Am Alexanderplatz deutet sich eine Entscheidung über die Zukunft des letzten großen Kaufhauses im Osten Berlins an. Nach Informationen der Berliner Zeitung scheint der Einzug der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) in das Galeria-Gebäude gesichert. Damit könnte auch der Fortbestand der Kaufhausfiliale gesichert werden.

Das Warenhaus am Alexanderplatz umfasst derzeit rund 36.000 Quadratmeter Fläche, von denen künftig etwa ein Drittel für Galeria vorgesehen ist. Geplant ist, dass die Filiale vor allem das Erdgeschoss mit Zugängen über die Karl-Liebknecht- und die Dircksenstraße nutzt. / © Visualisierung: Commerz Real
© Visualisierungen: Commerz Real
Das Galeria-Kaufhaus am Alexanderplatz prägt seit 1970 das Bild des Platzes. Errichtet als Centrum-Warenhaus in der DDR, ist es heute als Galeria das letzte verbliebene Kaufhaus im Osten Berlins. Seine Zukunft stand lange auf der Kippe, da der Mietvertrag im Februar 2026 ausläuft. Nach Informationen der Berliner Zeitung scheint nun jedoch eine Lösung gefunden zu sein. Das Haus soll künftig sowohl von Galeria als auch von der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) genutzt werden.
Bei einem Treffen zwischen Senat, Bezirk Mitte, Eigentümer Commerz Real und Galeria sollen die Weichen gestellt worden sein. Ein Teilnehmer berichtete gegenüber der Berliner Zeitung, dass die Gespräche positiv verlaufen seien, besonders im Hinblick auf die Kombination von Warenhaus und Bibliothek im selben Gebäude. Offiziell bestätigen die Beteiligten dies bisher nicht, weitere Verhandlungen stehen an.
Commerz Real plant Mischnutzung mit Zentral- und Landesbibliothek als Hauptmieter am Alexanderplatz
Der Eigentümer Commerz Real verfolgt eine Abkehr vom traditionellen Warenhausmodell. Stattdessen setzt er auf eine Mischnutzung, bei der die ZLB als Hauptmieter eine zentrale Rolle spielt. Schon Ende 2024 war klar, dass Commerz Real diesen Plan favorisiert. Ein früherer Vorschlag, die Bibliothek in das ehemalige Gebäude der Galeries Lafayette in der Friedrichstraße zu verlegen, scheiterte an den hohen Kosten.
Mit dem ZLB-Einzug will Commerz Real zudem einen „Leuchtturm-Effekt“ erzielen, um das benachbarte Hochhausprojekt zu stärken. Dort entsteht ein 146 Meter hoher Büroturm, dessen Fertigstellung für 2027 geplant ist. Der Einzug der ZLB soll den Standort auch für andere Mieter attraktiver machen.
Galeria am Alexanderplatz soll trotz ZLB-Umzug ein Drittel der Fläche weiter nutzen
Auch die Zukunft der Galeria-Filiale selbst ist Teil des Plans. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey betonte laut Berliner Zeitung, dass mit der ZLB auch die Arbeitsplätze der rund 350 Beschäftigten gesichert werden könnten. Geplant ist, dass Galeria weiterhin etwa ein Drittel der Fläche nutzt, vor allem im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss.
Damit zeichnet sich eine Lösung ab, nachdem zuletzt das Aus mehrerer Galeria-Standorte in Friedrichshain, Lichtenberg und an der Friedrichstraße für Unruhe gesorgt hatte. Noch offen ist allerdings, wie genau das Land Berlin den Umzug der Bibliothek finanzieren will.
Alexanderplatz: Verlängerung des Galeria-Mietvertrags und Integration ins Kulturband geplant
Nach Angaben der Berliner Zeitung soll die Nutzungsvereinbarung mit Galeria in den kommenden Wochen verlängert werden. Juristische Details seien aber noch zu klären. Zudem ist ein weiteres Treffen zwischen den Beteiligten in dieser Woche vorgesehen. Bis dahin bleibt unklar, wie der Senat die Kosten für den ZLB-Umzug aufbringen wird.
