Historische Bahnhöfe in Berlin erhalten neue Aufgaben. Sechs Beispiele zeigen, wie aus früheren Bahn- und Postanlagen Büros, Veranstaltungsorte, Wohnungen und neue Stadtquartiere entstehen.
Postbahnhof am Ostbahnhof
Postpaketbahnhof am Gleisdreieck
Güterbahnhof Köpenick
Wriezener Bahnhof
Anhalter Bahnhof
Güterbahnhof Wilmersdorf
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Berlin besitzt zahlreiche historische Bahnhöfe, an denen längst keine Reisenden mehr einsteigen und keine Güterzüge mehr abgefertigt werden. Verschwunden sind diese Orte trotzdem nicht. Einige Gebäude fanden neue Nutzer, während auf anderen Bahnflächen ganze Quartiere entstehen sollen.
Sechs Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Berlin mit seinem Eisenbahnerbe umgeht.
Postbahnhof am Ostbahnhof: Arbeiten in historischen Hallen

Hohe Rundbogenfenster, freigelegtes Mauerwerk und neue Erschließungselemente verleihen dem historischen Gebäudeteil eine moderne Nutzungsperspektive, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verändern. / © Foto: PATRIZIA SE
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Straße der Pariser Kommune 8, 10243 Berlin
- Ehemalige Nutzung: Bahnpostzentrum und Umschlagplatz für Briefe und Pakete
- Neue Nutzung: Büro-, Gewerbe- und Veranstaltungsflächen
- Fertigstellung: 2026
Der historische Postbahnhof südlich des heutigen Ostbahnhofs gehörte einst zu den bedeutenden Einrichtungen des Berliner Bahnpostverkehrs. Der Komplex entstand zwischen 1904 und 1907. In seinen Hallen sortierten Beschäftigte Briefe und Pakete, verluden Sendungen auf Eisenbahnwagen und verteilten sie über das Schienennetz weiter. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Anlage in Betrieb. Erst in den 1990er-Jahren verlor sie ihre ursprüngliche Aufgabe.
Statt Postsendungen sollen sich künftig Beschäftigte, Besucher und Veranstaltungsgäste durch die historischen Hallen bewegen. Das Immobilienunternehmen PATRIZIA übernahm den Komplex 2021 und ließ ihn denkmalgerecht erneuern. Der sanierte Berliner Postbahnhof verbindet nun historische Industriearchitektur mit modernen Arbeitsflächen.
Die Sanierung ließ zentrale Merkmale der früheren Bahnanlage sichtbar. Freigelegte Klinkerwände, Rundbogenfenster, Mauerwerksstrukturen und gusseiserne Stützen prägen weiterhin die Räume. Moderne Besprechungszimmer und Bürobereiche stehen als eigenständige Einbauten in den Hallen. Dadurch bleibt die frühere Größe der Anlage erkennbar, obwohl sich ihre Funktion vollständig verändert hat.
„STATION Berlin“: Vom Postpaketbahnhof zur Veranstaltungshalle

Das Areal der STATION Berlin zwischen Gleisdreieck und Luckenwalder Straße: Am Standort haben erste Veränderungen begonnen. / © Foto: Wikimedia Commons, Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Luckenwalder Straße 4–6, 10963 Berlin
- Ehemalige Nutzung: Postpaketbahnhof am Gleisdreieck
- Aktuelle Nutzung: Veranstaltungsort für Messen, Kongresse, Ausstellungen und weitere Formate
Auch die heutige „STATION Berlin“ war ursprünglich ein Bahnhof der Post. Der frühere Postpaketbahnhof entstand ab 1913 zwischen dem Gleisdreieck und dem Anhalter Bahnhof. Seine Lage an mehreren Bahnstrecken erleichterte den Transport großer Paketmengen. In den 1930er-Jahren erhielt die Anlage eine moderne Förder- und Verteiltechnik, die nach Angaben zur Geschichte des Standorts bis zu 400.000 Sendungen pro Tag bearbeiten konnte.
Erst in den 1990er-Jahren verlor der Standort durch die zunehmende Verlagerung des Paketverkehrs auf die Straße seine ursprüngliche Funktion. Inzwischen wird das historische Ensemble als „STATION Berlin“ genutzt und bietet mehrere Hallen und Nebenräume für Veranstaltungen.
Seit Juli 2026 werden die beiden weißen Vorderhäuser an der Luckenwalder Straße zurückgebaut. Nach Angaben der Betreiber soll der Abriss Platz für die weitere Entwicklung des Standorts schaffen. Weitere Informationen sind derzeit noch nicht bekannt. Die Veranstaltungslocation soll jedoch erhalten bleiben.
Güterbahnhof Köpenick: Ein neuer Stadtteil auf früheren Bahnflächen

