Das lange verhandelte Projekt „WIEWEIL“ am Holzmarkt in Friedrichshain hat die Baugenehmigung erhalten. Geplant sind Wohnungen, Büros, Konferenzflächen, Sport, Gastronomie und öffentlich zugängliche Freiräume an der Spree.

Drei Hochhäuser und ein robuster Sockel prägen die geplante Silhouette des „WIEWEIL“ am Holzmarkt. / © Visualisierung: KIM / WBM
© Titelbild: KIM / WBM
Nach Jahren der Planung kommt Bewegung in das Projekt „WIEWEIL“ am Holzmarkt in Friedrichshain. Die KIM Kilian Immobiliengruppe hat gemeinsam mit Kleihues + Kleihues und GRAFT die Baugenehmigung für das ambitionierte Bauvorhaben erhalten.
Damit rückt die Umsetzung eines gemischt genutzten Ensembles an der Spree näher, und eines der letzten Baufelder an der Holzmarktstraße soll mit einer neuen Nutzung revitalisiert werden.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Lage: Holzmarktstraße 19–24, 10243 Berlin
- Auftraggeber: KIM Kilian Immobiliengruppe
- Architektur: Kleihues + Kleihues in ARGE mit GRAFT
- Projektstatus: Baugenehmigung erteilt
- Nutzungen: Wohnen, Büros, Konferenzflächen, Sport, Gastronomie, Ausstellungen, Showrooms, Workshops
- Wohnen: Platz für rund 250 Menschen in Apartments, Wohngemeinschaften und Clusterwohnungen
Das Grundstück liegt an einer der auffälligsten Schnittstellen Berlins: zwischen Spree, Stadtbahnviadukt und der Holzmarktstraße. Genau dort soll „WIEWEIL“ eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichem Austausch aufnehmen. Die Baugenehmigung markiert einen wichtigen Schritt für ein Projekt, das seit Jahren geplant wird und lange von Abstimmungen zwischen mehreren Akteuren geprägt war.

Zwischen „WIEWEIL“ und Stadtbahnviadukt soll eine geschützte Gasse mit Aufenthaltsqualität entstehen. / © Visualisierung: KIM / WBM
„WIEWEIL“ verbindet Wohnen, Arbeiten und öffentliche Angebote
An dem Verfahren waren neben KIM auch Nachbarn, der Holzmarkt, die Deutsche Bahn und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beteiligt. Jetzt beginnt die Ausarbeitung der Pläne für die Umsetzung. Einen offiziellen Baubeginn oder eine bestätigte Fertigstellung nennen die aktuellen Angaben aber noch nicht.
Der Entwurf sieht ein Ensemble mit rund 37.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche vor. Im „WIEWEIL“ sollen etwa 250 Menschen wohnen können. Vorgesehen sind Apartments, Wohngemeinschaften und Clusterwohnungen. Daneben entstehen Büroflächen sowie Räume für Konferenzen, Gastronomie, Sport, Ausstellungen, Showrooms, Workshops und informelle Formate.

Am Holzmarkt soll das „WIEWEIL“ öffentlich zugängliche Räume für Veranstaltungen, Gastronomie und Austausch schaffen. / © Visualisierung: KIM / WBM
Drei Hochhäuser prägen das „WIEWEIL“ am Holzmarkt
Architektonisch basiert das Projekt auf einem zweigeschossigen Sockel. Er erschließt das Gebäude und nimmt große, flexibel nutzbare Flächen auf. Darüber liegen der „Stadtbalkon“ und der „Stadtgarten“. Beide Freiräume sollen teilweise öffentlich zugänglich sein und Ausblicke über das Stadtbahnviadukt zur Spree und nach Kreuzberg ermöglichen.
Drei Hochhäuser fassen die oberen Ebenen und geben dem „WIEWEIL“ seine sichtbare Silhouette. Zur Holzmarktstraße entwickelt sich aus dem Sockel ein straßenbegleitender Riegel. Er schirmt das Ensemble zur Straße hin ab und orientiert sich mit versetzt angeordneten Balkonen zur Spree, die stufenförmig übereinander liegen.

