In Berlin-Lichtenberg entsteht mit dem Straßenkinderhaus „Butze“ ein bundesweit beachtetes Projekt für obdachlose Jugendliche. Das siebenstöckige Gebäude soll Beratung, Unterkunft und Perspektiven unter einem Dach bündeln. Die Eröffnung verzögert sich jedoch, zudem sind die Baukosten gestiegen.

In Berlin-Lichtenberg entsteht ein siebenstöckiges Haus für obdachlose Kinder und Jugendliche, in dem sie Unterkunft, Beratung und Betreuung erhalten sollen. Die ursprünglich für Frühjahr 2026 geplante Fertigstellung verzögert sich jedoch witterungsbedingt, zudem steigen die Kosten bei dem vollständig spendenfinanzierten Projekt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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© Visualisierung Titelbild: Straßenkinder e. V
Unweit des Bahnhofs Lichtenberg entsteht derzeit das Straßenkinderhaus „Butze“. Der Verein Straßenkinder e. V. bündelt hier seine bisherigen Angebote der Straßensozialarbeit. Ziel ist es, obdachlosen Kindern und Jugendlichen einen festen Anlaufpunkt zu bieten und Hilfeprozesse zu beschleunigen.
Schätzungen zufolge leben in Berlin mehrere Hundert Minderjährige auf der Straße, bundesweit sind es rund 6.500. Der Vereinsvorsitzende Eckhard Baumann erklärt, das Projekt solle diesen Jugendlichen eine Perspektive eröffnen und sie auf dem Weg in ein selbstständiges Leben begleiten.
40 Wohnplätze, Wärmestube und Beratungsangebote auf sieben Etagen im Straßenkinderhaus „Butze“
Auf rund 3.400 Quadratmetern entstehen auf sieben Etagen etwa 40 Wohn- und Schlafplätze. Vorgesehen sind Notschlafstellen, Verselbständigungswohnungen und Mikroapartments. Ergänzend sind eine Wärmestube, eine Großküche, Beratungsräume sowie Werkstätten und Schulungsräume geplant.
Das Haus soll darüber hinaus Duschmöglichkeiten, Waschräume, eine Kleiderkammer und eine Basisstation für Streetwork bieten. Mit dieser Struktur will der Verein kurzfristige Nothilfe und langfristige Unterstützung verbinden. Bundesweit gebe es nach Angaben des Trägers kein vergleichbares Projekt.
Eröffnung auf Sommer 2026 verschoben und Baukosten steigen auf 22,5 Millionen Euro in Lichtenberg
Ursprünglich war die Inbetriebnahme für das Frühjahr 2026 vorgesehen. Inzwischen verschiebt sich der Zeitplan. Witterungsbedingt habe sich der Bau verzögert, da die Fassade vor dem Winter nicht vollständig fertiggestellt werden konnte, teilt der Verein mit. Dadurch liege auch der Innenausbau in den oberen Geschossen hinter dem Plan.
Die Eröffnung ist nun nach den Sommerferien 2026 geplant. Zudem steigen die Baukosten. Statt der ursprünglich kalkulierten 21 Millionen Euro werden nun rund 22,5 Millionen Euro veranschlagt. Als Gründe nennt der Verein gestiegene Material- und Handwerkerkosten.
Straßenkinderhaus „Butze“: Spendenfinanziert, 500.000 Euro für Ausstattung fehlen für sozialen Baustein für obdachlose Jugendliche
Das Projekt wird vollständig aus Spenden finanziert. Für Mobiliar und Einrichtungsgegenstände werden zusätzliche Mittel benötigt. Nach Angaben des Vereins gegenüber der Berliner Morgenpost, sind dafür noch rund 500.000 Euro erforderlich.
Trotz Verzögerungen und gestiegener Kosten bleibt das Ziel klar definiert. Mit der „Butze“ entsteht in Lichtenberg ein zentraler Ort, der Schutz, Stabilität und professionelle Begleitung für junge Menschen in prekären Lebenslagen bietet. Das Projekt verbindet kurzfristige Nothilfe mit langfristiger Perspektiventwicklung, unter einem Dach und strukturell gebündelt.
In einer Stadt, in der weiterhin Hunderte Minderjährige ohne festen Wohnsitz leben, markiert das Vorhaben einen wichtigen sozialen Baustein. Es schafft nicht nur zusätzliche Schlafplätze, sondern auch Räume für Beratung, Bildung und individuelle Entwicklung. Damit leistet das Straßenkinderhaus „Butze“ einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zur sozialen Infrastruktur Berlins.
Quellen: Straßenkinder e.V., Berliner Morgenpost, Architektur Urbanistik Berlin, Bezirksamt Lichtenberg
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