Macht im Zentrum Berlins: Die neue Folge der Reihe „Orte Ost“ widmet sich dem Zentralkomitee der SED und seiner Rolle als politisches Steuerungszentrum der DDR. Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk führt durch das Gebäude am Werderschen Markt und ordnet dessen historische Bedeutung ein. Ab sofort ist die neue Folge, produziert vom DDR-Museum, auf dem YouTube-Kanal von ENTWICKLUNGSSTADT zu sehen.

© Foto Titelbild: DDR-Museum

 

ANZEIGE

Nach den bisherigen Episoden zu Industriearchitektur und Monumentalkunst widmet sich die Dokumentationsreihe „Orte Ost“ nun einem der zentralen Machtorte der DDR: dem Zentralkomitee (ZK) der SED in Berlin-Mitte. Die neue Folge wird erneut exklusiv auf ENTWICKLUNGSSTADT veröffentlicht, mit freundlicher Genehmigung des DDR-Museums.

Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk führt durch das Gebäude am Werderschen Markt und zeichnet ein vielschichtiges Bild eines Ortes, an dem politische Steuerung, ideologische Kontrolle und staatliche Macht zusammenliefen.

Haus am Werderschen Markt: Zentrum politischer Entscheidungen

Das sogenannte „Haus am Werderschen Markt“ wurde ab 1959 zum Sitz des Zentralkomitees der SED ausgebaut. In den ehemaligen Räumen der Reichsbank entstand ein hochfunktionales Machtzentrum, in dem zentrale Entscheidungen für die DDR getroffen wurden.

ANZEIGE

Hier tagte das Politbüro, das als eigentlicher Machtkern der DDR galt. Während das ZK formal die politische Linie vorgab, wurde die konkrete Steuerung des Staates in den wöchentlichen Sitzungen des Politbüros entschieden. Das Gebäude wurde unter Parteimitgliedern nicht ohne Grund als „Großes Haus“ bezeichnet.

DDR-Geschichte: Politische Kontrolle und ideologische Steuerung im ZK

Die Dokumentation zeigt, wie umfassend der Einfluss des Zentralkomitees war. Als oberstes Parteiorgan zwischen den Parteitagen kontrollierte es sämtliche gesellschaftliche Bereiche, von Wirtschaft und Verwaltung bis hin zu Kultur und Medien.

Ein zentrales Beispiel hierfür ist das sogenannte „Kahlschlag-Plenum“ von 1965, das zu massiven Einschränkungen der künstlerischen Freiheit führte. Solche Ereignisse verdeutlichen, wie stark politische Macht im Gebäude am Werderschen Markt konzentriert war.

ANZEIGE

Wandel nach 1989: Vom DDR-Machtzentrum zum Auswärtigen Amt

Mit dem politischen Umbruch 1989 verlor das Gebäude seine Funktion als Parteizentrale. Kurzzeitig diente es als „Haus der Parlamentarier“, bevor die frei gewählte Volkskammer hier zentrale Entscheidungen traf, darunter den Beschluss zur deutschen Einheit.

Heute wird das Gebäude vom Auswärtigen Amt genutzt. Die Dokumentation zeigt, wie sich der Ort gewandelt hat und welche Spuren seiner politischen Vergangenheit bis heute sichtbar geblieben sind.

„Orte Ost“: Architektur als Spiegel politischer Systeme

Die neue Folge macht deutlich, dass das ZK-Gebäude weniger durch seine architektonische Form als durch seine Funktion als Machtinstrument geprägt ist. Kowalczuk ordnet den Bau als Teil eines Systems ein, das politische Kontrolle zentralisierte und sichtbar machte.

ANZEIGE

Die Reihe „Orte Ost“ setzt damit ihre Spurensuche fort und zeigt, wie sehr sich politische Systeme in den Stadtraum einschreiben, und wie diese Spuren bis heute nachwirken. Auch die weiteren Folgen werden auf dem YouTube-Kanal von ENTWICKLUNGSSTADT als auch auf der Video-Plattform des DDR-Museums zu sehen sein.

Quellen: DDR Museum, Verein für die Geschichte Berlins e.V., Industriesalon Schöneweide, Deutsches Architektur Forum, berlin.de, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

One Comment

  1. M.Hillen 5. April 2026 at 11:12 - Reply

    In seiner Funktion als ZK der SED war dieses Gebäude auch das Zentrum der SED Diktatur. Schon bemerkenswert, dass in diesem ausführlichen Artikel der Begriff Diktatur kein einziges mal auftaucht. Nur zur Erinnerung: Der Sozialismus auf deutschem Boden war ein komplett undemokratisches und verbrecherisches Phänomen, so wie jeder real existierende Sozialismus irgendwo sonst auf diesem Planeten. Man kann sich nur wundern, dass sozialistische Parteien in unserem Land nicht verboten sind, würden sie doch, wenn sie könnten, mit ihrer Ahnungslosigkeit die Wirtschaft (die Wohlstandsgrundlagen eines Volkes) aufs Neue ruinieren und im Namen des Proletariats dieselben Verbrechen begehen, die sie schon mal begangen haben.
    Und tatsächlich ist alles, was in unserem Land schief läuft, im Kern demselben sozialistischen Geist zu verdanken, der wie eh und je von Wirtschaft nichts versteht… und überall da, wo dieser Geist das Sagen hat, selbige ruiniert.
    Das fällt mir ein, wenn ich einen Artikel wie diesen lese, der so banal und geschichtsvergessen über das ZK der SED als „Ort der Macht“ berichtet. Ort der „Verbrecher“ oder Ort der „Diktatur“ wäre wohl die angebrachtere Wortwahl gewesen. Aber hey, das hier ist ja ein linkes Medium… da muss man wohl eine gewisse Bildungsferne, die der linken Ideologie geschuldet ist, in Kauf nehmen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.