Am Ostkreuz ist ein Bürohaus entstanden, das kaum zu übersehen ist. PANDION Pollux bringt Tausende Quadratmeter Arbeitsfläche und neue Freiräume in den Rudolfkiez. Doch gerade seine Architektur wirft die Frage auf, wie gut der Neubau tatsächlich an diesen Ort passt.

Die Luftaufnahme zeigt das PANDION OFFICEHOME Pollux in Berlin-Friedrichshain in direkter Nähe zum Ostkreuz und zur Mediaspree. / © Foto: PANDION AG
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Große Glasflächen, Metall, tiefe Einschnitte und ein überraschend grüner Innenhof: Das OFFICEHOME Pollux verändert die Ecke Persiusstraße/Bödikerstraße deutlich. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf seine Wirkung im Quartier. Denn zwischen Gründerzeithäusern, Gewerbebauten und dem nahen Ostkreuz zeigt das Projekt zwei sehr unterschiedliche Gesichter.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Persiusstraße 6 / Bödikerstraße 26, 10245 Berlin
- Projektstatus: fertiggestellt und in Nutzung
- Geschosse: sechs
- Besonderheiten: begrünter Innenhof, Loggien, Dachterrassen, Gastronomieflächen, Konferenzbereich und Fahrradstation
Mit dem OFFICEHOME Pollux hat der Ostkreuz Campus in Friedrichshain seinen bislang größten Baustein erhalten. Das sechsgeschossige Gebäude umfasst rund 28.700 Quadratmeter Mietfläche. Diese lassen sich flexibel aufteilen; zusammenhängende Flächen von bis zu 5.000 Quadratmetern sind möglich. Enpal nutzt seit Herbst 2025 nach Angaben von PANDION rund 7.650 Quadratmeter im Pollux. Porsche Consulting hat zudem rund 835 Quadratmeter im fünften Obergeschoss angemietet.
Das Grundstück hat sich damit grundlegend verändert. Vor dem Neubau prägten ein Autohaus und Werkstätten das Areal. Zeitweise stellte PANDION Teile der alten Gewerbeflächen für Kunst und Kultur zur Verfügung. Nun ist hier schrittweise ein Bürostandort entstanden, der den Rudolfkiez mit dem Gewerbe- und Medienstandort an der Spree sowie dem Bahnhof Ostkreuz verbinden soll.

Zwischen den Neubauten des PANDION Ostkreuz Campus entstand ein begrünter, öffentlich zugänglicher Freiraum mit Wegen, Sitzmöglichkeiten und zahlreichen neuen Pflanzen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
PANDION Pollux: Ein Gebäude, das sich bewusst nicht unterordnet
Architektonisch sucht Pollux nicht die unauffällige Anpassung an seine Nachbarschaft. Die Umgebung ist ohnehin heterogen: Gründerzeitbauten treffen hier auf Wohnhäuser späterer Jahrzehnte, Gewerbe, Sportflächen und großmaßstäbliche Infrastruktur.
Der Neubau setzt dem eine stark gegliederte Fassade aus eloxiertem Aluminium und großen Glasflächen entgegen. Bronze- und Silbertöne wechseln je nach Blickwinkel und Licht. Loggien und Rücksprünge zerlegen den großen Baukörper optisch.
Rudolfkiez: Das Gebäude von kadawittfeldarchitektur setzt einen bewussten Kontrapunkt
Trotzdem bleibt der Maßstab ein Bruch. Vor allem von der Persiusstraße und Bödikerstraße wirkt Pollux deutlich größer und technischer als viele Gebäude im Rudolfkiez. Einen direkten gestalterischen Bezug zur älteren Bebauung sucht der Entwurf kaum.
Das ist durchaus beabsichtigt: kadawittfeldarchitektur formuliert selbst den Anspruch, dass sich das Gebäude nicht zwingend einfügen, sondern eigene Impulse setzen solle. Genau darin liegt die Stärke und zugleich der kritische Punkt des Projekts. Je nach Perspektive erscheint Pollux als selbstbewusster neuer Stadtbaustein – oder beinahe wie ein Ufo, das in der bestehenden Nachbarschaft gelandet ist.

