Obwohl die sechsspurige Konstanzer Straße in Berlin-Wilmersdorf genügend Platz böte, fehlt ein Radweg völlig, auch eine Busspur gibt es nicht. Während Bezirk und Senat sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben, bleibt die Lage für Radfahrende gefährlich. Dabei gibt es im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bereits Beispiele dafür, wie man es besser machen kann.

Die Konstanzer Straße steht womöglich exemplarisch für Berlins Verkehrsblockaden: Keine Radwege, keine Busspur, kein Umbau – dafür aber politische Zuständigkeitsstreitigkeiten. Währenddessen bleibt der Straßenraum für Radfahrende hochriskant. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Dass sich der Berliner Senat und die jeweiligen Bezirksämter mitunter nicht einig sind über die jeweiligen Zuständigkeiten von Bau- und Verkehrsprojekten, ist in Berlin kein ganz neues Thema. Vor allem beim Thema Radwegprojekte gibt es seit dem Regierungsantritt der Berliner CDU häufige Konflikte mit den Bezirksämtern, wie sich zuletzt beim Fall der Charlottenburger Kantstraße gezeigt hat.
Dort wird derzeit durch den Bezirk ein Abschnitt des bisherigen Pop-Up-Radwegs in eine dauerhafte Radverkehrsanlage umgewandelt, trotz anhaltender Debatte über dessen Rückbau. Während Bezirk und Senat weiterhin uneins bleiben, schafft der Bezirk Fakten – zumindest auf einem Teilstück der Kantstraße. Damit droht an dieser Stelle ein verkehrspolitischer Flickenteppich mitten in der City West.
Charlottenburg-Wilmersdorf: Rund um den Kurfürstendamm ist es für Radfahrer nicht immer leicht
Das Thema Radweg auf der Kantstraße wird vor allem deshalb so kontrovers diskutiert, weil die wichtige Verkehrsachse an vielen Stellen sehr eng ist und den Verkehrsteilnehmern – Autofahrern, Busfahrern, Radfahrern und Fußgängern – nur wenig Platz bleibt, um die Straße sicher nutzen zu können, ohne anhaltenden Verkehrskonflikte.
Wer sich als Radfahrer über die Straßen rund um den Kurfürstendamm bewegt (der ja ebenfalls, trotz üppigem Platzangebot, auf voller Länge ohne Radweg auskommen muss), der staunt immer wieder, wie mangelhaft in einigen Straßenabschnitten die Radinfrastruktur ist – wenn es sie überhaupt gibt.
Tempo 50: Auf der sechsspurigen Konstanzer Straße gibt es weder Busspur noch Fahrradweg
Auf einer der breitesten Straßen im Bezirk, der Konstanzer Straße, fehlt ein Radweg völlig. Und das, obwohl die Straße zwischen Westfälischer Straße und Olivaer Platz, fast durchgehend über sechs Fahrspuren verfügt. Eine Fahrspur ist pro Richtung für Parkplätze reserviert, zwei Fahrspuren für den Autoverkehr. Eine Busspur fehlt auf dieser vielbefahrenen Straße genauso wie ein Radweg, der weder auf der Straße noch auf dem Gehweg zu finden ist.
Als Radfahrer ist man verpflichtet, die Straße zu befahren, da der Gehweg den Fußgängern vorbehalten sein muss. Auf der Konstanzer Straße jedoch kommt es, auch durch viele in der zweiten Reihe parkenden LKWs, Transporter und Lieferdienste zu gefährlichen Situationen zwischen Autofahrern und Radfahrern. Erlaub ist auf der Straße Tempo 50, gefahren wird – natürlich – deutlich schneller.
Bezirk und Senat schieben sich die Verantwortung für die Konstanzer Straße gegenseitig zu
Auf Nachfrage von ENTWICKLUNGSSTADT verweist der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf auf die Zuständigkeit des Senats: „Die Konstanzer Straße befindet sich in der Zuständigkeit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.“
Dort allerdings sieht man die Sache ganz anders, denn die Antwort eines Sprechers der Senatsverwaltung klingt wie folgt: „Nach unserem Kenntnisstand gibt es seitens des Bezirks keine Radverkehrsplanungen in der Konstanzer Straße, wofür der Bezirk im Übrigen zuständig ist. Nach Einschätzungen unseres Fachbereiches wären Radverkehrsanlagen ohne grundhaften Umbau der Straße kurzfristig auch nicht realisierbar.“
Positives Beispiel im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf: Die „Opernroute Nord“
Bezirk und Senat sind sich ganz offensichtlich also nicht einig darüber, wer für das Thema Radwegbau auf der Konstanzer Straße überhaupt verantwortlich ist. Ein Umstand, der kein gutes Licht auf die Kommunikation zwischen beiden Institutionen wirft. Die Folge dessen ist, dass auf der Konstanzer Straße auch weiterhin kein Raum für eine sichere Radverkehrsinfrastruktur geschaffen wird – es gibt bislang nicht einmal Überlegungen dazu.
Dass es auch im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ganz anders gehen kann, zeigt das Beispiel „Opernroute Nord„: Die innerhalb der vergangenen Jahren fertiggestellte Radwegstrecke verbindet nun zwischen Bismarckstraße und Olbersstraße auf rund 2,2 Kilometern zwei wichtige Knotenpunkte und soll Radfahrenden künftig eine sichere und komfortable Verbindung bieten. Dass dies auf der Konstanzer Straße nicht möglich sein soll, ist schwer zu glauben.

Platz ist genug vorhanden, doch ein Radweg auf der Konstanzer Straße in Wilmersdorf fehlt bislang, genauso wie das Wissen darüber, wer dafür eigentlich zuständig ist. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
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