Commerz Real verfolgt mit dem Projekt eine größere Vision: Der Alexanderplatz soll stärker in das „Kulturband“ integriert werden, das sich vom Humboldt Forum über die Alte Münze bis zum Haus der Statistik zieht. Ob diese Pläne umgesetzt werden, hängt von den laufenden Verhandlungen ab. Klar ist jedoch, dass der Alexanderplatz vor einem tiefgreifenden Wandel steht.

Mit der Integration der Zentral- und Landesbibliothek sowie einem nachhaltigen Handelskonzept verfolgt Commerz Real eine spannende Vision für Berlins östliches Zentrum. Auf dem Dach des Gebäudes sollen gastronomische Angebote entstehen. Doch die Finanzierung des Vorhabens ist noch nicht abschließend geklärt. / © Visualisierung: Commerz Real
Quellen: Commerz Real, Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost, ECE Projektmanagement GmbH, DLE Land Development GmbH, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, GEWOBAG, Signa Real Estate, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Architektur Urbanistik Berlin, Immobilien Zeitung, Becken Development GmbH, Graft Architects, hausInvest
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Eine Stadt lässt sich kaufen! Wenn die ZLB wirklich an den Alexanderplatz zieht, dann ist das nichts anderes als die Erpressung durch die Commerzbank, den Laden, den sie sonst nicht gefüllt bekäme, zu füllen. Die Stadt scheint also gesagt zu haben, ihr vermietet an Galleria Kaufhof weiter, wenn auch zu reduzierten Flächen, und dafür garantieren wie euch mit der ZLB öffentliche Gelder als Garantie! Das Land versucht also, der Commerzbank ihr Investment, dass eigentlich schief gegangen ist, finanziell abzusichern – auf Kosten des Steuerzahlers! Wie so oft von mir beschrieben: Wer den Umzug der ZLB in was auch immer will, muss diese Kosten gegenrechnen gegen die weiterhin bestehenden Kosten für die bisherigen Standorte. Jeder, der die die Grundrechenarten beherrscht, weiß, dass das nur dramatisch teurer werden kann. Ich mag Giffey ja perönlich gerne, aber politisch kann sie einfach nichts. Gut, dass sie demnächst weg ist!
…dieser Vorgang bestätigt meine Ansicht, dass das System der repräsentativen Demokratie keine ausreichende Garantie gegen Mauschelei und Korruption besitzt.. und damit dem Willen des steuerzahlenden Staatsbürgers immer wieder fundamental entgegen steht…entgegen seines begrifflichen Demokratieversprechens..Wie leicht ist es doch in vergleichsweise kleinen Angelegenheiten, das Geld der Steuerzahler zu derem Nachteil zu veruntreuen… und genauso leicht ist es in der repräsentativen Demokratie eben auch, das Geld der Steuerzahler in riesengroßen Dimensionen zu derem Nachteil zu verschwenden und zu veruntreuen.. Der Souverän, der in Wahrheit eben keiner ist, hat keine wirksame politische Handhabe gegen die Steuerverschwendung durch seine vermeintlichen Repräsentanten… Soviel zur systemimmanenten Schwäche der repräsentativen Demokratie (durch Käuflichkeit und Mauschelei ), die nicht massiv durch Elemente der direkten Demokratie auf allen staatlichen Ebenen ergänzt wird (inklusive jederzeitigen Initiativrechts durch den Souverän..also dem wahlberechtigten Staatsbürger). Allein das bestehende Asylrecht, das dem Steuerzahler jedes Jahr je nach Berechnung 50 bis 100 Milliarden Euro kostet, ist nichts anderes als eine großangelegte Veruntreuung von Steuergeldern. Es ergibt sich aus dem bestehenden Asylrecht keinerlei Nutzen für den steuerzahlenden Staatsbürger, im Gegenteil massiv Nachteile… bei einem Volksentscheid hätte das bestehende Asylrecht mit hoher Wahrscheinlichkeit keinerlei Bestand vor dem Souverän… Der Verweis auf das Grundgesetz oder irgendein Europäisches Recht, das uns dieses Asylrecht auf alle Ewigkeit vorschreibt, ist in meinen Augen völlig irrelevant.. WEIL die Beachtung des Grundgesetzes dem Wohle des deutschen Volkes dienlich sein soll (das ist der Sinn einer Verfassung)… Ist dies erkennbar nicht mehr der Fall, so ist die rechtliche Verfassung entweder zu verändern oder vom Souverän als faktisch obsolet (nicht mehr bindend) zu betrachten…
Aber wie gesagt, letztlich ist der Souverän nur so souverän, wie er sein möchte: Wer unsere Form von Demokratie für den Höhe- und Endpunkt unserer demokratischen Entwicklung hält… der verdient es auch, von „Unserer Demokratie“ schlecht regiert zu werden.
