Leerstehende Büroflächen und Wohnungsmangel prägen derzeit viele Quartiere in Berlin. Das Projekt „CommUnits“ versucht, beide Entwicklungen miteinander zu verbinden: Durch modulare Wohnzellen sollen ungenutzte Gewerbeflächen temporär zu Wohnraum werden. Erste Pilotstandorte entstehen bereits in mehreren Berliner Gebäuden.

Das Konzept zielt darauf ab, innerhalb der Gebäude eine Art „Mini-Dorf“ entstehen zu lassen: Durch gemeinschaftlich genutzte Bereiche und kurze Wege im Alltag sollen Begegnungen zwischen den Bewohnern erleichtert und eine nachbarschaftliche Atmosphäre gefördert werden. / © Visualisierung: CommUnits
© Titelbild: CommUnits
Während der Wohnungsmarkt in Berlin weiterhin angespannt bleibt, stehen in vielen Büro- und Gewerbegebäuden Flächen leer. Das Berliner Projekt „CommUnits“ will beide Entwicklungen miteinander verbinden. Die Idee: temporäre Wohnräume aus modularen Einheiten, die in bestehenden Gewerbeimmobilien installiert werden können.
Nach Angaben der Initiatoren gibt es in Berlin rund 1,8 Millionen Quadratmeter leerstehende Büro- und Gewerbeflächen. Gleichzeitig fehlen zehntausende Wohnungen, insbesondere für Auszubildende, Projektbeschäftigte und Berufseinsteiger. Genau hier setzt das Konzept an. Unternutzte Flächen sollen kurzfristig aktiviert und in befristeten Wohnraum umgewandelt werden.
Modulare Wohnzellen sind zwischen 8 und 22 Quadratmetern groß
Kern des Projekts ist ein modulares System aus vorgefertigten Wohnzellen. Diese sogenannten Units werden industriell produziert und können innerhalb weniger Stunden in bestehenden Gebäuden montiert werden. Dabei lassen sie sich ohne größere bauliche Eingriffe in Bestandsflächen integrieren.
Vorgesehen sind unterschiedliche Größen: kleine Einheiten von etwa acht bis zehn Quadratmetern für Auszubildende oder Studierende, mittelgroße Units für Berufseinsteiger sowie größere Module für längere Aufenthalte. Die Einheiten sollen flexibel kombinierbar sein und sich an vorhandene Grundrisse anpassen lassen.
Das System ist als temporäre Nutzung angelegt. Die Module können bei Bedarf wieder entfernt werden, sodass die ursprüngliche Nutzung der Gebäude grundsätzlich erhalten bleibt.
Rechtlicher Rahmen und temporäre Nutzung: Status der Gewerbeimmobilie bleibt erhalten
Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist der rechtliche Rahmen. Die Nutzung erfolgt nicht als klassische Wohnnutzung, sondern als gewerbliche Beherbergung, ähnlich wie bei Boardinghäusern oder Serviced Apartments. Dadurch bleibt der Status der Gewerbeimmobilie erhalten.
Ziel ist eine rechtlich abgesicherte Zwischennutzung, die ohne umfassende Umwidmung der Gebäude auskommt. Die Initiatoren sehen darin eine pragmatische Möglichkeit, bestehende Flächen kurzfristig zu aktivieren und gleichzeitig den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten.
Organisation und Gemeinschaft: Digitale Plattform soll verschiedene Funktionen bündeln
Neben dem baulichen System setzt „CommUnits“ auch auf ein digitales Ökosystem. Eigentümer stellen über die Plattform die Fläche bereit, ein Betreiber organisiert Ausbau und Betrieb, während Bewohner die einzelnen Units mieten.
Die Plattform soll verschiedene Funktionen bündeln: Vertragsabschlüsse über digitale Signaturen, Organisation von Zusatzangeboten sowie eine Art digitaler Marktplatz für Services oder Veranstaltungen. Auch eine Community-App ist vorgesehen, über die sich Bewohner austauschen können.
Das Konzept orientiert sich an der Idee eines „Indoor-Kiezes“. Gemeinschaftsräume, Begegnungsflächen und gemeinsame Angebote sollen dazu beitragen, dass auch innerhalb der Gebäude kleine soziale Netzwerke entstehen.
Kreuzberg, Charlottenburg, Treptow: Erste Pilotprojekte in Berlin
Mehrere Pilotprojekte befinden sich bereits in Planung oder Vorbereitung. Dazu zählen Flächen in den Sarotti-Höfen in Kreuzberg, ein Standort in der Joachimsthaler Straße 27, sowie ein größeres Projekt im Treptower Gewerbekomplex „Treptown“.
Dort soll das modulare Konzept erstmals in größerem Umfang getestet werden. Gelingt die Umsetzung, könnte das Modell auch auf weitere Gewerbeimmobilien übertragen werden.
Die Initiatoren verstehen den Ansatz als mögliche Ergänzung zum klassischen Wohnungsbau. Während Neubauprojekte häufig lange Planungs- und Bauzeiten benötigen, soll die modulare Zwischennutzung vorhandene Flächen schneller aktivieren, zumindest für einen begrenzten Zeitraum.
Sarotti-Höfe
Joachimsthaler Straße 27
Treptown
Quellen: CommUnits, AusserGewöhnlich Berlin
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