Berlin braucht dringend neue Wohnungen. Doch die Parteien verfolgen unterschiedliche Strategien, um den Wohnraummangel zu bekämpfen. ENTWICKLUNGSSTADT vergleicht die Konzepte zur Berlin-Wahl 2026.

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Berlin fehlen Wohnungen. Besonders knapp ist Wohnraum, den Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen bezahlen können. Zugleich stocken viele Bauprojekte. Hohe Baukosten, teure Finanzierung, fehlende Grundstücke und langwierige Planungsverfahren erschweren den Neubau.

Der Wohnungsbau gehört deshalb zu den zentralen Themen der Berlin-Wahl 2026. Die Parteien sind sich weitgehend einig, dass mehr Wohnungen entstehen müssen. Deutlich unterscheiden sie sich jedoch bei der Frage, wer bauen soll, welche Mietpreise im Neubau gelten sollen und wie stark das Land in den Wohnungsmarkt eingreifen muss.

ENTWICKLUNGSSTADT vergleicht vor der Wahl die stadtentwicklungspolitischen Konzepte von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und AfD. Der erste Teil der Serie untersucht die Wohnungsbaupläne der derzeit fünf stärksten Parteien.

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SPD: 100.000 neue Wohnungen bis 2031

Die SPD setzt sich für den Zeitraum von 2026 bis 2031 das Ziel, 100.000 neue Wohnungen zu schaffen. Bis 2040 sollen nach ihrer Einschätzung mindestens 230.000 zusätzliche Wohnungen entstehen. Mehr als die Hälfte des Neubaus soll auf landeseigene Wohnungsunternehmen, Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Träger entfallen. Ein neues öffentliches Wohnungsbauprogramm soll die bestehende Förderung ergänzen und im Jahresmittel 10.000 Wohnungen ermöglichen. Dafür will die SPD unter anderem die Kapazitäten und die Eigenkapitalbasis der landeseigenen Gesellschaften stärken. 

Private Unternehmen bleiben Teil des SPD-Konzepts. Bei Bauprojekten mit Bebauungsplan will die Partei den vorgeschriebenen Anteil an Sozialwohnungen im kooperativen Baulandmodell jedoch von 30 auf 50 Prozent erhöhen. Diese Vorgabe soll künftig auch bei Vorhaben gelten, die über Ausnahmen vom bestehenden Baurecht genehmigt werden. Zusätzlich setzt die SPD auf modulare Bauweisen, den Gebäudetyp E, digitale Genehmigungsverfahren und eine maximale Bearbeitungszeit von zwei Jahren für Bebauungspläne. Büros, Supermärkte und andere untergenutzte Gebäude sollen verstärkt umgebaut, aufgestockt oder überbaut werden.

CDU: Mehr Bauland, einfachere Regeln und stärkere private Bautätigkeit

Die CDU stellt die Beschleunigung des Wohnungsbaus in den Mittelpunkt ihres Regierungsprogramms. Unter der Überschrift „Einfach mal bauen“ will sie Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfachen und vorhandene Flächen schneller aktivieren. Der Neubau soll durch landeseigene Gesellschaften, Genossenschaften und private Unternehmen erfolgen. Die Partei sieht private Investitionen als unverzichtbar an und lehnt politische Maßnahmen ab, die aus ihrer Sicht Kapital vom Berliner Wohnungsmarkt fernhalten. 

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Zum CDU-Konzept gehören außerdem die Förderung von Wohneigentum, eine kompaktere Bebauung und die Entwicklung neuer Quartiere. Die Partei will laut eigenen Angaben zusätzliche Bauflächen erschließen und bestehende Quartiere durch Aufstockungen und Nachverdichtung ergänzen. Damit setzt sie stärker als Grüne und Linke auf eine Ausweitung des Flächenangebots. Zugleich verspricht die CDU Unterstützung für Mieter und bezahlbare Wohnungen. Ihr Schwerpunkt liegt jedoch weniger auf verbindlichen kommunalen Neubauquoten als auf günstigeren Rahmenbedingungen für sämtliche Bauherren.

