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In Berlin-Spandau steht die Zukunft einer ehemaligen Nervenklinik zur Diskussion. Während Planungen für 700 neue Wohnungen derzeit ruhen, zeigen andere Berliner Projekte, welche Chancen und Schwierigkeiten bei einer solchen Umnutzung entstehen können.

Ludwig-Hoffmann-Quartier, Berlin-Pankow

Ein mögliches Vorbild für das Vorhaben in Spandau ist das „Ludwig-Hoffmann-Quartier“ im Pankower Ortsteil Buch. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Der wahre Jakob, CC BY-SA 3.0
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Bis 2006 war die Nervenklinik am Rande von Berlin-Spandau in Betrieb. Seitdem stehen die flachen Gebäude im Wald leer. Obwohl seit Jahren ein Wohnquartier mit rund 700 Einheiten in unterschiedlicher Größe vorgesehen ist, kam das Vorhaben bislang nicht über die Planungsphase hinaus.

Wie der Tagesspiegel berichtet, bestehen im Bezirksrathaus Vorbehalte gegenüber einer großflächigen Siedlung an diesem abgeschiedenen Standort. Befürchtet wird, dass die soziale Lage im nahegelegenen Falkenhagener Feld dadurch zusätzlich belastet wird. Stattdessen wird kleinteiliger Wohnraum für Familien favorisiert. Bereits 2021 zog die städtische Wohnungsbaugesellschaft Degewo ihr Vorhaben zurück, nachdem es im Vorfeld deutliche Kritik aus der Lokalpolitik gegeben hatte.

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Vom Klinikgelände zum Wohnquartier: Verkehrsanbindung bleibt in Spandau zentrale Hürde

Spandaus Baustadtrat Thorsten Schatz teilte mit, dass das Verfahren derzeit ausgesetzt sei, jedoch fortgeführt werden könne, sobald ein Vorhabenträger ein belastbares Konzept vorlege. Voraussetzung dafür sei jedoch eine Lösung der bislang unzureichenden verkehrlichen Anbindung des Areals.

Aktuell ist das Areal am Spandauer Waldkrankenhaus nur über die schmale Griesingerstraße erreichbar, die zugleich Zufahrt für den Personalparkplatz des Krankenhauses ist. Schienenverkehr gibt es seit Jahrzehnten nicht, und auch der Busverkehr der BVG ist stark ausgelastet.

Ähnliches Vorhaben in Reinickendorf: Gefährdete Käferarten im Fokus

Ähnliche Planungen verfolgt die Gesobau auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf. Dort sollen ab 2026 rund 1.200 Menschen in einem autofreien Wohnquartier leben. Auf dem 45 Hektar großen Areal mit altem Baumbestand sind jedoch gefährdete Käferarten nachgewiesen, deren Schutz den Baustart verzögern könnte.

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Der Naturschutzbund BUND weist darauf hin, dass der Heldbock und der Eremit in den alten Bäumen leben und für diese Tiere keine Ausgleichsmöglichkeiten existierten. Bürgerinitiativen hatten zudem gefordert, dass ein einheitlicher Bebauungsplan für das gesamte Gelände erstellt wird, um Natur und Artenschutz zu sichern.

Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik: Baustart in Reinickendorf trotz Artenschutz geplant

Der Bezirk Reinickendorf plädiert für eine zügige Umsetzung des Wohnungsbaus, um die dringend benötigten Wohnungen nicht zu verzögern. Ein langwieriges B-Planverfahren sei aus Sicht der Lokalpolitik nicht praktikabel. Der BUND prüft die Entscheidung rechtlich, um sicherzustellen, dass Artenschutzbelange angemessen berücksichtigt werden.

Die Gesobau betont, dass das Quartier klima- und baumschonend entwickelt werden soll. Die Waldfläche im südlichen Teil des Areals soll erhalten bleiben, und bereits gesammelte Anregungen von Anwohnenden wurden in die Planung einbezogen. Der Baustart ist weiterhin für 2026 vorgesehen. Die ersten Wohnungen sollen bereits 2028 bezogen werden.

Berlin-Pankow: „Ludwig-Hoffmann-Quartier“ mit 500 Wohnungen als Vorbild

Ein Beispiel für die gelungene Umnutzung eines Klinikareals liefert das „Ludwig-Hoffmann-Quartier“ im Ortsteil Buch. Auf dem historischen Gelände entstanden in den vergangenen Jahren über 500 Wohnungen, Schulen, Kindertagesstätten, Sport- und Sozialeinrichtungen. Neubauten wie das Wohnprojekt „MIOS“ ergänzen das Quartier sukzessive.

Auch die frühere Tuberkulose-Heilstätte „Waldhaus Buch“ wird weiterhin saniert und in Wohnraum umgewandelt. Ein Blick auf das „Ludwig-Hoffmann-Quartier“ zeigt, welches Potenzial in der behutsamen Umnutzung ehemaliger Klinikareale steckt und liefert zugleich einen Ausblick darauf, wie auch das Spandauer Gelände eines Tages zu einem eigenständigen, gut eingebundenen Wohnquartier heranwachsen könnte.

Quellen: Tagesspiegel, Bezirksamt Reinickendorf, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berliner Morgenpost, Berliner Woche, GESOBAU, Bezirksamt Pankow

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