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Hamburg hat das Modellprojekt „Housing First“ verstetigt und in die regulären Hilfen für obdachlose Menschen aufgenommen. Damit wird ein Ansatz langfristig gesichert, der Betroffenen zuerst eine Wohnung gibt und anschließend freiwillige Unterstützungsangebote anbietet.
Muenzviertel in Hamburg, Baustelle im Dezember 2024 - zu sehen ist die Baustelle, auf der der Diakonie eine Obdachlosenunterkunft einrichtet

Neben der Verstetigung von „Housing First“ entsteht seit Oktober 2024 ein weiteres Projekt in unmittelbarer Nähe zum Hamburger Hauptbahnhof: das Diakonie-Haus Münzviertel. Es soll 31 obdachlosen Menschen ein dauerhaftes Zuhause bieten und wird zusätzlich eine medizinische Praxis für Menschen ohne Krankenversicherung beherbergen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT (Dezember 2024)

© Visualisierung Titelbild: Spengler Wiescholek Architektur Stadtplanung

 

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Am 11. September 2025 ist der Tag der Wohnungslosen Menschen. Pünktlich zum Monatsbeginn hat Hamburg einen wichtigen Schritt gemacht: Das Projekt „Housing First“ ist nun fester Bestandteil der städtischen Hilfen für obdachlose Menschen. Durch die ausgeweitete Finanzierung können fortlaufend neue Wohnungen vermittelt werden. Bereits 39 ehemals obdachlose Menschen konnten so in eigenen Wohnraum ziehen.

Erst eine Wohnung, dann Unterstützung: Das ist das Prinzip von „Housing First“

Das Konzept von „Housing First“ unterscheidet sich deutlich von klassischen Hilfsangeboten. Betroffene erhalten zunächst eine reguläre Wohnung ohne Vorbedingungen. Erst danach folgt die freiwillige sozialarbeiterische Begleitung. Die Mietverträge werden von den Nutzerinnen und Nutzern selbst abgeschlossen, die Miete übernimmt in der Regel das Sozialamt oder Jobcenter. Ziel ist es, den Betroffenen Stabilität zu geben und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, ihr Leben langfristig eigenständig zu gestalten.

Der Ansatz richtet sich gezielt an Menschen, die aufgrund komplexer Problemlagen bisher nicht erfolgreich in das bestehende Hilfesystem integriert werden konnten. Mit der Verstetigung erfolgt die Umsetzung künftig auf Grundlage von § 67 SGB XII. Damit wird den Betroffenen ein rechtlicher Anspruch auf diese Hilfe eingeräumt.

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Hamburg: Diakonie schafft Wohnungen für obdachlose Menschen im Muenzviertel

Eine der größten Herausforderungen bleibt die Suche nach geeigneten Wohnungen. Für jede vermittelte Person muss eine passende Wohnung auf dem regulären Wohnungsmarkt gefunden werden. Diese Aufgabe übernimmt ein Trägerverbund aus Diakonie Hamburg, der Benno und Inge Behrens-Stiftung und dem Kirchenkreis Hamburg-Ost in Zusammenarbeit mit Vermietern und Wohnungsunternehmen. Nach Angaben der Diakonie sei die enge Kooperation ein wesentlicher Erfolgsfaktor, da so trotz knappen Angebots Wohnungen akquiriert werden können.

Parallel dazu schafft die Diakonie selbst neuen Wohnraum. Seit Oktober 2024 entsteht etwa im Münzviertel das Diakonie-Haus Münzviertel mit 31 Wohnungen für ehemals obdachlose Menschen. Ergänzend ist eine medizinische Praxis für Menschen ohne Krankenversicherung geplant. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2026 vorgesehen. Anschließend werden die Wohnungen nach dem „Housing-First“-Prinzip vergeben, sodass auch hier reguläre Mietverhältnisse entstehen.

Bundesweiter Tag der Wohnungslosen Menschen: Zahlen belegen den Handlungsdruck

Wie dringend Programme wie „Housing First“ gebraucht werden, zeigen die aktuellen Zahlen. Laut Wohnungslosenbericht 2024 hat sich die Zahl der obdachlosen Menschen in Hamburg seit 2018 fast verdoppelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind inzwischen mehr als 32.000 Menschen in der Stadt ohne eigene Wohnung, rund 3.700 leben dauerhaft auf der Straße. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen. Fachleute betrachten „Housing First“ daher als zentralen Baustein, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

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Broschüre zu Housing First von der Diakonie Hamburg

© Foto: Diakonie Hamburg

Quellen: Diakonie Hamburg, Leben im Abseits e.V., Behrens Stiftung, BAG W – Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V

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