Mit dem Konzept „Zuhause am Tempelhofer Feld“ kehrt die Debatte um eine Randbebauung zurück. Gleichzeitig wird das Areal zunehmend als Standort für Konzerte, Sportevents und mögliche Großveranstaltungen der Zukunft gehandelt. Berlin muss sich deshalb einer grundsätzlichen Frage stellen: Wohnen, oder veranstalten?

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT / KI

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Das Tempelhofer Feld steht erneut vor einer Richtungsentscheidung. Mit dem Konzept „Zuhause am Tempelhofer Feld“ schlagen die Architekten Hans Kollhoff und Tobias Nöfer vor, rund 21.400 Wohnungen in den Randbereichen des Areals zu errichten. Mehr als 200 Hektar Freifläche im Zentrum sollen dabei erhalten bleiben.

Die Diskussion erinnert an die Debatte vor dem Volksentscheid von 2014. Doch die Ausgangslage hat sich verändert. Damals ging es vor allem um die Frage, ob auf dem Feld gebaut werden soll. Heute stellt sich auch die Frage, welche Funktion das Tempelhofer Feld künftig für Berlin überhaupt erfüllen soll.

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Das Tempelhofer Feld ist längst mehr als eine Grünfläche

Wer über das Tempelhofer Feld spricht, spricht häufig über Freizeit, Erholung und Freiraum. Über Menschen, die joggen, skaten, Rad fahren oder an warmen Tagen auf den Wiesen sitzen. All das gehört zweifellos zum Charakter des Areals.

Gleichzeitig greift dieses Bild inzwischen zu kurz. Das Tempelhofer Feld ist längst mehr als eine große Freifläche in der Mitte der Stadt. In den vergangenen Jahren hat sich das Gelände zunehmend als Veranstaltungsort etabliert, und Planungen deuten darauf hin, dass diese Entwicklung weitergehen könnte.

Ein Blick auf das Tempelhofer Feld bei dem Festival "Tempelhof Sounds".

Mit dem Tempelhof Sounds Festival hatte Berlin 2022 erstmals nach der Pandemie wieder ein groß angelegtes Musikfestival auf dem Feld etabliert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Mit dem neuen Festival „TFELD“ soll im August ein weiteres Großevent auf dem Gelände starten. Für 2027 werden zudem mehrere Konzerte internationaler Popstars gehandelt. Medienberichten zufolge könnten Harry Styles und Ed Sheeran gleich mehrere Open-Air-Shows auf dem Tempelhofer Feld spielen – eine einzigartige Chance für den Tourismus- und Eventstandort Berlin. Offizielle Bestätigungen stehen zwar aus, doch die Richtung ist erkennbar.

Olympia, EXPO, Formel E: Die Liste wird immer länger

Die Konzertpläne sind dabei nur ein Teil der Entwicklung. Das Tempelhofer Feld spielt auch im Olympia-Konzept des Berliner Senats eine wichtige Rolle. Die jüngst veröffentlichten Visualisierungen zur Bewerbung „BERLIN+“ zeigen das Areal als möglichen Veranstaltungsort für olympische Formate.

Die Visualisierung zeigt, wie es bei den Olympischen Spielen in Berlin auf dem Tempelhofer Feld aussehen könnte.

Die Visualisierung zeigt, wie es bei den Olympischen Spielen in Berlin auf dem Tempelhofer Feld aussehen könnte.  / © Visualisierung: Kulturprojekte Berlin

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Hinzu kommen regelmäßig stattfindende Großveranstaltungen wie der Berlin E-Prix der Formel E. Auch im Zusammenhang mit einer möglichen EXPO-Bewerbung Berlins wird das Gelände immer wieder als zentraler Standort genannt. Architekten und Stadtplaner präsentieren seit Monaten Konzepte, die das ehemalige Flughafengelände als Ort für internationale Großereignisse verstehen.

Damit verändert sich die Perspektive auf das Tempelhofer Feld. Die Fläche wird nicht mehr nur als Freiraum betrachtet, sondern zunehmend als strategische Infrastruktur für Veranstaltungen, Kultur, Sport und internationale Formate.

Genau hier beginnt jedoch ein Konflikt, der in der aktuellen Wohnungsdebatte bislang kaum im Mittelpunkt steht.

Wohnen neben einer Großeventfläche?

Denn die Frage ist nicht allein, ob am Rand gebaut werden kann. Ebenso entscheidend ist, welche Nutzungen künftig unmittelbar neben diesen Wohnungen stattfinden sollen.

Gegenüber ENTWICKLUNGSSTADT betonte Architekt Hans Kollhoff, Lärm gehöre in Berlin zum städtischen Alltag und stelle daher kein grundsätzliches Hindernis für eine Bebauung dar.