Abstrakt, Hillen, haben Sie recht, nur tatsächlich ist das reichlicher Nonsense, den Sie schreiben. Wenn Sie die Frage der ZLB zur „Volksabstimmung“ machen wollten, würden sich 5 % der Wahlberechtigten beteiligen – und die Entscheidung dieser 5 % wäre genauso erratisch wie die von Frau Giffey und ihrer Entourage!
Das ist das Ende des „Kaufhaus“ Standort. Das ist nur eine Frage der Zeit bis Galerie aufgibt. Ich gebe dem Standort 3 Jahre, dann ist das Konzept gescheitert…12.000m² werden nicht ausreichen Kunden anzuziehen und gewinnorientiert zu wirtschaften. Schade wieder ein florierenden Oststandort der kaputt gemacht wird …
Tatsächlich merkwürdig, wie sich ein Umzug der ZLB in ein zusätzliches Mietobjekt rechnen soll, das dem Galerie-Konzern zu teuer wurde. Hier werden doch mal wieder nach alter Neoliberalismus-Masche öffentliche Einrichtungen in die Hand privater Konzerne gelegt.
Schlagzeile 2035, hier eine Gratis-Vorschau:
ZLB steht vor Schließung durch Mieterhöhung.
Wer u m Himmels Willen braucht eine Landes- oder was auch immer Bibliothek an diesem zentralen Platz?
Das ist eine der verficktesten Ideen, die die Berliner Politik je hervorgebracht hat.
Unsere „Repräsentanten“ scheinen niedrigen Geistes zu sein und haben keine Ahnung von der Materie über die sie entscheiden sollen. Da werden Beraterstäbe für sehr viel Steuergeld eingesetzt und die Zusammensetzung wird nach Parteiproporz festgelegt. Zum Schluss kann man dann immer darauf verweisen dass man Fachleute befragt hat. Die ZLB hat bisher zwei Standorte, die Amerika Gedenkbibliothek und die Gebäude (1-8) in der Breite Str. Nahe dem Humboldt Forum. Dort wollte man auch schon mal „einziehen“! Jetzt wird der Standort in der Breite Str. hübsch gemacht um einen neuen Mieter anzulocken oder bleibt man in der Breite Str. und will nur zusätzliche Lagerkapazitäten schaffen. Schon jetzt wird der Austausch von Büchern und Zeitschriften zwischen den beiden öffentlich zugänglichen Standorten mit viel Aufwand betrieben. Sicherlich dann auch mit umweltfreundlichen (Elelektro) Fahrzeugen. Den dritten Standort am Engelbecken erwähnt man erst gar nicht. Die Ausleihen werden dann hoffentlich von Lastenfahrrädern übernommen um „klimaschonend“ werben zu können 😉. Vielleicht setzen sich mal Bibliothare*innen zusammen um herauszufinden wieviel Bibliothek Berlin wirklich braucht! Im Augenblick scheinen nur Träumer das Sagen zu haben und die Politik lässt sich vor den Karren spannen.