Die gelb markierte Fläche zeigt das Entwicklungsgebiet des Quartiers „Ehemaliger Güterbahnhof“ in Köpenick. Auf dem ehemaligen Bahngelände plant das Land Berlin in den kommenden Jahren ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, sozialer Infrastruktur und öffentlichen Freiräumen. / © Foto: Dirk Laubner
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Adresse: Gebiet zwischen den S-Bahnhöfen Köpenick und Hirschgarten
- Ehemalige Nutzung: Güterbahnhof und Bahnflächen
- Künftige Nutzung: Stadtquartier mit Wohnungen, Schulen, Kitas, Gewerbe, sozialen Einrichtungen und Grünflächen
- Projektstatus: Rahmenplan beschlossen
Beim ehemaligen Güterbahnhof Köpenick geht es nicht um den Umbau eines einzelnen historischen Empfangsgebäudes. Hier soll Berlin eine weitläufige Bahnbrache vollständig neu ordnen. Das Entwicklungsgebiet liegt zwischen den S-Bahnhöfen Köpenick und Hirschgarten und zählt zu den größten geplanten Wohnungsbaustandorten im Südosten der Stadt. Der Berliner Senat nennt rund 1.800 Wohnungen als Ziel. Hinzu kommen zwei Schulstandorte, Kindertagesstätten, Gewerbeflächen sowie soziale, kulturelle und öffentliche Einrichtungen.
Die Planungen sollen zugleich ein städtebauliches Problem lösen. Die Bahntrasse und die brachliegenden Flächen trennen bislang benachbarte Wohngebiete voneinander. Neue Wege, Straßen, Plätze und Grünräume sollen diese Barrierewirkung verringern. Das Land strebt ein weitgehend autoarmes und klimaneutrales Quartier mit direkter Anbindung an den Schienenverkehr an.
Im Februar 2026 bestätigte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg nach Angaben der Senatsverwaltung die Rechtmäßigkeit der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme. Damit kann Berlin die Planung weiterführen. Einen verbindlichen Baubeginn für das gesamte Quartier gibt es jedoch noch nicht. Ein Teil der geplanten Wohnungen liegt auf Flächen, die bahnrechtlich besonders behandelt werden müssen. Zudem müssen Grundstücksfragen, Bebauungspläne und Erschließungsmaßnahmen geklärt werden.
Wriezener Bahnhof: Bürocampus statt Güterverkehr

Das „EDGE Friedrichspark“ nahe Ostbahnhof entsteht als moderner Bürocampus mit begrünten Außenbereichen und nachhaltiger Architektur in Berlin-Friedrichshain. / © Visualisierung: EDGE Technologies
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Am Wriezener Bahnhof 4, 6 und 8, 10243 Berlin
- Ehemalige Nutzung: Personen- und Güterbahnhof der Wriezener Bahn
- Künftige Nutzung: Büroflächen, Gastronomie, Konferenzbereiche und gemeinschaftlich nutzbare Außenräume
- Fertigstellung: 2026
Der Wriezener Bahnhof lag nördlich des heutigen Ostbahnhofs. Er diente zunächst dem Personenverkehr auf der Strecke in Richtung Wriezen und später vor allem dem Güterverkehr. Der Personenverkehr endete bereits 1949. Nach dem Ende des Bahnbetriebs entwickelte sich das weitläufige Areal schrittweise zu einem Gewerbe- und Stadtentwicklungsgebiet. Auf einem Teil davon entsteht heute der Bürokomplex „EDGE Friedrichspark“.
Das Vorhaben umfasst drei Gebäude auf dem Grundstück Am Wriezener Bahnhof 4, 6 und 8. Neben Bürobereichen sind Gastronomie, Konferenzräume und gemeinschaftlich nutzbare Flächen geplant. Eine öffentliche Passage soll das Umfeld des Ostbahnhofs mit dem Areal in Richtung Berghain und den angrenzenden Freiräumen verbinden.
Vom historischen Bahnhof selbst bleibt an dieser Stelle vor allem der Name des Ortes erhalten. Anders als beim Postbahnhof werden keine großen historischen Hallen für eine neue Nutzung umgebaut. Das frühere Bahnareal bildet vielmehr den Grund für einen neuen Gewerbestandort. Der Wriezener Bahnhof zeigt damit eine weitere Variante im Umgang mit historischen Bahnhöfen in Berlin: Nicht das Einzelgebäude, sondern die Fläche erhält eine neue Aufgabe.
Anhalter Bahnhof: Wohnen und Erinnerung neben der Portalruine

