Eine Revitalisierung im Herzen von Frankfurt-Sachsenhausen: Ein unscheinbarer Bau aus den 1960er Jahren soll bis August 2026 zu einem Wohn- und Handelsstandort mit 83 Wohnungen und einer neuen ALDI-Filiale umgebaut werden.
© Titelbild: pixabay, StockSnap (exemplarisch)
In Frankfurt-Sachsenhausen entsteht derzeit ein spannendes Revitalisierungsprojekt. Ein ehemaliges Bürogebäude der Deutschen Bahn an der Oskar-Sommer-Straße 15–17 wird zu einem Wohnhaus mit 83 Wohneinheiten umgebaut. Im Erdgeschoss ist eine Gewerbenutzung vorgesehen, hier soll die 33. ALDI-Filiale Frankfurts eröffnen.
Am 18. Februar 2025 erfolgte der Spatenstich und markierte den offiziellen Baubeginn. Rund sieben Monate später konnte am 19. September 2025 bereits das Richtfest gefeiert werden. Bauherr ist die ALDI SÜD Projektentwicklungs-GmbH & Co. KG, die Generalplanung übernahm das Büro Albert Speer + Partner, während die Goldbeck GmbH die Bauausführung übernimmt.
Kernsanierung und Aufstockung: Was in der Oskar-Sommer-Straße konkret geplant ist
Das Revitalisierungsprojekt liegt an der Ecke Stresemannallee und Oskar-Sommer-Straße. Insgesamt entstehen auf dem rund 3.500 Quadratmeter großen Grundstück 83 Wohneinheiten mit Wohnflächen zwischen 45 und 130 Quadratmetern. Die Wohnungen umfassen je nach Zuschnitt zwei bis fünf Zimmer.
Die sechsgeschossige Bestandsimmobilie wird umfassend saniert und erhält ein Staffelgeschoss in modularer Holzbauweise. Dafür muss die Zwischendecke zwischen dem sechsten und dem neuen siebten Geschoss ersetzt werden. Während die Wohnungen im Bestand eine Deckenhöhe von 2,40 Metern aufweisen, sind im Staffelgeschoss 2,71 Meter vorgesehen. Eine neue Fassade ist ebenfalls vorgesehen, sie soll den aktuellen Dämmwert-Standards entsprechen.
Öffentliche Verkehrsmittel statt Auto: Neuer ALDI-Markt soll nur 14 Parkplätze bekommen
Das Projekt schafft rund 9.000 Quadratmeter Mietfläche, davon rund 920 Quadratmeter für den ALDI-Markt im Erdgeschoss. Die Lage in unmittelbarer Nähe zur Haltestelle Stresemannallee soll die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs fördern.
Und das aus gutem Grund: Für den Supermarkt sind lediglich 14 Parkplätze geplant. „Wir kalkulieren hier, dass viele Kunden zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen werden“, erklärte Thorsten Pufe, Prokurist der ALDI SÜD Immobilienverwaltungs-GmbH, gegenüber der Frankfurter Neuen Presse. Die Mietpreise sollen bei über 20 Euro pro Quadratmeter liegen. Geförderter Wohnraum ist nicht eingeplant.
ALDI-Expansion: Einzelhändler setzt auf Mischnutzungen und plant weitere Projekte dieser Art
ALDI SÜD hatte im Frühjahr 2024 angekündigt, bundesweit mehr als 2.000 neue Wohnungen über Filialen zu schaffen. Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit dem bestehenden Wohnungsmangel. Auch in Frankfurt will der Einzelhändler an mehreren Standorten zusätzlichen Wohnraum schaffen. Ein Beispiel ist ein Gebäude an der Leipziger Straße im Stadtteil Bockenheim, das so umgebaut werden soll, dass neben einem Supermarkt auch Wohnraum für Studierende entsteht. Ein Ähnliches Projekt wurde bereits in Landau umgesetzt.
Darüber hinaus plant das Unternehmen generell, frei stehende Marktgebäude mit Parkplatz durch gemischt genutzte Neubauten zu ersetzen. Künftig sollen dann ebenfalls unter anderem Wohnungen über den ALDI-Filialen Platz finden. Auch hier gibt es Ideen für den Raum Frankfurt: konkrete Pläne bestehen bereits für das Areal an der Olof-Palme-Straße in Heddernheim. Weitere Überlegungen gibt es für das Grundstück an der Raimundstraße in Ginnheim, wie Pufe gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte.
Revitalisierung in Sachsenhausen: Bestandsgebäude stammt aus den 1970er-Jahren
Das Bestandsgebäude in der Oskar-Sommer-Straße wurde im Jahr 1966 errichtet und ab dem Jahr 2000 von der Deutschen Bahn als Bürogebäude genutzt. Bereits seit 1977 war im Erdgeschoss ein Lebensmitteleinzelhändler ansässig, zuletzt ein Rewe-Markt. ALDI erwarb die Immobilie im Juli 2022 von den Unternehmen Ashtrom Properties Germany GmbH aus Berlin und SH.I.R. Real Estate Germany GmbH aus Frankfurt.
Die Rohbauarbeiten in Sachsenhausen sind inzwischen vollständig abgeschlossen. Bis August 2026 soll das Projekt fertiggestellt sein. Dann möchte der Bauherr ALDI seine Filiale eröffnen und die 83 neuen Wohnungen sollen bezogen werden. Ob der geplante Zeitrahmen eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Positiv fällt jedoch auf, dass das Projekt auf Revitalisierung statt Abriss setzt. Der Gedanke des Re-Use gewinnt im städtischen Raum zunehmend an Bedeutung und wird auch in Frankfurt immer häufiger verfolgt.
Quellen: ALDI Süd, AS+P, Frankfurter Neue Presse, Frankfurter Rundschau
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