Am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg soll in den kommenden Jahren ein 98 Meter hohes Wohnhochhaus entstehen. Das sogenannte „WoHo“ ist ein Holzhybridbau – eine Bauweise, die Holz mit Beton und Stahl kombiniert. Wie eine solche Konstruktion in dieser Höhe grundsätzlich funktionieren kann, zeigt ein Blick auf Statik und Brandschutz.

So könnte das WoHo am Anhalter Bahnhof aussehen: Mit 98 Metern Höhe und 29 Geschossen soll der Hauptturm zum höchsten Wohnhochhaus Berlins werden. Der Entwurf des Osloer Architekturbüros Mad arkitekter setzt auf eine durchgehend sichtbare Holzkonstruktion. / © Mad Arkitekter
© Visualisierungen: Mad Arkitekter
Zwischen Anhalter Bahnhof, Tempodrom und Landwehrkanal plant das Unternehmen UTB Projektmanagement das Wohnhochhaus „WoHo“. Entworfen hat es das Osloer Büro Mad arkitekter, das sich 2021 in einem Wettbewerb mit 14 eingereichten Konzepten durchsetzte. Vier unterschiedlich hohe Baukörper sollen zusammen 18.000 Quadratmeter Nutzfläche bieten, der höchste Turm misst 98 Meter und zählt 29 Geschosse.
Anfang Juni 2026 stimmte die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg dem nötigen Bebauungsplan zu, nachdem eine erste Abstimmung Ende Mai gescheitert war. Der Beschluss macht aus dem bislang gewerblich genutzten Grundstück rechtlich ein Mischgebiet. Ein Baubeginn folgt daraus noch nicht automatisch, weitere Planungsschritte und Auflagen stehen laut Bezirk noch aus. Doch schon jetzt lohnt sich ein genauerer Blick auf das Konzept hinter dem Vorhaben.
Bauweise des „HoWo“ am Anhalter Bahnhof: Was ein Holzhybridbau technisch bedeutet
Das sogenannte „WoHo“ soll als Holzhybridbau entstehen. Bei dieser Bauweise werden Holz, Beton und Stahl gezielt dort eingesetzt, wo sie ihre jeweiligen Stärken ausspielen können, während Stahlbeton vor allem die hohen Anforderungen an Schall- und Brandschutz erfüllt. Konkrete Angaben dazu, welche Bauteile beim WoHo aus welchem Material bestehen sollen, liegen bislang nicht öffentlich vor.
Für Hochhäuser dieser Größenordnung reichen massive Balken aus einem einzelnen Baumstamm nicht aus, da ihre Länge und Belastbarkeit begrenzt sind. In der Praxis kommen deshalb bei Holzhybridprojekten verleimte Holzwerkstoffe wie Brettschichtholz oder Brettsperrholz zum Einsatz, bei denen mehrere Schichten Holz versetzt miteinander verbunden werden.
Statik und Brandschutz bei einem Holzhochhaus: Wie der Neubau tragfähig und sicher werden soll

Die sichtbaren Holzstützen und Unterzüge zeigen das Grundprinzip der geplanten Holzhybridbauweise, bei der tragende Elemente aus Holz mit Beton und Stahl kombiniert werden, um sowohl statische als auch brandschutztechnische Anforderungen zu erfüllen. / © Visualisierung: UTB Projektmanagement GmbH / Mad Arkitekter
Wer mit Holz in die Höhe baut, muss zunächst ein grundsätzliches Problem der Bauordnung lösen. Für Gebäude ab der Gebäudeklasse 4 verlangen die Landesbauordnungen eigentlich nichtbrennbare Baustoffe für tragende Bauteile. Damit handelt es sich um eine Vorgabe, die Holz naturgemäß nicht erfüllt, selbst wenn es Feuerwiderstandsdauern von 90 Minuten erreicht. Möglich wird der Holzbau trotzdem, weil sich das Brandverhalten von Holz berechnen lässt: Im Brandfall bildet sich außen eine Verkohlungsschicht, die den Kern des Bauteils über einen bestimmten Zeitraum vor dem Durchbrennen schützt.
Seit 2021 regelt in Deutschland die Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise, wie solche Konstruktionen im mehrgeschossigen Bau zugelassen werden. Ab einer Höhe von 60 Metern verlangt zusätzlich die Muster-Hochhaus-Richtlinie eine Feuerwiderstandsfähigkeit tragender Bauteile von 120 Minuten.
Nächste Schritte fürs „HoWo“: Was zur konkreten Umsetzung noch fehlt
Mit dem Bebauungsplanbeschluss ist die planungsrechtliche Grundlage fürs „WoHo“ geschaffen, die konkrete bautechnische Ausgestaltung steht damit aber noch nicht fest. Weder zur genauen Materialverteilung noch zum Brandschutzkonzept oder zur statischen Konstruktion liegen bislang öffentlich zugängliche Detailangaben von UTB oder Mad arkitekter vor.
Diese Informationen dürften erst mit fortschreitendem Planungsverfahren konkreter werden. Bis dahin lässt sich das „WoHo“ technisch nur im Rahmen dessen einordnen, was für Holzhybridhochhäuser allgemein gilt.
WoHo am Anhalter Bahnhof
Quellen: Tagesspiegel, UTB Projektmanagement GmbH, Informationsdienst Holz
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