Diese Einordnung wirkt jedoch verkürzt, wenn man die bisherigen Erfahrungen am Tempelhofer Feld berücksichtigt. Bereits heute führen einzelne Großveranstaltungen regelmäßig zu Diskussionen über Lärmbelastungen. So gingen während der Open-Air-Konzerte von Die Ärzte im Jahr 2022 zahlreiche Beschwerden aus den angrenzenden Quartieren ein, darunter aus dem Schillerkiez und Teilen Neuköllns. Dabei existiert bislang noch keine neue Wohnbebauung direkt an den Feldrändern.

"Paradies auf Erden in Berlin" heißt es bei der Pressekonferenz "Zuhause am Tempelhofer Feld".

Auf der Konferenz war von einem „Paradies auf Erden in Berlin“ die Rede – ein Bild, das nur bedingt zu der wachsenden Nutzung als Großveranstaltungsfläche und damit einhergehenden Lärmbelastungen passt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Wohnen am Tempelhofer Feld: Die eigentliche Entscheidung steht noch aus

Befürworter einer Randbebauung argumentieren, dass große Teile des Feldes erhalten bleiben würden. Tatsächlich wären selbst nach den aktuellen Vorschlägen noch weit über 200 Hektar Freifläche vorhanden. Das Bild vom vollständig bebauten Tempelhofer Feld entspricht den vorliegenden Entwürfen nicht.

Doch die Debatte lässt sich längst nicht mehr auf die Gegenüberstellung von Wohnungen und Freiraum reduzieren. Ein wesentliches Spannungsfeld verläuft inzwischen zwischen Wohnen und Großveranstaltungen.

Berlin benötigt dringend Wohnraum. Gleichzeitig verfolgt die Stadt ambitionierte Pläne für internationale Sport-, Kultur- und Musikveranstaltungen. Beides erscheint auf den ersten Blick attraktiv. Doch am Tempelhofer Feld treffen diese Interessen unmittelbar aufeinander.

Ein Architekturmodell der Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ zeigt die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes mit neuen Wohnblöcken, begrünten Straßenräumen und einer offenen zentralen Freifläche. Vorgesehen sind 21.400 Wohnungen am Tempelhofer Feld.

Das Modell der Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ zeigt die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes mit neuen Wohnquartieren und dauerhaft geschützter Freifläche. Inwiefern das Konzept künftig noch Großveranstaltungen zulassen könnte, ist derzeit ungewiss. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Wohnen lassen – oder feiern, veranstalten und repräsentieren?

Eine Stadt kann neue Wohnquartiere schaffen. Sie kann eine der wichtigsten Open-Air-Flächen Deutschlands etablieren. Sie kann von Olympischen Spielen träumen, Konzertreihen mit zehntausenden Besucherinnen und Besuchern ermöglichen oder internationale Großereignisse anziehen. Die Frage ist nur, ob all das dauerhaft am selben Ort funktionieren kann, oder ob eine Randbebauung diese Träume endgültig begraben würde.

Klar ist derzeit nur: das Tempelhofer Feld ist Veranstaltungsort, Sportfläche, Erholungsraum, politisches Symbol und potenzieller Wohnstandort zugleich. Genau deshalb dürfte die Debatte über seine Zukunft schwieriger werden als noch vor zwölf Jahren.

Denn am Ende könnte Berlin vor einer Entscheidung stehen, die bislang niemand klar ausspricht: Will die Stadt hier vor allem wohnen lassen – oder feiern, veranstalten und repräsentieren? Beides gleichzeitig wird auf Dauer schwer durchzusetzen sein.

Tempelhofer Feld

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7 Kommentare

  1. Benny 1. Juni 2026 at 08:48 - Reply

    Wer kennt es nicht? Es ist DAS Gespräch der Stadt: wie in aller Welt schaffen wir endlich mehr zentrumsnahe Open-Air-Konzertflächen? Der Mangel wird langsam zur Bedrohung der Demokratie. Bald wird es einen Volksentscheid geben, durch den Enteignungen durchgeführt werden sollen, um den absolut kritischen Mangel an zentrumsnahen Open-Air-Konzertflächen zu beheben…

    Die Argumente gegen die Randbebauung werden immer hanebüchener.

    • Tony 1. Juni 2026 at 08:58 - Reply

      Gut, es gibt auch andere Veranstaltungsorte. Aber wenn die auf dem Feld nicht mehr stattfinden können wegen Lärmschutz, dann ist die Bebauung der inneren Flächen auch nicht mehr weit, auch wenn sie jetzt noch angeblich geschützt werden soll. Es ist eine Verschiebung der Grenzen

  2. Lutz Keßels 1. Juni 2026 at 10:08 - Reply

    Es gibt den Volksentscheid und wenn man ernsthaft über eine Veränderung auf dem THF nachdenken möchte, wäre es wohl angemessen, endlich eine ergebnisoffene Diskussion darüber zu führen, was das Beste aus Sicht der Berliner Bürgerinnen und Bürger, der Verwaltung und der Politik für diesen Ort ist.