Nö, es gibt noch einen dritten Standort, der als Archiv genutzt wird. Alle drei Standorte sollten im Gebäude des ehemaligen Galeries Lafayette zusammengeführt werden, was dann ja selbst von dem mediokren Senat als nicht finanzierbarer Schwachsinn abgetan wurde (hat ziemlich lange gedauert). Erwogen worden war, dass das Gebäude vom Land Berlin aufgekauft wird – und zwar fast zum doppelten Preis, den der Spekulationseigentümer seinerseits nur wenige Jahre vorher gezahlt hatte (mit Sicherheit hätte der Senat dem Eigentümer auch noch die „Spekulationssteuer“ erlassen!).
Und jetzt soll nur noch angemietet werden, wobei bisher nicht öffentlich geworden ist, zu welchem Preis eine Anmietung erfolgen soll! Das wird wohl Gründe haben!
Nur ergänzend: Wer sich Größe und Kubatur des ZLB-Gebäudes über Google-Maps ansieht und dies mit dem Galeria-Gebäude per Google-Maps vergleicht, der muss (!!!) feststellen, dass das Gebäude am Alexanderplatz rein größenmäßig nicht die Lösung sein kann, weil das Gebäude, soweit es nicht vollständig von der ZLB belegt wird, schon nicht die ZLB am Blücherplatz in sich aufnehmen kann. Schon gar nicht kann eine Zusammenlegung aller ZLB-Standorte am Alexanderplatz erfolgen!
Der Standort Alexanderplatz wird derzeit von der Politik schöngeredet, weil man mit dem Rücken zur Wand steht: Man will keinen neuen Wessi-Ossi-Konflikt innerhalb Berlins eröffnen, wenn das letzte Kaufhaus im Osten der Stadt schließt. Und ich gehe mal davon aus, dass die Commerzbank mit ihrer Immobilien-Tochter dem Senat klargemacht hat, dass man sich auf das Risiko einer Weitervermietung des Gebäudes an Galeria nicht einlassen wird, wenn Galeria nicht deutlich verkleinert wird und die übrigen Flächen vom Senat als solventem Mieter angemietet werden. Dazu passt, dass jetzt der Mietvertrag mit Galeria verlängert werden soll, allerdings wohl erst nur für ein halbes Jahr, gegebenenfalls maximal für ein Jahr (da hat die Politik in Person der Wirtschaftssenatorin wohl die Hand im Spiel, will man jedenfalls auf keinen Fall vor der nächsten Landtagswahl das Galeria-Kaufhaus zum Schafott getragen sehen).
Und noch immer hat mir keiner der Verantwortlichen verraten, was eigentlich nach einem Umzug mit den Bestandsbauten, insbesondere der unter Denkmalschutz stehenden Amerika-Gedenkbibliothek geschehen soll. Wird der Denkmalschutz aufgehoben und das Gebäude abgerissen, um dort Wohnbebauung vorzunehmen? Wird dem Bestandsgebäude ein neuer öffentlicher Zweck zugewiesen, der dann die bisherigen Kosten in einer Stadt, die eigentlich aus Kostengründen ausnahmslos alle Bibliotheken in der Stadt schließen müsste, mindestens verdoppelt?
Die Commerz Real hat sich schlicht mit dem Standort Alexanderplatz verhoben – und will sich das teuer durch die öffentliche Hand, ’ne, Quatsch, durch den Steuerzahler versilbern lassen. Und CDU und SPD machen dabei gemeinsame Sache, weil der Investor vermeintlich zu wertvoll für die Stadt ist! Der Berliner Senat mit seinen deutlich unterdurchschnittlich begabten Adepten, gleich welcher politischen Couleur, hat von Wirtschaft und Finanzen noch nie etwas verstanden, deswegen ist diese Stadt bis Oberkante Unterlippe verschuldet.
Irgendwie passt auf die politische Landschaft Berlins der Satz: „Gestern standen wir noch unmittelbar vor dem Abgrund, heute sind wir schon einen großen Schritt weiter!“