Grüne: Bezahlbarer Neubau und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung

Die Grünen verbinden Wohnungsbau mit sozialen, ökologischen und städtebaulichen Vorgaben. Neue Wohnungen sollen nicht isoliert entstehen. Die Partei will zugleich Schulen, Kitas, kulturelle Einrichtungen, Grünflächen und eine klimaverträgliche Mobilität planen. Sie strebt einen Wohnungsmarkt an, der mehrheitlich gemeinwohlorientiert organisiert ist. Landeseigene Wohnungsunternehmen, Genossenschaften, Stiftungen und andere gemeinwohlorientierte Träger sollen deshalb gestärkt werden. Öffentliche Grundstücke sollen grundsätzlich nicht verkauft, sondern nach sozialen und ökologischen Konzepten vergeben werden. 

Bei der Suche nach Bauflächen setzen die Grünen vor allem auf Innenentwicklung. Dazu zählen Aufstockungen, Dachausbauten, Nachverdichtung und der Umbau bestehender Gebäude. Nach Angaben der Partei stehen in Berlin mehr als 2,2 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. Ein Förderprogramm soll die Umwandlung geeigneter Büros in bezahlbare Wohnungen unterstützen. Gleichzeitig wollen die Grünen kein neues Baurecht für weitere Bürogebäude schaffen. Neubauquartiere schließen sie nicht aus. Diese sollen jedoch gemischt, klimaangepasst und von Beginn an mit der notwendigen Infrastruktur entwickelt werden.

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Ein Wohngebäude des Modulbauprojekts steht direkt an der Landsberger Allee in Berlin-Lichtenberg.

Das Wohnquartier an der Landsberger Allee zählt zu den größten Modulbauprojekten Europas. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die Linke: 7.500 kommunale Wohnungen pro Jahr

Die Linke setzt am stärksten auf den kommunalen Wohnungsbau. Sie will den landeseigenen Wohnungsunternehmen jährlich bis zu zwei Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital bereitstellen. Damit sollen pro Jahr 7.500 kommunale Wohnungen entstehen. Sämtliche Wohnungen aus diesem Programm sollen dauerhaft bezahlbar bleiben. Abhängig vom Einkommen der Haushalte sieht das Wahlprogramm Nettokaltmieten zwischen sechs und zwölf Euro je Quadratmeter vor. Rund zwei Drittel der Berliner Haushalte sollen Zugang zu diesen Wohnungen erhalten können. 

Private Wohnungsunternehmen sollen nach dem Willen der Linken deutlich stärker verpflichtet werden. Bei Projekten im Rahmen der kooperativen Baulandentwicklung sollen mindestens zwei Drittel der Wohnfläche preis- und belegungsgebunden entstehen. Alternativ sollen private Bauherren die Hälfte der Baufläche zum ursprünglichen Grundstückswert an das Land abgeben. Vorrang erhalten kommunaler Neubau, Genossenschaften, die Umnutzung leerer Büros und die Aufstockung bestehender Gebäude. Nachverdichtungen auf Grün- und Freiflächen in Wohnquartieren will die Partei dagegen überprüfen und stärker von städtebaulicher Qualität und Beteiligung abhängig machen. 

AfD: Private Investitionen, Genossenschaften und mehr Wohneigentum

Die AfD betrachtet ein größeres Wohnungsangebot als entscheidenden Ansatz gegen hohe Mieten und Wohnungsmangel. Sie will Hindernisse beseitigen, die den Bau von Mietwohnungen begrenzen, und ein investitionsfreundlicheres Klima für die private Wohnungswirtschaft schaffen. Planwirtschaftliche Instrumente und die Enteignung von Wohnungsunternehmen lehnt die Partei ab. Die Berliner Bauordnung soll vereinfacht werden. Ausnahmen und Befreiungen vom bestehenden Planungsrecht sowie vereinfachte Änderungen von Bebauungsplänen sollen zusätzlichen Wohnungsbau erleichtern.

Daneben will die AfD Genossenschaften stärker fördern und bei der Vergabe landeseigener Baugrundstücke bevorzugen. Einen weiteren Schwerpunkt setzt sie auf selbst genutztes Wohneigentum. Haushalte mit ausreichendem Einkommen, aber fehlendem Eigenkapital sollen öffentliche Bürgschaften erhalten. Für sogenannte einheimische Ersterwerber selbst genutzten Wohneigentums will die Partei die Grunderwerbsteuer vollständig abschaffen. Beim sozialen Wohnungsbau setzt sie stärker auf Mietzuschüsse für WBS-Inhaber als auf die Förderung dauerhaft gebundener Wohnungen.

