Die Wärmewende in Berlin stößt besonders in dicht bebauten Altbauquartieren auf strukturelle Hürden. Im Schöneberger Norden soll nun ein Forschungsprojekt zeigen, wie klimafreundliche und bezahlbare Wärmeversorgung im Bestand gelingen kann.

Der Schöneberger Norden dient in dem Projekt als exemplarisches Untersuchungsgebiet für die Entwicklung übertragbarer Lösungen zur klimaneutralen und sozialverträglichen Wärmeversorgung in dicht bebauten Berliner Bestandsquartieren. / © Bild: Projekt WärmSchöN 2026
© Titelbild: Wikimedia Commons, Thomaswiki, CC BY-SA 3.0
Klimaneutral bis 2045? Die Umsetzung der Wärmewende in Berlin bleibt insbesondere in gründerzeitlich geprägten Quartieren eine komplexe Aufgabe. Hohe Bebauungsdichten, heterogene Eigentümerstrukturen und ein weiterhin dominierender Gasverbrauch prägen vielerorts den Status quo. Im Schöneberger Norden soll nun ein Forschungsprojekt untersuchen, wie sich diese Rahmenbedingungen auf Quartiersebene verändern lassen.
Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie klimafreundliche und zugleich sozial verträgliche Wärmeversorgung im Bestand organisiert werden kann. Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt „WärmSchöN“ versteht das Gebiet als Reallabor für innerstädtische Transformationsprozesse.
Wärmewende in Berlin: Schöneberger Norden als Reallabor
Der Schöneberger Norden ist geprägt von dichter Blockrandbebauung aus der Gründerzeit sowie ergänzenden Nachkriegs- und Wohnungsbauensembles der 1970er-Jahre. Diese Mischung steht beispielhaft für viele Berliner Bestandsquartiere, die bislang nur teilweise an das Fernwärmenetz angeschlossen sind.
Das Forschungsprojekt untersucht, wie in solchen Strukturen alternative Versorgungsmodelle entwickelt werden können. Dabei geht es auch darum, ob lokale Wärmenetze auf Basis erneuerbarer Energien oder Abwärme wirtschaftlich und technisch tragfähig sind.
Kooperation zwischen Verwaltung und Forschung
Beteiligt sind neben dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg unter anderem das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, die Technische Universität Berlin sowie landeseigene und zivilgesellschaftliche Akteure. Ziel ist es, praktische Handlungsspielräume für Bezirke und Land zu identifizieren und auszubauen.
Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann betont dabei die Bedeutung abgestimmter Prozesse zwischen Verwaltung, Unternehmen und Bevölkerung. Auch frühe Beteiligung der Anwohnenden soll künftig stärker in Planungsprozesse einfließen.
Berliner Forschungsprojekt: Technische und soziale Lösungen im Fokus
Inhaltlich konzentriert sich das Projekt auf vier Schwerpunkte: Kooperations- und Finanzierungsmodelle, Beteiligungsformate, planerische Steuerungsinstrumente sowie technische Varianten der Wärmeversorgung. Ergänzend werden lokale Energiequellen wie Geothermie oder Abwärme aus Abwasser systematisch geprüft.
Die Ergebnisse sollen nicht nur für den Schöneberger Norden relevant sein, sondern auch als übertragbare Ansätze für andere dicht bebaute Quartiere in Berlin dienen. Ziel ist es, Grundlagen für eine klimaneutrale und langfristig tragfähige Wärmeversorgung im Bestand zu schaffen.
Nollendorfplatz
Bülowstraße
Quellen: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


