Auf dem RIAS-Gelände in Britz sind rund 880 Wohnungen geplant. Doch Naturschutzverbände warnen vor dem Verlust einer wertvollen Freifläche.

Das Entwicklungsareal befindet sich unweit der Kreuzung von Tempelhofer Weg und Britzer Damm in Berlin-Neukölln. Auf dem ehemaligen RIAS-Gelände soll ein neues Wohnungsbauprojekt entstehen. / Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Auf einer lange abgeschirmten Fläche in Berlin-Neukölln soll ein neues Stadtquartier entstehen. Doch je konkreter die Planungen für das ehemalige RIAS-Gelände in Britz werden, desto deutlicher tritt ein Konflikt hervor, der Berlin inzwischen an vielen Stellen beschäftigt: Wo soll die wachsende Stadt bauen, wenn freie Flächen zugleich wichtige Aufgaben für Natur, Klima und Erholung erfüllen?
- Bezirk: Neukölln
- Adresse: Tempelhofer Weg 114, 118 und 122 sowie Britzer Damm 160, 164, 172, 174 und 176
- Wohnungen: rund 880
- Geförderter Wohnraum: rund 30 Prozent
- Weitere Nutzungen: Gewerbe, Kita, Grün- und Erholungsflächen sowie planungsrechtliche Sicherung einer Schule
- Projektstatus: Bebauungsplanverfahren läuft
Der Senat hatte am 11. August 2026 die Änderung des Flächennutzungsplans für den Bereich Gradestraße, Tempelhofer Weg und Britzer Damm beschlossen. Damit will Berlin die übergeordneten Voraussetzungen für Wohnungen, Gewerbe und eine Erweiterung des Standorts der Berliner Stadtreinigung schaffen.
Bebauungsplan für RIAS-Gelände sieht rund 880 Wohnungen vor
Der nächste politische Schritt ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Das Abgeordnetenhaus überwies die Vorlage am 27. August an den Stadtentwicklungsausschuss und den Hauptausschuss. Eine endgültige Zustimmung steht damit noch aus.
Das eigentliche Bauprojekt ist bereits weiter konkretisiert. Der Bebauungsplan 8-98 sieht nach Angaben des Bezirksamts rund 880 Wohnungen vor. Rund 30 Prozent davon sollen mietpreis- und belegungsgebunden entstehen.
Hinzu kommen Gewerbeflächen, eine Kita sowie naturnahe Grün- und Erholungsflächen; außerdem soll eine Schule planungsrechtlich gesichert werden. Im Februar und März 2026 konnten Bürgerinnen und Bürger zum Bebauungsplan Stellung nehmen.

Hinter der Grundstücksmauer am Tempelhofer Weg erstreckt sich das ehemalige RIAS-Gelände. Das bislang weitgehend abgeschirmte und stark begrünte Areal soll künftig für den Wohnungsbau genutzt werden. / Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
RIAS-Gelände in Britz: Aus einem Teil der Brache wurde ein wertvoller Naturraum
Genau hier beginnt der Konflikt. Das frühere Rundfunkgelände liegt seit Jahren weitgehend brach. Die früheren Sendeanlagen und Gebäude verschwanden, während sich auf Teilen des Areals Vegetation ausbreitete.
Bereits ältere Planungsunterlagen beschreiben eine Pfuhlkette und eine Grünverbindung zu den westlich gelegenen Kleingärten und zum Gutshof Britz. Der Große Eckerpfuhl und der Brandpfuhl sind Gewässer zweiter Ordnung und geschützte Biotope.
Welche Bedeutung diese über Jahre entstandenen Strukturen inzwischen für Natur und Stadtklima haben, rückt nun stärker in den Mittelpunkt der Debatte. BLN und BUND Berlin verweisen auf hochwertige Böden, Waldflächen und seltene Wildbienen. Nach ihren Angaben wurde auf dem Gelände sogar eine Wildbienenart nachgewiesen, die in Berlin als ausgestorben galt.
Unterschiedliche Ziele für RIAS-Gelände in Britz
Zudem sehen die Verbände eine wichtige Funktion für die Kühlung der angrenzenden Stadtgebiete und für die Verbindung verschiedener Lebensräume. Das Berliner Landschaftsprogramm hatte für Teile des Bereichs bereits einen hohen naturschutzfachlichen Wert ausgewiesen.
Damit prallen zwei nachvollziehbare Ziele aufeinander. Der Senat betrachtet das Areal als Fläche innerhalb der bestehenden Stadtstruktur und will dort dringend benötigten Wohnraum ermöglichen.
Gleichzeitig sollen Grünverbindungen und größere Freiflächen erhalten oder neu gestaltet werden. Die Umweltverbände halten den Eingriff dennoch für zu groß. Besonders kritisch bewerten sie, dass Teile der nötigen Ausgleichsmaßnahmen außerhalb Berlins in Brandenburg erfolgen sollen.
Wohnungsbau gegen Freiraumschutz: Berlin kennt den Konflikt längst
Der Streit in Britz ist deshalb kein Einzelfall. Berlin ringt derzeit an vielen Standorten darum, wie viel bestehendes Grün für neue Nutzungen aufgegeben werden darf. Besonders sichtbar wird das bei Kleingärten, die für Wohnungsbau weichen sollen. Auch die Debatte über eine mögliche Randbebauung des Tempelhofer Feldes dreht sich im Kern um dieselbe Frage: Wie lassen sich zusätzlicher Wohnraum und der Schutz großer Freiflächen miteinander verbinden?
Beim RIAS-Gelände ist diese Abwägung noch nicht abgeschlossen. Die Änderung des Flächennutzungsplans muss zunächst das parlamentarische Verfahren durchlaufen. Parallel arbeitet der Bezirk am Bebauungsplan 8-98.
Wie stark das Gelände am Ende tatsächlich bebaut wird und welche Flächen dauerhaft frei bleiben, entscheidet sich damit erst in den weiteren Verfahren. Am 15. September 2026 will das Bezirksamt bei einem bereits ausgebuchten Kiez-Spaziergang vor Ort erklären, wie der Bebauungsplan zustande kommt.
Ehemaliges RIAS-Gelände in Britz
Quellen: Land Berlin, Bezirksamt Neukölln, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, BUND Berlin
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