Das „WIEWEIL“ setzt auf begrünte Freiräume, Terrassen und Wege zwischen Holzmarktstraße und Spree. / © Visualisierung: KIM / WBM
Friedrichshain: Das Projekt „WIEWEIL“ bekommt öffentliche Freiräume
Zwischen dem Neubau und dem Stadtbahnviadukt entsteht eine Gasse. Sie soll als geschützter Außenraum funktionieren und den heute stark von Verkehr geprägten Ort neu erschließen. Die öffentliche Durchwegung des Sockels sowie die dauerhafte Zugänglichkeit von Stadtbalkon und Freiräumen sind laut Projektangaben öffentlich-rechtlich gesichert.
Mit der Baugenehmigung beginnt nun die nächste Phase. Entscheidend bleibt, wann die Umsetzung konkret startet. Dazu liegen aktuell keine offiziellen Angaben vor.
Gelingt die Umsetzung wie geplant, könnte das „WIEWEIL“ zeigen, wie sich Wohnen, Arbeiten und öffentliche Nutzungen auch an komplexen innerstädtischen Standorten neu zusammendenken lassen. Am Holzmarkt würde damit ein weiterer Baustein einer vielfältigen und durchmischten Stadt entstehen.

Im „WIEWEIL“ am Holzmarkt sollen Arbeitsflächen, Austauschbereiche und öffentliche Nutzungen unter einem großen Glasdach entstehen. / © Visualisierung: KIM / WBM

