Wo sich heute moderne Wohn- und Gewerbebauten befinden, prägte einst der Berliner Zentralvieh- und Schlachthof über ein Jahrhundert lang den Bezirk Pankow. An der Grenze zwischen Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Lichtenberg gelegen, war er nicht nur ein Ort der Produktion, sondern auch ein Symbol für industrielle Entwicklung, städtische Infrastruktur und gesellschaftlichen Wandel.
Der historische Lageplan zeigt die komplette Ausdehnung des Zentralvieh- und Schlachthofs zwischen Eldenaer Straße und Landsberger Allee mit den einzelnen Stall- und Hallenbereichen sowie den Gleisanlagen der Ringbahn.

Historischer Lageplan des Berliner Zentralvieh- und Schlachthofs. Das Gelände erstreckte sich von der Eldenaer Straße bis zur Landsberger Allee. In der Mitte lag der Zugang über den Bahnhof, der damals den Namen Zentralviehhof trug und später in S-Bahnhof Storkower Straße umbenannt wurde. / © Lageplan: Wikimedia Commons, Public domain

© Titelbild: Wikimedia Commons, Max Missmann, Public domain

 

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Wer heute auf das Gelände zwischen Eldenaer Straße und Landsberger Allee schaut, sieht ein neues Stadtquartier wachsen. Von Ställen, Hallen und Gleisen vergangener Zeiten ist kaum noch etwas zu erahnen. Um den Ursprung der Geschichte des Areals zu finden, muss man in eine Epoche zurückkehren, in der Schlachthäuser noch zum Stadtbild gehörten.

Vom Hinterhof zum geordneten Viehhandel: Wie Berlins erster großer Viehmarkt Hygiene und Ordnung brachte

Bereits im 17. Jahrhundert wurden Tiere in der Nähe der Spree geschlachtet, oft unter problematischen hygienischen Bedingungen. Königliche Verordnungen sollten seit 1591 die Schlachtung regulieren, konnten jedoch das Entstehen vieler kleiner, oft unsauberer Betriebe nicht verhindern. Mit der Gewerbefreiheit ab 1810 stieg die Zahl privater Schlachtstätten weiter an, die meist in dicht besiedelten Vierteln lagen und Anwohner belasteten.

Der erste große Schritt zu einer modernen, hygienischen Fleischversorgung war der 1827 eröffnete Viehmarkt des Gastwirts Klaeger vor den Toren Berlins. Er bot Ställe für tausende Tiere und trennte den Schlachtbetrieb vom Wohngebiet. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden weitere Viehmärkte, darunter der große Markt von Unternehmer Ebers in Gesundbrunnen, der später vom Industriellen Bethel Henry Strousberg übernommen und mit Eisenbahnanschluss ausgestattet wurde.

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Die Planungen für eine zentrale Schlachtanlage in Berlin: Politische Debatten und Standortsuche

Im Jahr 1864 schlug Rudolf Virchow schließlich vor, ein städtisches Schlachthaus mit angeschlossenem Viehmarkt zu errichten. Ziel war es, durch zentrale Kontrolle die Fleischqualität zu sichern. 1868 führte das preußische „Schlachtzwanggesetz“ die Pflicht ein, kommunale Schlachthäuser zu nutzen. Die Umsetzung in Berlin verzögerte sich jedoch über ein Jahrzehnt, unter anderem wegen des Widerstands der Schlachterinnung und der hohen Kosten. Schließlich fiel die Wahl auf ein Areal in Lichtenberg zwischen Eldenaer Straße und Ringbahn.

Am 28. Oktober 1876 erwarb die Stadt Berlin das 38 Hektar große Gelände in Pankow. Unter Leitung von Stadtbaurat Hermann Blankenstein begann 1877 der Bau der Anlage, der zügig voranschritt.

Die Errichtung des Zentralvieh- und Schlachthofs in Pankow: Eröffnung und erste Erweiterungen

Die Eröffnung erfolgte am 1. März 1881, obwohl die Bauarbeiten erst 1883 vollständig abgeschlossen wurden. Die Anlage gliederte sich in einen durch eine Mauer getrennten Schlachthof- und Viehmarktbereich. Errichtet wurden Ställe, Markthallen, Gleisanlagen und Verarbeitungsbetriebe; die Gleise ermöglichten das gleichzeitige Entladen mehrerer Züge.

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Die Nachfrage wuchs schnell. Deshalb kaufte die Stadt 1889 ein weiteres Gelände zwischen Thaerstraße und Landsberger Allee. Bis 1898 entstanden dort zusätzliche Schlachthäuser, Ställe und Verwaltungsgebäude. Unterführungen unter der Thaerstraße verbanden beide Bereiche, sodass der Viehtrieb reibungslos ablaufen konnte.

Die Weiterentwicklung im 20. Jahrhundert: Neue Hallen, Kühlanlagen und eine Fußgängerbrücke

In den 1920er Jahren modernisierte die Stadt die Anlagen. Es entstanden ein neues Kühlhaus und eine erweiterte Rinderauktionshalle. 1937 begann der Bau einer überdachten Fußgängerbrücke, die Anwohner „Langer Jammer“ nannten. Sie verband den S-Bahnhof mit dem umliegenden Wohngebiet und führte in sieben Metern Höhe über das Schlachthofgelände.

Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Anlage zerstört, doch der Betrieb konnte nach 1945 in Teilen wiederaufgenommen werden. Teile des Geländes dienten zunächst der Roten Armee als Lager für Reparationsgüter, bevor sie wieder in die Fleischversorgung integriert wurden.

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Die Zeit in der DDR und das Ende des Pankower Schlachtbetriebs: Wie auf dem Areal Wohn- und Gewerbebauten entstanden

In der DDR entwickelte sich der Zentralvieh- und Schlachthof zu einem zentralen Fleischverarbeitungsbetrieb. 1958 wurde er in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt und 1963 in das VEB Fleischkombinat Berlin eingegliedert. Bis zu 2.700 Beschäftigte arbeiteten hier. Der Betrieb konzentrierte sich zunehmend auf den neueren Teil an der Landsberger Allee. Die älteren Bereiche gingen an andere Betriebe.

Nach der politischen Wende wurde der Betrieb zunächst privatisiert und 1991 endgültig eingestellt. Die Fleischversorgung übernahm fortan der Großmarkt an der Beusselstraße. Das Gelände lag jahrelang brach, bevor Teile für Wohn- und Gewerbebauten genutzt wurden. Einzelne historische Gebäude erinnern heute noch an die frühere Funktion des Areals.

Die Innenaufnahme der ehemaligen Schweinehalle zeigt eine lange, lichtdurchflutete Stahlkonstruktion mit zahlreichen Boxen und breiten Gängen für den Viehtrieb.

Innenansicht der ehemaligen Schweinehalle mit den typischen langen Reihen aus Boxen und breiten Gängen. Die großen Fensterflächen sorgten für Tageslicht und Belüftung, was den hygienischen Standards der Zeit entsprach. / © Foto: Wikimedia Commons, Public domain

Die Aufnahme der ehemaligen Rinderställe zeigt die erhaltenen roten Backsteinbauten aus dem späten 19. Jahrhundert mit markanten Giebeln und Spuren späterer Nutzung wie Graffitis.

Ehemalige Rinderställe auf dem Schlachthofgelände vor dem Umbau. Die Backsteinbauten mit markanten Giebeln sind Relikte der ursprünglichen Industriearchitektur des späten 19. Jahrhunderts. / © Foto: Wikimedia Commons, Stern, CC BY-SA 3.0

Quellen: Wikipedia, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bezirksamt Pankow

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