Wohnungsbau in Berlin: Fünf Parteien, unterschiedliche Rollen für den Staat

Die größten Unterschiede liegen nicht bei der grundsätzlichen Forderung nach mehr Wohnraum. Sie betreffen vor allem die Finanzierung, die Eigentumsformen und die Mietpreisbindungen. SPD und Linke wollen den kommunalen Wohnungsbau deutlich ausweiten. Die Grünen legen den Schwerpunkt auf gemeinwohlorientierte Träger, den Umbau bestehender Gebäude und eine klimaangepasste Innenentwicklung. Die CDU will dagegen vor allem schnelleres Bauen ermöglichen und private Investitionen erleichtern. Die AfD-Positionen gehen noch stärker in Richtung Deregulierung, privater Neubau und Wohneigentum.

Entscheidend wird nicht nur sein, welche Neubauzahlen die Parteien nennen. Ebenso wichtig ist, ob Grundstücke, Finanzierung, Personal und Planungskapazitäten für die angekündigten Vorhaben vorhanden sind. Erst daran wird sich nach der Berlin-Wahl 2026 messen lassen, welche Wohnungsbaupolitik tatsächlich umgesetzt werden kann.

 

Quellen: Wahlprogramme der SPD, CDU, Bündnis 90 / Die Grünen, Die Linken und AfD für die Berlin-Wahl 2026

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2 Kommentare

  1. Bernd Michalski 4. August 2026 at 17:25 - Reply

    Wir sollten, wir müssten, wir könnten. Ein Leitspruch auch in der Baupolitik.

    Bekannterweise ist der Anteil des reinen Baupreises im Geschoss-Wohnhausbau ca. 80%.
    Also der Knackpunkt worum es hier geht, ist der aktuell von den Baufirmen geforderte Baupreis von ca.4.000€/ m².

    Egal, welcher Politiker aus welcher Partei bauen lässt, ohne Subventionen aus Steuergeldern entsteht mit den traditionell handwerklich gewerkeorientierten Bauweisen keine einzige Sozialwohnung.

    Subventionen sind die Belohnung für das Versagen
    (Dr. Markus Krall)

    Es kann keine zukunftsfähige Lösung sein, wenn beim Wohnungsneubau mit Subventionen, auch geförderter Wohnungsbau genannt, die sogenannte Sozialbindung nach 15 Jahren wegfällt und diese Wohnungen dann zu „Marktmieten“ angeboten werden können.
    Vermutlich müssen dann sehr viele Mieter aus finanziellen Gründen ihre Wohnung, sowie ihre damit verbundenen und seit langem bestehenden sozialen Beziehungen, aufgeben.

    Selbst wenn bei den sechs senatseigenen Wohnungsbaugesellschaften die Mietpreisbindung für WBS-Berechtigte bleibt, muss dann der Steuerzahler über Mischkalkulation im Gesamtbestand den Ausgleich zu Marktmieten bezahlen.

    Die Alternative im Wohnungsbau für jedes Einkommen, wäre die Entflechtung von der Beton-Fraktion hin zu effizienteren Bauweisen.
    Ein Wohnungsbau mit Mieten für jedes Einkommen und ohne Subventionen ist nur als Lean-Design/Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik in prozessorientierter Montage möglich.
    Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.

    Bspw. die Leichtbau-Plattform-Montagebauweise von Zweieck-Haus.
    Ein radikaler Paradigmenwechsel. Weg vom klassischen Bauwesen im Wohnungsbau, hin zur industriellen Fertigung (Product-as-a-Service).
    Die Übertragung des OEM-Prinzip (Original Equipment Manufacturer) aus dem Automobilbau auf den Wohnungsbausektor.
    Eine modulare Plattformstrategie, ähnlich dem modularen Querbaukasten“ (MQB) bei VW.

    Wir lösen die Blockade des Wohnungsbaus nicht durch Subventionen, sondern durch technologische Souveränität. Wir bauen keine Häuser – wir produzieren Asset-Einheiten in einem geschlossenen, vertikal integrierten Kreislauf.

  2. Thomas Posthumus 4. August 2026 at 19:34 - Reply

    Leider hat keine einzige Landesregierung in den letzten 30 Jahren die selbstgesteckten Ziele für den Wohnungsneubau erfüllt. Warum soll es jetzt anders werden? Das ist alles Wahlkampf Tamtam.

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