Am Jahnsportpark wächst die Kritik an der geplanten Umgestaltung der Sportwiese. Die Bürgerinitiative warnt vor mehr Hitze, während nebenan der Mauerpark als großes Grünflächenprojekt weiterentwickelt wird.

Die Darstellung zeigt den Eingangsbereich des Jahnsportpark Neubaus in Berlin mit Menschen auf breiten Wegen und barrierearmen Rampen sowie dem Stadiongebäude im Hintergrund.

Die Visualisierung zeigt den geplanten barrierearmen Zugang zum Neubau im Jahnsportpark in Berlin mit breiten Wegen, Rampen und Aufenthaltsflächen im Umfeld des Stadions. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH

© Titelbild / Visualisierung: Bürgerinitiative Jahnsportpark

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Am Jahnsportpark in Prenzlauer Berg verschärft sich der Konflikt um die geplante Umgestaltung der Sportwiese. Eine Bürgerinitiative warnt vor mehr Hitze, Versiegelung und dem Verlust einer frei nutzbaren Grünfläche. Gleichzeitig entsteht direkt nebenan mit dem Mauerpark eines der größten aktuellen Grünflächenprojekte im Bezirk Pankow.

  • Bezirk: Pankow
  • Adresse: Cantianstraße 24, 10437 Berlin
  • Projektstatus: Bebauungsplan 3-87 ist rechtskräftig
  • Fertigstellung Stadion: geplant bis 2029

Die Bürgerinitiative Jahn-Sportpark hat die aktuelle Hitzewelle zum Anlass genommen, erneut Kritik an den Planungen für den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zu üben. Nach eigenen Messungen habe eine natürliche Sportwiese auf dem Gelände am vergangenen Wochenende 43 Grad Celsius erreicht, eine benachbarte Kunstrasenfläche dagegen 72 Grad. Die Initiative sieht darin einen deutlichen Hinweis auf die klimatische Bedeutung der Sportwiese.

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Das Bild zeigt zwei Temperaturmessgeräte im Jahnsportpark in Berlin. Links misst das Gerät auf einer Sportwiese eine Oberflächentemperatur von 43 Grad Celsius, rechts auf einem Kunstrasen 72 Grad Celsius. Die Werte stammen nach Angaben der Bürgerinitiative Jahn-Sportpark aus eigenen Messungen im Zusammenhang mit der Kritik an der geplanten Umgestaltung der Sportwiese.

Ein von der Bürgerinitiative Jahn-Sportpark veröffentlichtes Vergleichsbild zeigt nach eigenen Messungen deutlich unterschiedliche Oberflächentemperaturen auf einer Sportwiese und einem Kunstrasen im Jahnsportpark. / © Foto: Bürgerinitiative Jahn-Sportpark

Jahnsportpark: Kritik an Sportwiese, Kunstrasen und Hitze

Nach Darstellung der Initiative soll genau diese Naturwiese im Zuge der weiteren Planung ab 2027 teilweise durch Kunstrasen ersetzt werden. Die Gruppe fordert deshalb einen Stopp der laufenden Ausschreibung, den dauerhaften Erhalt der offenen Sportwiese und den Verzicht auf weitere Versiegelung.

Aleksandra Kwasnik von der Initiative argumentiert, die aktuelle Hitzewelle zeige, was bei der Planung auf dem Spiel stehe. Carla Åhlander verweist darauf, dass Klimaanpassung nicht neue Kunststoffflächen bedeute, sondern auch Rückbau versiegelter Flächen und bessere Regenwasserversickerung.

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Aus Sicht des Landes stehen beim Umbau vor allem die künftige Nutzungsintensität und die ganzjährige Bespielbarkeit der Sportanlagen im Vordergrund. Kunstrasen ermöglicht deutlich mehr Nutzungsstunden als Naturrasen und gilt deshalb bei stark frequentierten Sportanlagen häufig als Standard.

Die Darstellung zeigt das neue Stadion im Jahnsportpark Berlin bei Abendlicht mit beleuchteter Fassade, Vorplatz und Menschen im öffentlichen Raum.

