Real aus Sicht des Landes zu hoch seien. Beim Kaufpreis müsse sich etwas bewegen. Deshalb setze man die Gespräche fort.

Ob das Galeria-Gebäude am Alexanderplatz tatsächlich zur neuen Zentralbibliothek wird, hängt damit weniger von der politischen Unterstützung als von den laufenden Verhandlungen ab. Klar ist: Die Standortfrage der ZLB und die Zukunft des Alexanderplatzes sind enger miteinander verknüpft als je zuvor.

Quellen: Tagesspiegel, CommerzReal AG, Kleihues+Kleihues, Dokumentation „Baustelle Alexanderplatz“ (BerliMedia GmbH), rbb, Berliner Morgenpost

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5 Kommentare

  1. Sven Koester 3. März 2026 at 11:49 - Reply

    Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wenn das letzte im Ostteil der Stadt liegende Kaufhaus platt gemacht wird und dafür auch noch Steuermittel des Senates aufgewendet werden. Zunächst hieß es, dass das Kaufhaus durch den Hochhausbau vergrößert wird, jetzt soll nur noch ein winziger Rest davon stehen bleiben. Als Berliner fühle ich mich maximal betrogen.

    • Marcel S. 3. März 2026 at 13:55 - Reply

      Dann geh doch da einkaufen. Es wird nicht platt gemacht sondern das Geschäftsmodell von klassischen Kaufhäusern hat einfach ausgediehnt. So eine Bibliothek würde den Alex defintiv gut tun und das übliche Niveau des Publikums am Alex deutlich anheben. Ich befürchte allerdings dass auch Bibliotheken zu einem Auslaufmodel gehören.

  2. Frank Dost 3. März 2026 at 21:35 - Reply

    Es ist langsam nicht mehr nachvollziehbar, wie sklavisch sich die Berliner Verwaltung unter Frau Giffey für den Verbleib von Galeria am Alex einbringt. Will man / kann man in der Behörde, sehr wahrscheinlich aufgrund mangelnder Expertise, nicht verstehen, dass das Unternehmen ob verschiedener negativer Faktoren intern und extern auf das nächste „Aus“ zusteuert!? – Vielleicht sollten sich Giffey und die nachgeordneten operativen Mitarbeiter mal in den Warenhäusern von Galeria umsehen und bei den Mitarbeitern umhören um dort feststellen zu können wie gross die Not bei Galeria ist.

  3. LunaSioux 5. März 2026 at 00:21 - Reply

    Wäre auf jeden Fall sinnvoll. Wer weiß, wie lange dort ein Kaufhaus noch Zukunft hat und die ZLB am Alex würde den Platz deutlich aufwerten und hoffentlich zum Verweilen einladen. Bisher ist der Alex eh weitgehend verschenktes Potential.

  4. Reinhardt Kirchner 6. März 2026 at 21:17 - Reply

    In einer Demokratie in der ständig gesagt wird daß die Gelder knapp sind sollte eine Kalkulation offen gelegt werden. Ein Neubau mit wesentlich weniger Kosten als eine Miete am Alexanderplatz könnte zum Beispiel am Ostkreuz entstehen. Dort gähnen noch riesige leerstehende Flächen und die Anbindung ist extrem gut…

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