Große Durchgänge öffnen das PANDION OFFICEHOME Pollux zum Innenbereich des neuen Arbeitsquartiers. Die zweigeschossige Passage verbindet die Straßenräume mit den Freiflächen des Campus. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Hinter der Glasfassade zeigt sich die eigentliche Stärke des Bürokomplexes
Wer nur die Außenfassade betrachtet, übersieht allerdings einen wesentlichen Teil des Konzepts. Vier zweigeschossige Durchgänge öffnen den ringförmigen Baukörper zum Innenhof. Dieser ist nicht als klassischer abgeschotteter Bürohof gedacht, sondern als verbindender Freiraum. TOPOTEK 1 plante dort eine intensive Begrünung mit unterschiedlichen Aufenthaltszonen. Sitzbereiche, Holzterrassen und ruhigere Rückzugsorte ergänzen die Bepflanzung.
Auch technisch geht das Freiraumkonzept über dekoratives Grün hinaus. Regenwasser soll auf dem Grundstück zurückgehalten und für die Bewässerung genutzt werden. Hinzu kommen begrünte Dachbereiche, Loggien und Terrassen. Durch die Entsiegelung des früher stark gewerblich geprägten Grundstücks soll sich das Mikroklima verbessern.

Die stark gegliederte Fassade bestimmt das Erscheinungsbild des PANDION OFFICEHOME Pollux. Breite Öffnungen im Baukörper sollen den Bürokomplex zugleich mit seinem Umfeld verbinden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
PANDION am Ostkreuz bietet Gastronomie und öffentlicher Raum
Für den Rudolfkiez dürfte langfristig vor allem entscheidend sein, was auf Straßenniveau passiert. Im Erdgeschoss sind neben Büros und Foyers auch Gastronomieflächen vorgesehen. Zum Konzept gehören zudem ein Foodcourt und ein Konferenzbereich. Damit unterscheidet sich Pollux von einem reinen Bürokomplex, der nach Feierabend weitgehend leer bleibt.
Ob daraus tatsächlich ein lebendiger Teil des Quartiers entsteht, lässt sich erst im laufenden Betrieb beurteilen. Die baulichen Voraussetzungen sind vorhanden: Durchgänge öffnen den Block, der begrünte Hof schafft Aufenthaltsqualität und zusätzliche Nutzungen können Menschen anziehen, die nicht im Gebäude arbeiten.
Gleichzeitig bleibt Pollux ein großer Unternehmensstandort. Seine Qualität für Friedrichshain entscheidet sich daher weniger an der spektakulären Fassade als an einer einfacheren Frage: Wird aus dem Campus ein Stück Stadt – oder bleibt er vor allem eine hochwertige Arbeitswelt hinter Glas?
PANDION OFFICEHOME Pollux
Quellen: PANDION AG, kadawittfeldarchitektur, AWD Ingenieure
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3 Kommentare
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Ich finde solche Neubauten sind eine Bereicherung für den Rudolf Kiez. Jetzt müssten nur die Wohnungsgesellschaften auch mal über ihren Schatten springen und wenigstens ein Minimum in die Sanierung der angrenzenden Wohnhäuser stecken.
Eine Diskrepanz zwischen glänzenden Neubauten und schäbigen, heruntergekommenen Fassaden der DDR Zeit, erzeugen niemals Harmonie und ein Gefühl von Gleichbehandlung.
Zitat:“Je nach Perspektive erscheint Pollux als selbstbewusster neuer Stadtbaustein – oder beinahe wie ein Ufo, das in der bestehenden Nachbarschaft gelandet ist.“
Ich war länger nicht am Ostkreuz, aber die Umgebung scheint mir von der Architektur stark durchwachsen, daher sehe ich keine Probleme wenn neue Akzente und Maßstäbe geschaffen werden.
Zitat:“Regenwasser soll auf dem Grundstück zurückgehalten und für die Bewässerung genutzt werden. Hinzu kommen begrünte Dachbereiche, Loggien und Terrassen. Durch die Entsiegelung des früher stark gewerblich geprägten Grundstücks soll sich das Mikroklima verbessern.“
Das klingt sehr gut, einzige was ich hier noch vermisse, die autarke regenerative Energielösung, damit auch beim nächsten Stromausfall die Lichter an bleiben.
Ich frage mich, warum der links grüne Bezirk dort 5 geschossige Bürogebäude genehemigt, statt Wohungen zu bauen, die wir dringender brauchen. Wenn wir schon soviel Grundfläche für Bürobauten versiegeln, sollten wir diese wenigstens übereinander stapeln um mehr Platz für Wohn(hoch)häuser zu haben.