Die Visualisierung zeigt die geplante Außenansicht des Jahnsportpark Neubaus mit umlaufender Fassade, Beleuchtung und öffentlichem Platz vor dem Stadion. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH

Jahnsportpark in Pankow: Bebauungsplan ist rechtskräftig

Der Konflikt trifft auf ein bereits weit fortgeschrittenes Verfahren. Der Bebauungsplan 3-87 für eine Teilfläche des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks wurde am 5. September 2025 im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht und ist seitdem rechtskräftig.

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Das Land Berlin will die Gesamtanlage als zentralen Standort des Berliner Inklusionssports weiterentwickeln. Dazu gehören der Neubau des großen Stadions, zusätzliche Sportanlagen und eine stärkere Ausrichtung auf unterschiedliche Nutzergruppen.

Der Jahnsportpark soll künftig Schulen, Vereinen und Veranstaltungen dienen. Eine feste Liste der späteren Nutzer liegt jedoch noch nicht vor. Die Vergabe soll erst kurz vor der Inbetriebnahme erfolgen. Auch die konkrete Zahl größerer Veranstaltungen steht noch nicht fest.

Eine Luftaufnahme zeigt den fertig sanierten Falkplatz am Mauerpark in Berlin-Pankow mit vielen Bäumen, Wegen und angrenzender Bebauung.

Die Drohnenaufnahme zeigt den Falkplatz als grünen Quartierspark direkt am Mauerpark und an der Max-Schmeling-Halle. / © Foto: manuel frauendorf fotografie

Mauerpark: Großes Grünflächenprojekt direkt nebenan

Bei der aktuellen Kritik der Initiative geht es aber nicht nur um einzelne Baufragen, sondern gegen die stadtklimatische Wirkung der Planung. Die Diskussion über den Jahnsportpark lässt sich jedoch nicht losgelöst vom gesamten Umfeld betrachten. Denn parallel zum Stadionprojekt investiert das Land Berlin in unmittelbarer Nachbarschaft erhebliche Mittel in die Aufwertung des Mauerparks.

Dort entsteht Schritt für Schritt eine der größten zusammenhängenden Grünflächenentwicklungen der vergangenen Jahre, zu großen Teilen ist das Vorhaben mittlerweile abgeschlossen. Beide Projekte verfolgen unterschiedliche Ziele: Während der Jahnsportpark den Sportstandort modernisieren soll, steht im Mauerpark die Verbesserung der Aufenthaltsqualität, der Biodiversität und der Klimaanpassung im Mittelpunkt.

Auf dem fertiggestellten Falkplatz im Mauerpark sind Wiesen, Bäume und eine Totholzhecke als Lebensraum für Tiere und Insekten zu sehen.

Totholzhecken, Wiesen und neue Pflanzbereiche stärken die Stadtnatur am fertigen Falkplatz im Mauerpark. / © Foto: manuel frauendorf fotografie

Neben dem Jahnsportpark: Mauerpark trägt zur Klimaanpassung bei

Westlich des Jahnsportparks wird der Mauerpark seit Dezember 2022 umfassend saniert und weiterentwickelt. Mit der 2020 eröffneten Erweiterungsfläche hat sich der Mauerpark auf rund 15 Hektar vergrößert. Bis 2027 sollen der ursprüngliche Mauerpark und angrenzende Areale wie der Falkplatz ökologisch behutsam erneuert werden.

Die Maßnahmen umfassen neue Rasen- und Wiesenflächen, ein überarbeitetes Wegenetz, zusätzliche Sitzmöglichkeiten, Spielbereiche, klimaresiliente Neupflanzungen und Bewässerung. Am Falkplatz wurden bereits Teilflächen vorzeitig freigegeben. Dort entstanden unter anderem Sportstationen, Tischtennisplatten, Sitzmöbel und wasserdurchlässige Pflasterflächen.

