Der geplante A5 Ausbau sorgt in Frankfurt für Diskussionen. Vorgesehen ist eine zehnspurige Erweiterung zwischen Frankfurter Kreuz und Nordwestkreuz, doch vor allem der Umweltschutz und die hohen Kosten werfen Fragen nach der Machbarkeit auf.
Ein Foto der A5 zwischen Frankfurt und Oberursel. (Quelle: Wikimedia Commons, Matti Blume, CC BY-SA)

So sieht der Streckenabschnitt der Autobahn A5 zwischen Frankfurt und Oberursel aktuell aus. Zukünftig könnten hier zusätzlich zum Einfädelungsstreifen je Seite noch zwei weitere Fahrspuren hinzu kommen. / © Foto: Wikimedia Commons, Matti Blume, CC BY-SA

© Titelbild: Wikimedia Commons, Norbert Nagel, CC BY-SA 3.0

 

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Frankfurt gilt seit jeher als klassische Pendlerstadt. Besonders deutlich wird das entlang der Autobahn A5, die von der Schweizer Grenze bei Basel bis nach Gießen führt. Auf ihrem Weg begleitet sie Frankfurt vom Flughafen über Niederrad, überquert den Main, verläuft durch Griesheim und Rödelheim bis hinauf in den Norden der Stadt nach Nieder-Eschbach. Die Strecke zählt zu den meistbefahrenen Verkehrsachsen in Deutschland. Gerade zu den Stoßzeiten bilden sich hier regelmäßig Staus.

Die Bundesregierung plant nun, die derzeit sechsspurige A5 auf zehn Spuren zu erweitern. Diese Maßnahme ist im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Damit würde der Abschnitt der A5 bundesweit der einzige mit einer derart großen Ausbaubreite sein. Das Vorhaben sorgt jedoch für erhebliche Kontroversen und trifft auf deutliche Kritik.

A5-Ausbau wegen „vordringlichem Bedarf“: Autobahn GmbH befürwortet zehnspurige Erweiterung

Der Ausbau soll zwischen dem Frankfurter Kreuz und dem Nordwestkreuz erfolgen. Im Bundesverkehrswegeplan wurde dieser Abschnitt als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft, da dort Engpässe im Verkehrsfluss bestehen. Nach Angaben der bundeseigenen  Autobahn GmbH soll durch den Ausbau die Verkehrssituation spürbar verbessert werden. Konkret bedeutet das: Von Frankfurter Kreuz bis Nordwestkreuz ist eine zehnspurige Autobahn vorgesehen. Zwischen Nordwestkreuz und Friedberg soll die A5 künftig acht Spuren haben.

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Eine Machbarkeitsstudie der Autobahn GmbH geht sogar noch einen Schritt weiter und hält auch eine Verlängerung der zehn Spuren bis nach Friedberg für möglich. Derzeit ist der besagte Streckenabschnitt der A5 zwischen Friedberg und Westkreuz auf einer Strecke von 13 Kilometern sechsspurig ausgebaut. Die 7,2 Kilometer zwischen Westkreuz und Frankfurter Kreuz verfügen bereits über acht Spuren. Nach Prognosen der Autobahn GmbH wird die Zahl der Verkehrsteilnehmer bis 2030 deutlich ansteigen, was den Handlungsdruck zusätzlich erhöht.

Politische Verantwortlichkeit: Schwarz-rote Landesregierung befürwortet den A5-Ausbau

Eigentlich liegt die Verantwortung für Planung, Bau und Betrieb von Autobahnen beim Bund. Als Bundesverkehrsminister Volker Wissing im März 2023 Pläne für bundesweit 148 Sanierungs- und Ausbauprojekte mit vordringlichem Bedarf vorlegte, bat er jedoch um Zustimmung der Bundesländer. In Hessen lehnte die damalige schwarz-grüne Landesregierung unter Verkehrsminister Tarek Al-Wazir mehrere Projekte ab, darunter auch den zehnspurigen Ausbau der A5 zwischen Frankfurter Kreuz und Nordwestkreuz.

Die neue schwarz-rote Landesregierung kündigte im Koalitionsvertrag an, diese Entscheidung zu revidieren. Bislang existiert allerdings nur eine Machbarkeitsstudie, eine konkrete technische Planung gibt es noch nicht. Mit einer baldigen Umsetzung des Ausbaus ist daher vorerst nicht zu rechnen.

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Zu teuer, Flächenverschleiß und Umweltbelastung: Das erklären A5-Ausbaugegnerinnen und -gegner

Kritiker warnen in einer gemeinsamen Erklärung, dass der Ausbau rund 100 Grundstücke und Gärten, zwei Sportplätze, zwölf Kleingartenvereine, ein Vogelschutzgebiet sowie mindestens ein Habitat geschützter Tierarten gefährden würde. Auch ein Teil des Trinkwasserschutzgebiets im Stadtwald stünde auf dem Spiel, während Anwohnerinnen und Anwohner mit mehr Lärm und Abgasen rechnen müssten. Für die Gegner überwiegen damit die Kosten, der Flächenverlust und die Umweltbelastung.

Auch die Machbarkeitsstudie listet insgesamt 16 Konfliktpunkte in Bezug auf die Umweltverträglichkeit auf. Den Flächenverlust beziffert sie auf 107,1 Hektar. Die Kosten für den Ausbau zwischen Frankfurter Kreuz und Friedberg werden auf rund 1,1 Milliarden Euro geschätzt, davon entfallen etwa 42 Millionen Euro auf den Grunderwerb. Gegen das Vorhaben hat sich ein Bündnis formiert, das unter dem Namen „Stopp A5 Ausbau“ auftritt und unter anderem von Pro Bahn, dem Verkehrsclub Deutschland und Fridays for Future unterstützt wird.

Bündnis „Stopp A5 Ausbau“: Das wären mögliche Alternativen für den A5-Ausbau

Das Bündnis „Stopp A5 Ausbau“ schlägt konkrete Alternativen vor. Unter dem Motto „Wald statt Asphalt“ fordern die Gegner unter anderem den Ausbau der Schieneninfrastruktur, etwa für die Main-Weser-Bahn. Ein vierspuriger Ausbau könnte das öffentliche Verkehrsnetz stärken und Fahrten deutlich beschleunigen. Ebenfalls ist mit Verbesserungen des Schienenverkehrs nach der Fertigstellung des Projekts „Regionaltangente West“ in Frankfurt Höchst zu rechnen. Ob diese Alternativen jedoch langfristig den steigenden Individualverkehr ersetzen kann, bleibt jedoch unklar.

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Zeitgleich beauftragte die Stadt Frankfurt einen Gutachter, um rechtlich zu prüfen, ob gegen die Entscheidung des Bundes zum zehnspurigen Ausbau vorgegangen werden kann. Das Gutachten bestätigt, dass Stadt, Land, Bevölkerung und Politik hier keine Möglichkeiten haben, die Entscheidung aufzuhalten. Lediglich eine Seitenabfahrt bleibt offen. Damit steht die Stadt vor der Herausforderung, dass die Umsetzung des Projekts weitgehend von Bundesebene bestimmt wird, während die potenziellen Folgen für Umwelt, Anwohner und Verkehr direkt vor Ort spürbar sein werden.

Quellen: Autobahn GmbH, hessenschau, Frankfurter Rundschau, StoppA5Ausbau

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