Das Forum im „WIEWEIL“ verbindet flexible Veranstaltungsflächen mit Aufenthaltsbereichen und Büros. / © Visualisierung: KIM / WBM
„WIEWEIL“ am Holzmarkt
Quellen: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, WIEWEIL
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14 Kommentare
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In der „geschützten Gasse mit Aufenthaltsqualität“ sind entgegen des Bildes hoffentlich Bäume vorgesehen. Sonst wird das zu stein- und betonlastig, sonst wird das nichts mit der Aufenthaltsqualität.
Die Architektur ist für diese Gegend im annehmbaren Bereich.
Wenn man sich anschaut, wie Berlins öffentlicher Raum immer mehr von Dschungeln aus „Spontanvegetation“ geprägt wird, die sich höchstens für Rattennester oder Hundeklos eignen, kann sich nur wünschen, dass das bitte nicht gemacht wird. Diese Stadt ist ja gar nicht mehr in der Lage, ihr ganzes Grün zu beherrschen, geschweige denn, zu pflegen. Fällt das eigentlich niemandem auf?¿ Der ständige reflexhafte Ruf nach noch mehr Bäumen usw. ist mittlerweile wirklich nervig. Wie man mit Platz- und Straßengestaltung und Grünpflege umgeht, kann man sich doch zur Abwechslung mal in Südeuropa anschauen, wo es ja bekanntlich noch wärmer ist, als hier. Dahin fahren doch immer alle so gern in Urlaub. Wieso bleibt davon nach dem Urlaub eigentlich nichts im Gedächtnis?
Ihre Abneigung gegen Bäume finde ich etwas unverständlich.
Es ist bekannt, dass Bäume die Temperaturen senken und den CO2-Ausstoß verringern.
Dass die Berliner Grünanlagen überall ungepflegt seien, ist trotz ewiger Wiederholung ein übles und unrichtiges Klischee. In dieser Stadt gibt es inzwischen jede Menge gut gepflegte und schön designte Grünanlagen.
Diese ewigen Untergangsszenarien und Schmähungen der Stadt, oft reflexartig von alternden Boomern ausgestoßen, sind unkonstruktiv.
Es müsste wohl heißen, dass es „noch“ ein paar hübsche Grünanlagen gibt, nicht „inzwischen“. Das stimmt sicher, der Tiergarten ist großartig usw. Es geht auch nicht um die Parks o.ä. sondern mir geht es um das Straßenland und die Plätze, die überwucherten Baumscheiben überall, krautigen Mittelpromenaden, und verwahrlosten Plätze wie Strausberger oder Ernst-Reuter-Platz, die Karl-Marx-Allee, eine ungeschnittene Trockengraswüste usw. usf. Oder sehen Sie sich mal unseren „Prachtboulevard“ Unter den Linden an und die „Grünanlagen“ an der Schönhauser Allee, das ist doch peinlich! Ich weiß jetzt nicht, was das mit Boomern zu tun hat, da haben Sie wohl ein Problem damit, Ihre sozialen Ressentiments zu kontrollieren. Ich finde jedenfalls, das sollte allen auffallen, nicht nur Boomern, die sich wenigstens im Gegensatz zu Ihnen und mir wahrscheinlich noch an gepflegte öffentlichen Räume erinnern können.
Ich gebe Tobias Recht und der Hinweis auf süd-europäische Städte, die uns doch sonst immer als so vorbildlich erscheinen, trifft es. Hat man in Berlin nicht auf den nächsten 10 Metern einen Baum spricht man schon von einer Steinwüste. In Venedig (und da soll es ab und zu ganz schön warm sein) sieht man auf dem Markusplatz weit und breit keinen Baum. Auch das Argument trifft zu, daß Berlin gar nicht die bestehende Grünanlagen pflegen kann. O-Ton Senatsbaudirektorin Kahlfeld: „Wir haben pro Jahr und Quadratmeter 30 Cent.“ Das CO2 Argument ist vollkommen absurd. Glaubt jemand, ein paar Berliner Bäume würden die Atmosphäre beeinflussen? Mental sind die Deutschen, jedenfalls die Berliner, aus dem urwald nie herausgekommen, hat man den Eindruck.
Keine Angst, die Verkrautung von Fassaden und Landschaft findet meistens nur im Kopf des Architekten und seinem Rendering statt.
Der Sockel mit 7 Stockwerken und die „Hochhäuser “ mit 2-3 mehr und schon hätte man einige qm gewonnen!
Wieder einmal typisch Berlin. An so einer einmaligen Lage mit diesem beeindruckenden Backsteinbahnviadukt entsteht am Ende ein Gebäude, das man genauso gut in irgendeiner Vorstadt hinstellen könnte. Gerade an einem so besonderen Ort hätte ich mir einen Entwurf mit mehr Mut, mehr Charakter und einem echten architektonischen Anspruch gewünscht. Ein Gebäude, das die Geschichte des Ortes aufgreift und wie ein Wahrzeichen auf dem Viadukt wirkt. Stattdessen bekommt Berlin wieder Mittelmaß. Es ist wirklich schade, wie oft bei der Architektur an den spannendsten Standorten Chancen verschenkt werden.
Annehmbar heißt nicht begeisternd: der Sockel würde mit 7 Stockwerken (und zusätzlicher vertikaler Gliederung in Höhe der Eingangsbereiche) urbaner wirken (und weniger monoton), die Hochhäuser könnten auch 3 mal so hoch wie der Sockel sein, also insg. 21 stöckig. Dann hätte das Gebäude insg. mehr metropolitanen Charakter.
So lange man in Berlin in bester Lage noch so niedrig baut, hat man offensichtlich nichts verstanden und ist an einer Problemlösung schlicht nicht interessiert. Ansonsten gefällt mir der Entwurf aber sehr gut.
Ich finde die Klinkerfassaden ganz ansprechend, es passt auch gut zum Viadukt. Auch die abgeschrägten Seiten in der Kubatur mit den langen Balkonen gefallen mir ganz gut. Etwas mehr Abwechslung in der Höhe und generell mehr Höhe wäre wünschenswert gewesen. Der Sockelbereich auf der straßenseite sieht auf den Renderings schon recht leblos aus und wirkt nicht sehr einladend, man kann erahnen dass in dieser EG Zone in der Umsetzung dann wahrscheinlich nicht viel los sein wird. Das liegt aber wahrscheinlich auch an der Umgebung mit der Hauptstraße, viel Aufenthaltsqualität wird auf der straßenseite nicht entstehen. Ein bisschen mehr grün drumherum wäre auch nicht schlecht. Aber insgesamt ein annehmbar Entwurf. Es hätte schlimmer kommen können.
Zu wenig Grün. Und warum hat das so lange gedauert und dauert noch so lange an? Hatte nicht vormals Florian Schmidt die ursprünglichen Pläne, die mit dem Bezirk schon abgestimmt waren, gekippt? Erinnert noch jemand, wie dringend seinerzeit das ehemalige BSR-Grundstück ganz dringend als Signal für eine andere Stadtentwicklungspolitik verkauft werden sollte? Und dann so viel Zeit? Oder erinnere ich mich unrichtig?
… mann könnte auch 3 bis 4 S- Bahnbögen öffnen, zum Wasser hin. Dann wäre zumindest ein Luftzug möglich. Apropos S-Bahnbögen, die Kosten für den Brandschutz den die Bahn für zum Beispiel Gastronomienutzung verlangt dürfte für viele Interessenten absolut unerschwinglich sein. Da musss sich was ändern oder es bleibt halt öde.
„Drei Hochhäuser“ prägen das WIEWEIL….Soso, drei Hochhäuser sind das also für Berliner Verhältnisse. Der Begriff „Hochhaus“ sollte in Berlin mal dringend überdacht werden. Die Plattenbauten auf der anderen Straßenseite haben 10-20 Etagen!
Eigentlich ein schöner Entwurf, aber ein bischen mehr Mut zur Höhe bei der Knappheit der Innenstadtflächen wären wünschenswert, aber das verhindern immer diese links grünen Bedenkenträger! Investoren, noch dazu im Immobiliensektor gilt es ja zu bekämpfen.
Die „Türmchen“ auf dem Sockel hätten mindestens 3 mal so hoch werden müssen!