Das Wohnprojekt an der Brückenstraße 20 in Niederschöneweide ist geplatzt. Der Verein Eins von Vielen e.V. zieht seinen prämierten Entwurf nach langen Verhandlungen zurück.
Brückenstraße 20
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
Ein prämiertes Wohnprojekt in Niederschöneweide kommt nicht zustande. Der Verein Eins von Vielen e.V. wollte auf einem landeseigenen Grundstück an der Brückenstraße 20 bezahlbaren, selbstverwalteten und gemeinwohlorientierten Wohnraum schaffen. Nun zieht die Initiative den Entwurf zurück.
- Bezirk: Treptow-Köpenick,
- Adresse: Brückenstraße 20
- Grundstück: landeseigenes ehemaliges Garagengrundstück
- Projektstatus: Konzeptverfahren gescheitert
- Bauherr/Initiative: Eins von Vielen e. V.
Das Projekt sollte auf einer bislang versiegelten Fläche entstehen. Früher standen dort Garagen aus DDR-Zeiten. Geplant war ein nachhaltiges Holzhaus nach Passivhausstandard. Es sollte Wohnraum für große Wohngemeinschaften, WG-Cluster, Einzelpersonen und Familien bieten. Im Erdgeschoss waren Räume für eine ärztliche Praxis und ein soziales Café vorgesehen.
Wohnprojekt Brückenstraße 20 sollte bezahlbaren Wohnraum schaffen
Ein Drittel der Wohnfläche sollte gefördert werden. Diese Wohnungen wollte die Initiative an Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf vergeben. Dafür baute sie Kooperationen mit Xenion und Queerhome auf. Xenion unterstützt geflüchtete Menschen, Queerhome berät LSBTIQ+-Personen bei Wohnfragen.
Der Verein gewann Anfang 2024 das Konzeptverfahren für die Brückenstraße 20. Nach eigenen Angaben handelte es sich um die erste selbstorganisierte Gruppe, die nach dem Konzept des Mietshäuser Syndikats ein neues Haus bauen wollte. Am 11. April 2024 starteten die Verhandlungen mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH über einen Erbbaurechtsvertrag. Am 25. Juli 2024 gründete sich die Ein Haus von Vielen GmbH.
Niederschöneweide: Altlasten und Finanzierung wurden zum Problem
Nach Darstellung der Initiative traten zentrale Probleme erst im Laufe der Verhandlungen klar hervor. Dazu gehörten Altlasten im Boden. Laut Bauakte liegt unter der Fläche wahrscheinlich bis zu drei Meter Schutt. Dadurch konnte Regenwasser nicht wie geplant versickern. Auch die Gründung des Hauses hätte überarbeitet werden müssen. Die Initiative beziffert die zusätzliche Kostensteigerung auf knapp 300.000 Euro.
Ein weiterer Streitpunkt betraf mögliche Kampfmittel und Bodenaustausch. Nach Angaben des Vereins sollte der Erbbaurechtsnehmer alle Risiken tragen. Das Land Berlin habe keine Kosten für Bodenaustausch oder Kampfmittelbeseitigung übernehmen wollen. Erst nach fast zwei Jahren Verhandlungen habe die BIM angeboten, den Erbbauzins für 20 Jahre verzinst zu stunden.
Brückenstraße 20: Kaltmieten mehr als verdoppelt
Doch die Finanzierung geriet ins Wanken. Die Initiative hatte private Direktkredite eingeworben. Mehr als 60 Personen stellten zusammen 600.000 Euro bereit. Die Investitionsbank Berlin erkannte diese Direktkredite nach Darstellung des Vereins dann jedoch nicht als Eigenkapital an. Damit blieb die Förderung für die geplanten WBS-Wohnungen offen.
Ursprünglich rechnete die Initiative im frei finanzierten Bereich mit 10,77 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Durch Kostensteigerungen und die Auslegung der Förderbedingungen lägen die berechneten Kosten inzwischen bei 21,90 Euro pro Quadratmeter. Damit hätten sich die Kaltmieten gegenüber dem prämierten Konzept mehr als verdoppelt.
Wohnprojekt: Konzeptverfahren nicht ausreichend abgesichert
Felix Marlow, Geschäftsführer der Ein Haus von Vielen GmbH, erklärt, das Projekt sei nicht an fehlendem Engagement oder internen Konflikten gescheitert. Aus Sicht der Initiative zeigen die Vorgänge vielmehr, dass Konzeptverfahren soziale Ziele zwar formulieren, deren Umsetzung aber nicht ausreichend absichern.
Damit ist das Wohnprojekt an der Brückenstraße 20 in Niederschöneweide geplatzt. Offen bleibt, wie das Land Berlin mit dem Grundstück weiter verfährt. Eine neue Entscheidung zur Fläche gibt es noch nicht.
Quellen: Berliner Morgenpost, Tagesspiegel, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Eins von Vielen e. V.
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