In Berlin-Mitte soll ein NS-Bunker auf dem Gelände der früheren Neuen Reichskanzlei neuen Wohnungen und Büros weichen. Denkmalschützer kritisieren den geplanten Abriss.

ehem. NS-Bunker in der Voßstraße

© Titelbild: Wikimedia Commons, Dirk Ingo Franke, CC BY-SA 3.0 de

 

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Die Brache in der Voßstraße in Berlin-Mitte wirkt zunächst wenig spektakulär. Doch unter dem Gelände liegt ein Ort, der weit in die deutsche Geschichte reicht. Dort, wo einst Hitlers Neue Reichskanzlei stand, soll ein Bauprojekt entstehen. Geplant sind 66 Wohnungen und ein Bürogebäude. Dafür soll ein NS-Bunker weichen, den Fachleute als eine der letzten baulichen Spuren der früheren NS-Machtzentrale beschreiben.

  • Bezirk: Berlin-Mitte
  • Adresse: Voßstraße
  • Nutzung: 66 Wohnungen und ein Bürogebäude
  • Projektstatus: geplant

Der Streit dreht sich um ein Gelände hinter den Landesvertretungen von Hessen und Brandenburg. Unter einem Hügel aus Trümmerschutt befindet sich der Zugang zu dem Bunker.

Das historische Schwarz-Weiß-Foto zeigt die Neue Reichskanzlei an der Voßstraße in Berlin. Unter dem Gebäudekomplex befand sich ein NS-Bunker aus Hitlers ehemaliger Machtzentrale, über dessen Erhalt im Zusammenhang mit dem geplanten Bau neuer Wohnungen derzeit gestritten wird.

Die Neue Reichskanzlei an der Voßstraße in Berlin war das Machtzentrum von Hitler. Unter dem Gebäudekomplex befand sich der heute umstrittene NS-Bunker, der einem Neubau mit Wohnungen weichen soll. / © Foto: Wikimedia Commons, Bundesarchiv, Bild 183-E04492 CC-BY-SA 3.0

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Voßstraße: Grundstück soll mit Wohnungen bebaut werden

Nach Angaben der B.Z. hat ein Hamburger Investor das Grundstück an der Voßstraße über Jahre von mehreren Eigentümern zusammengekauft. Jetzt soll es bebaut werden. Der Entwurf des Hamburger Architekturbüros blrm sieht ein siebengeschossiges Wohnhaus mit 66 Wohnungen sowie ein sechsgeschossiges Bürogebäude vor.

Der jetzt umstrittene NS-Bunker lag unter der Neuen Reichskanzlei. Er diente Mitarbeitern als Schutzraum. Zeitweise nutzte ihn auch das Rote Kreuz als Notlazarett. Hitler soll den Schutzraum bei Bombenangriffen zudem als Mutter-Kind-Unterschlupf freigegeben haben.

NS-Bunker in der Voßstraße: Denkmalschützer sehen historischen Wert

Das Landesdenkmalamt bewertet den Bunker laut Tagesspiegel als Objekt von umfassender historischer und wissenschaftlicher Bedeutung. Sebastian Heber, Abteilungsleiter für Bodendenkmalpflege, ordnet ihn als letzten bauzeitlichen Rest der Neuen Reichskanzlei ein. Außerdem gilt er als letzter erhaltener Vorkriegsbunker des Berliner NS-Regierungsviertels.

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Nach Angaben des Tagesspiegels wurde der Bunker bislang nicht in die Denkmalliste eingetragen. Hintergrund ist dem Bericht zufolge eine Weisung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

Der Landesdenkmalrat sprach sich bereits im März 2025 dafür aus, den Erhaltungszustand und eine mögliche Eintragung in die Denkmalliste zu prüfen. Das Gremium verweist darauf, dass die Neue Reichskanzlei Planungs- und Ausgangsort des Zweiten Weltkriegs gewesen sei. Gerade vor dem Hintergrund schwindender Zeitzeugen und digitaler Verzerrungen gewinne der Erhalt materieller Spuren an Bedeutung.

Eine Gedenktafel in der Voßstraße "Mythos und Geschichtszeugnis Führerbunker".

In Berlin-Mitte wird diskutiert, ob ein NS-Bunker unter dem Gelände der ehemaligen Neuen Reichskanzlei für ein Bauprojekt mit Wohnungen und Büros in der Voßstraße weichen muss. / © Foto: Wikimedia Commons, I, Zvucini, CC BY-SA 3.0

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Wohnungen, Büros und die Frage nach dem Umgang mit Hitler-Orten

Bausenator Christian Gaebler lehnt einen Erhalt ab. Gegenüber der B.Z. erklärte er, Berlin werde den Neubau von Wohnungen nicht blockieren, um einen Bunker zu sichern, der später womöglich zum Wallfahrtsort werde. Auch Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt verweist darauf, dass es in Berlin bereits gut besuchte und erhaltene Unterwelten gebe. Sie sieht demnach eher die Notwendigkeit einer Dokumentation als eines Erhalts.

Dietmar Arnold vom Verein Berliner Unterwelten widerspricht. Der Verein setzt sich für den Erhalt ein und hält das Wallfahrtsort-Argument für nicht überzeugend. Arnold verweist darauf, dass Berliner Unterwelten seit Jahren zeige, wie man Orte der NS-Geschichte sachlich erklären könne, ohne sie zu verherrlichen. Er spricht sich für eine Erinnerungsstätte zum Kriegsende aus. Dabei verweist er auch auf das bekannte Foto von General Helmuth Weidling, der im Mai 1945 aus dem Schutzraum trat und sich der Roten Armee ergab.

Offen bleibt, wie viel vom NS-Bunker verschwindet

Nach Angaben Arnolds sind noch rund 1.200 Quadratmeter der Bunkeranlage erhalten. Wände und Decke seien jeweils bis zu 1,70 Meter stark. Laut Tagesspiegel soll etwa die Hälfte des Bunkers abgerissen werden, damit Wohnungen und Büros entstehen können. Arnold warnt, ein teilweiser Abriss könne die Stabilität des Restes gefährden.

Noch ist offen, wann das Projekt tatsächlich startet und wie der Konflikt um den NS-Bunker entschieden wird. Klar ist nur: In Berlin-Mitte geht es nicht nur um neue Wohnungen. Es geht auch um die Frage, wie die Stadt mit den letzten baulichen Spuren von Hitlers Machtzentrum umgeht.

 

Quellen: Tagesspiegel, B.Z.

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