Jahnsportpark und Mauerpark: Zwischen Sportentwicklung und Klimaschutz

Damit wächst im Umfeld des Jahnsportparks ein moderner Grünraum, der Erholung, Bewegung und Klimaanpassung verbinden soll. Die aktuelle Debatte zeigt, wie komplex große Stadtentwicklungsprojekte inzwischen geworden sind.

Neben Fragen des Sports und der Barrierefreiheit spielen Klimaanpassung, Freiraumschutz und Aufenthaltsqualität eine immer größere Rolle. Der Konflikt um die Sportwiese im Jahnsportpark verdeutlicht, dass sich diese Ziele nicht immer widerspruchsfrei miteinander verbinden lassen. Wie die endgültige Ausgestaltung aussehen wird, hängt von den weiteren Planungs- und Bauprozessen ab.

Jahnsportpark
Mauerpark

Quellen: Berlin.de, Bezirksamt Pankow, Grün Berlin, Bürgerinitiative Jahn-Sportpark

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3 Kommentare

  1. Joe 30. Juni 2026 at 10:37 - Reply

    Ich finde es nur schwer nachvollziehbar warum man für annähernd 300 Millionen Euro ein in der Vergangenheit kaum genutztes Stadion abreißt, um es dann durch ein neues Stadion zu ersetzen, für das es ebenfalls kein Nutzungskonzept gibt (warum?), und das ebenfalls nur an wenigen Tagen im Jahr bespielt werden wird.

    Warum wird diese Fläche nicht genutzt, um mehrere zusätzliche Sportplätze und erforderliche Infrastruktur zu schaffen? Das wäre für nur einen Bruchteil der Kosten des Stadionneubaus möglich.

    Stattdessen soll nun die relativ kleine aber intensiv von Freizeitsportlern genutzte Sportwiese versiegelt und durch einen einzigen Kunstrasenplatz ersetzt werden. Das ist im bestehenden „Konzept“ das einzige, was den Vereinen geboten wird.

    • Asha 13. Juli 2026 at 17:16 - Reply

      Tatsächlich besteht in Berlin durchaus Bedarf an „Stadien zweiter Klasse“. Erste Klasse wäre zB das Olympia-Stadion oder die alte Försterei mit zigtausend Plätzen. Dritte Kategorie wären etwas größere Sportplätze bzw. kleine Stadien, wie das Hans-Zoschke Stadion in Lichtenberg. (Vierte Kategorie wären dann noch kleinere Sportplätze)

      In der Kategorie dazwischen, also grob übern Daumen gepeilt größere als 5.000, aber kleiner als 25.000 haben wir in Berlin sonst praktisch nur das marode, auseinanderfallende, ungünstig gelegene Mommsenstadion im Westen und das völlig überlastete Poststadion in Mitte.

      Sprich brauchbare Sportstätten dieser Größenordnung (auch in der Frage einer Drittligatauglichkeit im Fußball) hat Berlin praktisch nicht. Da ist schon auf jeden Fall eine – sogar ziemlich große – Notwendigkeit da.

      Natürlich hätte man auf jeden Fall Sanierung vs. Neubau diskutieren können. Aber das Stadion selbst stand nie zur Debatte.

  2. Philipp 1. Juli 2026 at 17:47 - Reply

    Es ist richtig und sehr erfreulich, dass der Mauerpark aufgewertet wird, auch in Hinsicht auf seine klimatische Wirkung. Es ist jedoch so, dass die kühlende Wirkung von Grünflächen eine geringe Reichweite hat. Das lässt sich auf den entsprechenden Karten des Umweltatlas gut erkennen und gilt selbst für so große Flächen wie den Tiergarten. Beim Mauerpark kommt hinzu, dass er durch die Max-Schmeling-Halle, den Trümmerschuttwall und das geplante Stadion komplett vom Jahnsportpark abgeschirmt ist. Seine kühlende Wirkung wird daher auch weiterhin für die Anwohnenden der Gaudy- und Cantianstraße – extreme Hitzeinseln – bedeutungslos sein. Die Versiegelung der Wiese hingegen wird sich unmittelbar auf die benachbarten Wohngebäude auswirken.

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