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In der Hamburger City Nord plant Projektentwickler Becken den Bau eines rund 60 Meter hohen Wohnturms mit bis zu 180 Mietwohnungen. Ein Drittel der Wohnungen soll öffentlich gefördert werden. Das Projekt soll auf einer bisherigen Parkplatzfläche am Überseering entstehen und ist Teil des langfristigen Quartierswandels.

Leerstehendes Gebäude am Überseering 40

In direkter Nachbarschaft zum leerstehenden DEA-Gebäude soll ein neuer Wohnturm entstehen. Projektentwickler Becken will diesen bis 2027 realisieren. Das Grundstück steht derzeit allerdings in der Kritik. / © Foto: Wikimedia Commons, Dirtsc, CC BY-SA 4.0

© Visualisierung Titelbild: Caruso St. John Architects / Filippo Bolognese Images

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In der Hamburger City Nord plant der Projektentwickler Becken ein neues Wohnhochhaus. Auf der Fläche am Überseering 40, die bislang als oberirdischer Parkplatz genutzt wurde, soll ein rund 60 Meter hoher Wohnturm entstehen. Geplant sind bis zu 180 Mietwohnungen, von denen 35 Prozent öffentlich gefördert werden sollen.

Das Projekt ist Teil des anhaltenden Strukturwandels der City Nord, die sich schrittweise von der autogeprägten Bürostadt hin zu einem urban gemischten Quartier entwickeln soll.

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City Nord: Vom Bürostandort zu Mixed-Use-Quartieren

Die City Nord wurde in den 1960er-Jahren als funktional getrennte Bürostadt geplant: mit großzügigen Straßenräumen, Hochhäusern und einem starken Fokus auf den motorisierten Individualverkehr. Heute steht das Quartier exemplarisch für den städtebaulichen Umbruch vieler innerstädtischer Arbeitsstandorte.

Neben neuen Büroprojekten entstehen zunehmend Wohnungen, soziale Infrastruktur und Freiräume. Der geplante Wohnturm am Überseering 40 reiht sich in diese Entwicklung ein.

Überseering: Wohnungen und Grünflächen entstehen auf altem Parkplatz

Der Entwurf für das Hochhaus geht auf einen international besetzten Architekturwettbewerb zurück. Als Sieger wurde das Londoner Büro Caruso St. John Architects gekürt, das nun auch die weitere Planung übernimmt. Neben den Wohnungen ist im Erdgeschoss eine gemeinnützige Bildungs- und Fördereinrichtung für hochbegabte Kinder und Jugendliche vorgesehen.

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Der heutige Parkplatz soll vollständig rückgebaut werden. An seiner Stelle sind begrünte Außenanlagen geplant, die sich in das bestehende Freiraumkonzept der City Nord einfügen sollen.

Wohnturm in der City Nord: Bebauungsplan befindet sich bereits im Genehmigungsprozess

Das Projekt soll nach seiner Fertigstellung außerdem von seiner Lage an der künftigen U-Bahnlinie 5 profitieren: Direkt am Überseering ist eine neue Station vorgesehen, die die City Nord in Zukunft besser an das Hamburger Schnellbahnnetz anbinden soll.

Planungsrechtlich wird das Vorhaben über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan abgesichert. Das zuständige Bezirksamt Hamburg-Nord hat das Verfahren bereits eingeleitet. Laut Becken erfolgt die weitere Entwicklung in enger Abstimmung mit den Behörden. Aus Sicht des Projektentwicklers entspricht das Vorhaben den wohnungspolitischen Zielen Hamburgs, innerstädtische Flächenpotenziale zu nutzen und neuen Wohnraum in gut erschlossenen Lagen zu schaffen.

Standort in der Kritik: Koppelgeschäft mit „Elbtower“ im Verdacht

Kritische Stimmen richten sich weniger gegen das Wohnhochhaus selbst als gegen den übergeordneten Kontext des Standorts. Medien wie der NDR verweisen darauf, dass sich auf demselben Grundstück ein seit Jahren leerstehendes Bürogebäude befindet – das sogenannte DEA-Gebäude aus dem Jahr 1977, das Becken 2021 erworben hatte.

Dieses Gebäude wird derzeit als möglicher Standort für das Hamburgische Landeslabor geprüft, obwohl ursprünglich ein Neubau vorgesehen war. Nach Recherchen des NDR sollen bereits mehr als sechs Millionen Euro in die Planung dieses Neubaus geflossen sein, bevor der Senat begann, auch Bestandsimmobilien in Betracht zu ziehen. Kritisiert wird insbesondere die Reihenfolge der Entscheidungsfindung sowie die Transparenz des Verfahrens.

Elbtower Baustelle

Projektentwickler Becken ist nicht nur beim Grundstück am Überseering involviert, sondern auch Akteur beim Weiterbau des „Elbtower“. Verschiedene Medienhäuser sehen nun ein Koppelgeschäft im Verdacht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Debatte durch Beckens Rolle beim möglichen Weiterbau des „Elbtower“. Dort plant der Hamburger Senat, den seit der Insolvenz des ursprünglichen Investors gestoppten Bau durch den Ankauf mehrerer Etagen in erheblichem Umfang zu unterstützen. So entsteht der Eindruck eines möglichen Paket- oder Koppelgeschäft zwischen der Stadt und dem Projektentwickler. Die Stadt weist jedoch einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen beiden Projekten zurück.

Wohnungen am Überseering sollen 2027 fertiggestellt werden

Unabhängig von diesen Debatten soll der Wohnturm am Überseering 40 nach aktuellem Stand bis zum vierten Quartal 2027 fertiggestellt werden. Gelingt die Umsetzung wie geplant, würde das Projekt einen weiteren Baustein zur funktionalen Öffnung der City Nord leisten und zusätzlichen, teils geförderten Wohnraum in einem bislang überwiegend von Büroarbeitsplätzen geprägten Quartier schaffen.

Quellen: Becken Holding GmbH, NDR, konii, Immobilienmanager, DEAL Magazin, Hamburger Morgenpost, Wikipedia

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