Ein internationaler Wettbewerb, ambitionierte Architektur und ein prominenter Standort: Der Neubau der ZLB am Rande des Tempelhofer Feldes galt als eines der wichtigsten Kulturprojekte Berlins. Doch der Volksentscheid von 2014 machte das Projekt zunichte und veränderte die Standortsuche bis heute.

Moderner Innenraum der ZLB am Alexanderplatz: So stellt sich Bauherr CommerzReal die Umsetzung des Bildungsprojekts im heutigen Galeria-Kaufhaus vor. Ob diese Vision Wirklichkeit wird, ist ungewiss. Die Träume der Berliner Politik, das Bibliotheksgebäude am Rande des Tempelhofer Feldes zu errichten, zerschlugen sich im Mai 2014. / © Visualisierung: CommerzReal AG

© Titelbild: Max Dudler GmbH

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Die Idee, die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) an einem zentralen Ort zusammenzuführen, begleitet die Berliner Stadtentwicklung seit vielen Jahren. Besonders konkret wurde dieses Vorhaben schon Anfang der 2010er Jahre, mit einem prominenten Standort: dem Rand des Tempelhofer Feldes.

Doch was als zukunftsweisendes Projekt für Bildung und Stadtentwicklung gedacht war, scheiterte letztlich an einem der bedeutendsten stadtpolitischen Voten der jüngeren Berliner Geschichte.

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Wettbewerb und Vision: Die ZLB am Tempelhofer Damm

Im Jahr 2013 nahm das Projekt deutlich an Fahrt auf. Der Berliner Senat unter Klaus Wowereit verfolgte die Idee, das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof neu zu strukturieren. Teil dieser Überlegungen war auch ein Neubau für die ZLB am westlichen Rand des Feldes, nahe dem Tempelhofer Damm.

Ein internationaler Architekturwettbewerb brachte Ende 2013 konkrete Entwürfe hervor. Im Zuge des vielbeachteten Wettbewerbs wurden zwei erste Preise vergeben: ein filigraner Glasbau von MOA Architekten sowie ein expressiver, weit gespannter Entwurf von Kohlmayer Oberst Architekten. Beide Konzepte standen buchstäblich für die architektonische Bandbreite des Projekts.

Die Lage galt als gut erschlossen, mit direkter Anbindung an S- und U-Bahn sowie die Stadtautobahn. Gleichzeitig sollte die Bibliothek als städtebauliches „Entrée“ zum neuen Tempelhofer Feld fungieren.

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Kritik und Gegenbewegung: Widerstand gegen die Randbebauung des Tempelhofer Feldes

Doch bereits parallel zur Planung formierte sich Widerstand. Die Initiative 100% Tempelhofer Feld sprach sich früh gegen jegliche Bebauung aus und forderte, das Areal vollständig als Freifläche zu erhalten. Auch für die ZLB forderten die Initiatoren einen alternativen Standort, ohne konkrete Vorschläge zu machen. Hauptsache nicht auf dem Tempelhofer Feld.

In der öffentlichen Debatte wurde schließlich die Standortwahl für die Bibliothek durchaus hinterfragt. Ein Beitrag der Bauwelt aus dem Jahr 2014 kritisierte die geplante Randbebauung als städtebaulich fragwürdig und stellte die grundsätzliche Notwendigkeit eines Neubaus an dieser Stelle infrage.

Schon 2014 gab es den Vorschlag, die ZLB ins historische Flughafengebäude Tempelhof zu integrieren

Stattdessen wurde vorgeschlagen, die Bibliothek in das bestehende Flughafengebäude zu integrieren; ein denkmalgeschützter Bau mit enormen Flächenreserven und historischer Bedeutung. Damit wurde ein Vorschlag formuliert, der später noch einmal diskutiert werden sollte.

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Diese Perspektive eröffnete immerhin eine alternative Lesart: nicht Neubau auf der Freifläche, sondern Transformation des Bestands als Impuls für die Weiterentwicklung des Areals. Doch noch rechnete niemand wirklich mit einem Erfolg der Bürgerinitiative.

Volksentscheid 2014: Das Ende der ZLB-Pläne auf dem Tempelhofer Feld

Am 25. Mai 2014 kam es schließlich zum entscheidenden Votum: Im Rahmen eines Volksentscheids sprach sich eine Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes aus. Mit diesem Ergebnis war auch der geplante Neubau der ZLB an diesem Standort hinfällig.

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin reagierte in einem offiziellen Statement mit Respekt, aber auch mit Bedauern. Der damalige Vorstand Volker Heller betonte, dass Berlin weiterhin dringend eine leistungsfähige, zentrale Bibliothek benötige. Die damalige (und auch heutige) Situation – verteilt auf mehrere Standorte, mit begrenzten Arbeitsplätzen und magazinierten Beständen – sei langfristig nicht tragfähig.

Standortsuche ohne Ende? Mehrere Optionen für die ZLB, aber bislang kein Durchbruche

In den Jahren nach dem Volksentscheid begann eine neue Phase der Standortsuche. Verschiedene Optionen wurden diskutiert, darunter Flächen am Alexanderplatz, Bestandsgebäude wie die Galeries Lafayette oder andere innerstädtische Lagen. Auch eine Erweiterung der Amerika-Gedenk-Bibliothek am Mehringplatz war mehrere Jahre ernsthaft geplant worden, doch die Umsetzung scheiterte letztlich an der Finanzierung.