    Städtebauliche Entwürfe sind doch jetzt gar nicht gefragt. Die „Besetzung“ des Themas muss so zwangsläufig zu Streit führen und wird niemals tragfähige Lösungen hervorbringen. Wenn wir eines über Großprojekte in Berlin inzwischen gelernt haben, dann dass es dafür eine hohe Akzeptanz geben muss.

  3. Stefan Schaaf 1. Juni 2026 at 11:52 - Reply

    Erfahrungen mit anderen Investoren- oder Architekten-getriebenen Großprojekten in Berlin sollten zu denken geben. In der Regel war das Erschrecken und die Kritik nach Fertigstellung groß, aber der Schaden war angerichtet und nicht mehr korrigierbar: Ich denke da vor allem an die Europa-City oder die Bebauung der Leerfläche hinter dem Tacheles. Auch im Gleisdreieckpark wurde viel von dem Gelände, das ursprünglich als Ausgleichsfläche für den Potsdamer Platz offen bleiben sollte, in Salami-Taktik trickreich dann doch immer weiter bebaut. Das Tempelhofer Feld ist ein einzigartiger Ort, weil er so vielfältig und phantasievoll genutzt werden kann. Solange es noch Tausende von Airbnb-Wohnungen und überteuerte möblierte Angebote auf Zeit in der Stadt gibt, solange vielerorts Büros oder Riesenhostels statt Wohnungen entstehen, sollten wir die Finger vom Tempelhofer Feld lassen!

    • Max 1. Juni 2026 at 12:31 - Reply

      Die Bebauer der Leerfläche hinter dem Tacheles haben wohl inzwischen selbst gemerkt, dass sie Mist gebaut haben, nachdem sie ihre Buden nicht verkauft bekommen. Gründerzeit-Nachbau wäre sicherlich erfolgreicher geworden.

  4. Matfort 1. Juni 2026 at 17:23 - Reply

    Es ist eine riesige Fläche, die zum Teil in Stadt mit Wohnungen und Parks konvertiert werden sollte. Ich finde diese Diskussion um Veranstaltungen und Lärmschutz irreführend. Die Probleme der Stadt liegen doch insbesondere im mangelnden innerstädtischen Wohnraum. Jetzt zügig eine Tempelhof City zu bauen mit Commercial, Business, Sport- und Naherholungsgebiete (Freibad, Scaterpark..), Schulen usw. wäre wünschenswert. Diese Freifläche lässt eine Vielfalt an Nutzungen zu. Das Konzept der völligen Brache erscheint mir eher eine vertane Chance als hier bewusste, richtungsweisend neue umwelttechnische und städtebauliche Akzente zu setzen. Tempelhof City könnte ein Modellprojekt für sustainable urban Living in 2035 werden. Wir sollten diese Chance ergreifen!

  5. Milena Jablonski 6. Juni 2026 at 11:39 - Reply

    Wenn Sie über das Feld nachdenken, müssen Sie auch über die Armut in dieser Stadt reden.
    Das Tempelhofer Feld ist unsere Allmende-Wiese, wie es früher jedes Dorf hatte: Eine Wiese, auf der die armen Tagelöhner ihre Tiere zur Selbstversorgung weiden lassen durften, ohne eigenen Grund zu besitzen.
    Das Feld sorgt zusammen mit dem Naturschutz in dieser Größe für gute Luft und Abkühlung und damit für die Gesundheit aller Berlinerinnen und Berliner: umsonst und draußen.
    Das Feld ist Grün-, Sport- und Freifläche und die braucht Berlin genauso dringend wie Wohnungen.

    Wozu Wohnungsbau auf dem Feld?
    Es gibt genügend versiegelte Flächen in Berlin, wo Wohnungen in ausreichender Anzahl hätten gebaut werden können. Dazu gab es keinen politischen Willen. Nun gibt es viele Wohnungen in Berlin, nur kann sie keiner bezahlen. Es sind Eigentumswohnungen, die die Wohnungsnot derer, die sie wirklich brauchen, nicht lindert.

    Durch diese Luxus-Bauten steigt der Mietpreisspiegel. Die Gentrifizierung wird vorangetrieben, denn die Mieten werden noch weiter steigen. So lösen sie das Problem der Wohnungsnot nicht.
    Die paar Feigenblatt-WBS-Wohnungen im „höheren Segment“ (für 16,-/qm Miete) sind der Lacher.

    Stellen Sie sich endlich der Armutsdebatte in dieser Stadt, die durch solche Bauprojekte immer weiter verschärft wird.
    Das Feld als Grünfläche gehört den Berlinern und darf nicht verhökert werden.

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