Während an der Märkischen Allee ein leerstehendes Gewerbeareal seit Jahren auf Abriss und Neubau wartet, bleiben auch andere Projekte der Belle Époque ohne sichtbaren Fortschritt. Gleichzeitig nimmt an der Gehrenseestraße ein Großvorhaben mit über 1.000 Wohnungen planungsrechtlich Form an, getragen von HOWOGE und Belle Époque, flankiert von Infrastrukturmaßnahmen.

Derzeit läuft das Bebauungsplanverfahren für ein Wohnquartier an der Gehrenseestraße in Lichtenberg. Im Unterschied zu den beiden anderen geplanten Vorhaben in Marzahn-Hellersdorf ist es aktuell das einzige Projekt der Belle Époque im Berliner Osten, das vorankommt und für das ein konkreter Zeitplan vorliegt. / © Visualisierung: HOWOGE
© Visualisierung Titelbild: HOWOGE
An der Märkischen Allee 171 in Marzahn-Hellersdorf tut sich weiterhin wenig. Das Gelände des ehemaligen Elektronikmarkts ist seit Jahren eingezäunt, sichtbare Bauaktivitäten fehlen. Nach Angaben des Bezirks liegt zwar ein Bauantrag vor, dieser bezieht sich jedoch ausschließlich auf einen mehrgeschossigen Büro- und Geschäftsneubau mit Tiefgarage. Wohnungsbau ist nicht Bestandteil des Antrags.
Damit bleibt es bei einem Projekt, das formell existiert, praktisch aber stagniert. Auch ein früher diskutierter Einzug des Jobcenters ist inzwischen vom Tisch. Die ausbleibende Baugenehmigung führte dazu, dass sich der potenzielle Nutzer neu orientierte und andere Flächen bezog.
Bärensteinstraße in Marzahn-Hellersdorf: Geplantes Wohnprojekt liegt weiter auf Eis
Ähnlich ernüchternd ist die Lage in der Bärensteinstraße. Das dort angedachte Wohnprojekt, zeitweise als Seniorenwohnen im Gespräch, wird derzeit nicht weiterverfolgt. Nach Auskunft des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf finden aktuell keine neuen Gespräche mit der Eigentümerin statt.
Damit bleibt auch dieses Vorhaben auf unbestimmte Zeit in der Warteschleife. Konkrete Zeitpläne, Anpassungen oder alternative Nutzungen sind nicht bekannt. Der Standort steht exemplarisch für Projekte, bei denen Planungen zwar öffentlich diskutiert wurden, nun aber ohne sichtbare Dynamik bleiben.
Gehrenseestraße/Wollenberger Straße: Bebauungsplan für rund 1.050 Wohnungen nimmt Form an
Anders stellt sich die Situation an der Gehrenseestraße in Lichtenberg dar. Für das „Quartier Gehrenseestraße/Wollenberger Straße“ läuft derzeit das Bebauungsplanverfahren 11-165. Ziel ist die Schaffung von Planungsrecht für rund 1.050 Wohneinheiten. Die Behördenbeteiligung wurde ausgewertet, Gutachten und Unterlagen überarbeitet. Eine erneute Beteiligung ist für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen.
Parallel dazu wird die soziale Infrastruktur mitgedacht, wie aus der schriftlichen Anfrage von Kristian Ronneburg (Die Linke) an die Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hervorgeht. Schulnutzungen sind planungsrechtlich gesichert, die Errichtung einer sogenannten 2in1-Schule erfolgt unabhängig vom Bebauungsplan im Vorgriff auf die Wohnentwicklung. Kitaplätze sollen bedarfsgerecht mit dem Wohnungsbau entstehen.
HOWOGE und Belle Époque: Großquartier mit über 1.000 Wohnungen in Alt-Hohenschönhausen geplant
Das Quartier wird von der landeseigenen HOWOGE gemeinsam mit der Belle Époque entwickelt. Geplant ist ein Hof- und Hochhausquartier auf rund 6,3 Hektar mit mehr als 1.000 Wohnungen, etwa zur Hälfte öffentlich gefördert. Ergänzt werden sollen Gewerbeflächen, soziale Nutzungen sowie Bildungs- und Freizeitangebote.
Trotz früherer Unsicherheiten — unter anderem durch ein zwischenzeitlich eingeleitetes, später aufgehobenes Insolvenzverfahren einer Projektgesellschaft — gilt das Vorhaben weiterhin als aktiv. Der Baubeginn ist derzeit für 2028 vorgesehen, die Fertigstellung Anfang der 2030er-Jahre.
Stadtentwicklung in Marzahn-Hellersdorf: Zwischen Planungsfortschritt und anhaltendem Stillstand
Die drei Standorte zeigen, wie unterschiedlich Stadtentwicklung verlaufen kann. Während an der Märkischen Allee und in der Bärensteinstraße Stillstand dominiert, schreitet an der Gehrenseestraße zumindest das Planrecht voran. Für den Bezirk bedeutet das eine gemischte Bilanz: kurzfristig keine Entlastung an stagnierenden Standorten, langfristig jedoch ein erhebliches Wohnungsbaupotenzial an anderer Stelle.
Die Antworten auf die parlamentarische Anfrage von Kristian Ronneburg machen deutlich, dass Fortschritt derzeit weniger von Ankündigungen als von belastbaren Verfahren abhängt. Wo Bebauungspläne vorankommen, entstehen Perspektiven. Wo Genehmigungen fehlen, bleibt die Entwicklung auf der Stelle stehen.
Märkische Allee
Bärensteinstraße
Gehrenseestraße
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Bezirksamt Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf Live
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.