Keine dieser Varianten führte also bislang zu einer endgültigen Lösung. Die Suche nach einem geeigneten Standort für eine moderne Metropolenbibliothek bleibt ein wiederkehrendes Thema der Berliner Stadtpolitik, bis heute.

Rückkehr der Debatte: Tempelhof wieder im Gespräch

Bemerkenswert ist, dass der Standort Tempelhof trotz des klaren Votums von 2014 nicht vollständig aus der Diskussion verschwunden ist. Im Zuge politischer Debatten im Jahr 2023 wurde erneut geprüft, ob Teile des ehemaligen Flughafengebäudes für die ZLB genutzt werden könnten.

Damit kehrte eine Idee zurück, die bereits während der ursprünglichen Planungsphase angeklungen war: die Integration der Bibliothek in den monumentalen Bestandsbau des Flughafens, als Alternative zur Neubebauung des Feldes.

Die ZLB in Tempelhof: Was hätte sein können – und was noch kommen könnte

Der geplante und letztlich gescheiterte Neubau der Zentral- und Landesbibliothek am Rande des Tempelhofer Feldes steht gewissermaßen beispielhaft für die Spannungsfelder der Berliner Stadtentwicklung: zwischen Wachstum und Bewahrung, zwischen Neubau und Bestand, zwischen politischer Planung und bürgerschaftlichen Gegenbewegungen.

Rückblickend erscheint das Projekt wie ein mögliches Schlüsselvorhaben, das Bildung, Architektur und Stadtentwicklung miteinander verknüpft hätte. Gleichzeitig zeigt sein Scheitern, wie stark städtische Großprojekte von gesellschaftlicher Akzeptanz abhängen. Und eben jene Akzeptanz war im Mai 2014 eben nicht gegeben.

Und doch ist die Geschichte nicht abgeschlossen. Die Frage nach einem zentralen Ort für die größte öffentliche Bibliothek Deutschlands bleibt offen – ebenso wie die Zukunft des Flughafengebäudes selbst. Vielleicht liegt gerade in dieser Unentschiedenheit die eigentliche Pointe: dass ein Projekt, das nie realisiert wurde, die Stadt bis heute weiter beschäftigt.

 

Quellen: Max Dudler GmbH, RBB, Berliner Morgenpost, TAZ, Bauwelt, Deutsches Architektur Forum, Initiative 100% Tempelhofer Feld, Architektur Urbanistik Berlin, CommerzReal AG, Kohlmayer Oberst Architekten, MOA Architekten

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4 Kommentare

  1. Dr. Martin Jungmann 20. März 2026 at 16:14 - Reply

    Die Gedenkbibliothek liegt keineswegs am Mehring-, sondern vielmehr am Blücherplatz.

    • Franz 21. März 2026 at 08:49 - Reply

      Ansonsten wäre der Mehringplatz nicht jenes städtebauliche Problem, das er ist.

  2. Franz 21. März 2026 at 09:01 - Reply

    Seien wir ehrlich: Wäre aus dem Bibliotheksbau am Tempelhofer Feld wirklich etwas geworden? Die Landesbibliothek ist eines von zwei Fetischobjekten der Berliner Politik. Und es wird keinen Nezbau o.ä. geben, weil ein solches Projekt vollständig (!) vom Land Berlin allein bezahlt werden müsste. Kultur- aber auch andere Bauten startet diese Stadt nur, wenn der Bund mindestens 200 Mio. Euro dazubezahlt (noch besser ist es, er übernimmt mehr oder minder die Kosten ganz wie auf der Museumsinsel). Es macht der Landespolitik mehr Spaß, das Geld kleinteilig zu verjubeln in Projekten, die eh nix werden (Olympia, schöne Entwürfe wie für den Westpark, etc.) anstatt eine solide Finanzierung für die ZLB aufzulegen. Dazu würde gehören (können), die dann alten Gebäude zu verwerten, sowohl die AGB als auch das Objekt an der Breite Straße. Aber das ist tabu. Schade nur für die vielen Leserinnen und Leser.

  3. Xenia Brühl 24. März 2026 at 16:20 - Reply

    Was sollte denn eine ZLB in Tempelhof? Dieser Bezirk ist für „zentral“ viel zu weit draußen!

    Stattdessen hätte mir persönlich der einstige Vorschlag mit dem Galeries Lafayette-Gebäude sehr gut gefallen – diese Aktion hätte ein wenig mehr Leben in die Friedrichstraße zurückgebracht.

    Der Idee des Alexanderplatzes war ich dagegen von Anfang an skeptisch gegenüber gestanden. Denn die Berliner:innen und Touristen lassen sich ihren einstigen „Konsum“, das heutige Galeria-Gebäude, nicht nehmen. Und auch nicht so aufteilen, dass die Galeria-Verkaufsfläche im Gegensatz zur ZLB massiv bis zur Bedeutungslosigkeit verkleinert wird!

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