Der Neubau „WoHo“ sollte am Tempodrom in Berlin-Kreuzberg entstehen. / © Visualisierung: Mad Arkitekter
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Schöneberger Straße 21/22, 10963 Berlin
- Ehemalige Nutzung: Fern- und Güterbahnhof
- Künftige Nutzung: Geplantes Wohn- und Gewerbehochhaus sowie kulturelle Erinnerungsangebote im Umfeld
- Projektstatus: Bebauungsplan für das Hochhaus „WoHo“ politisch gebilligt
Der Anhalter Bahnhof war einer der wichtigsten Fernbahnhöfe Berlins. Von hier führten Verbindungen unter anderem nach Mitteldeutschland, Süddeutschland und weiter nach Südeuropa. Das große Empfangsgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Nach dem Ende des Fernverkehrs und dem späteren Abriss der Ruine blieb nur ein Teil des Portals am Askanischen Platz erhalten. Dieser Rest zählt heute zu den bekanntesten Zeugnissen der Berliner Eisenbahngeschichte.
Im Umfeld des früheren Bahnhofs treffen verschiedene Planungen aufeinander. Dazu gehört das „WoHo“ an der Schöneberger Straße. Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg billigte den Bebauungsplan im Juni 2026 nach einer zuvor gescheiterten Abstimmung. Der Beschluss schafft eine wichtige planungsrechtliche Grundlage.
Lange sollte direkt hinter der Portalruine ein Exilmuseum entstehen. Der geplante Neubau nach einem Entwurf des Architekturbüros Dorte Mandrup wurde jedoch 2026 wegen fehlender Finanzierung gestoppt. Die Stiftung verfolgt inzwischen einen kleineren Neustart an einem anderen Standort in Charlottenburg.
Die Geschichte des Ortes bleibt am Anhalter Bahnhof dennoch präsent. Temporäre Kunst- und Ausstellungsprojekte greifen Themen wie Exil, Flucht und Verlust auf. Gleichzeitig verändert das geplante Hochhaus die Umgebung des früheren Bahnhofs.
Güterbahnhof Wilmersdorf: Aus Bahnflächen wurde die „Friedenauer Höhe“

Die Luftaufnahme zeigt die fertiggestellten Wohngebäude der Friedenauer Höhe mit rund 1.060 Wohnungen, öffentlichen Grünflächen und dem neuen Park in Berlin-Friedenau. / © Foto: Markus Bachmann
- Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
- Adresse: Hauptstraße 64 und Handjerystraße 98, 12159 Berlin
- Ehemalige Nutzung: Güterbahnhof Wilmersdorf und nicht öffentlich zugängliche Bahnflächen
- Neue Nutzung: Wohnquartier mit Wohnungen, Kindertagesstätte, Parkanlage, Radweg sowie ergänzenden Büro-, Gewerbe- und Gastronomieflächen
Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf lässt sich bereits vollständig erkennen, wie Berlin frühere Bahnflächen in ein neues Stadtquartier verwandelt. Wo einst Güterzüge rangierten und große Bereiche für die Öffentlichkeit gesperrt waren, stehen heute zahlreiche Wohngebäude. Instone Real Estate und die OFB Projektentwicklung haben dort 1.064 Wohnungen fertiggestellt. Sämtliche Einheiten sind nach Angaben der Projektpartner bezogen. Rund 2.500 Menschen leben inzwischen im Quartier „Friedenauer Höhe“.
Die Wohnungen verteilen sich auf mehrere eigenständige Projekte. OFB entwickelte 537 Mietwohnungen in fünf siebengeschossigen Gebäuden. Instone verantwortete weitere 396 Mietwohnungen sowie die beiden Häuser „Marlene und Dietrich“ mit 131 Eigentumswohnungen. Hinzu kommen 238 geförderte Mietwohnungen und eine Kindertagesstätte mit rund 80 Plätzen, die ein anderer Projektträger bereits zuvor errichtet und an die HOWOGE übergeben hatte.
Ganz abgeschlossen ist die Entwicklung des ehemaligen Güterbahnhofs dennoch nicht. Am östlichen Zugang entsteht das Büro- und Gewerbeensemble „The Friedenauer“. Die Fertigstellung ist nach aktuellem Stand für 2027 vorgesehen. Der Beitrag über die fertiggestellte „Friedenauer Höhe“ auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wilmersdorf zeigt damit einen Bahnhofsort, an dem die frühere Verkehrsnutzung fast vollständig durch Wohnen, Grünflächen und neue Wege ersetzt wurde.
Historische Bahnhöfe in Berlin erhalten sehr unterschiedliche Aufgaben
Die sechs Bahnhöfe stehen für verschiedene Formen der Umnutzung. Berlin verfolgt kein einheitliches Konzept für seine historischen Bahnhöfe. Die Zukunft jedes Standorts hängt von der erhaltenen Bausubstanz, dem Planungsrecht, den Eigentumsverhältnissen und den Anforderungen des jeweiligen Stadtteils ab.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, EDGE Technologies, GRAFT Architekten
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3 Kommentare
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AUF dem Wriezner Bahnhof gibt es ein Projekt, von dem nun rein gar nichts mehr kommt: PLTFRM von HB Reavis.
Still ruht der See oder gar schon mausetot?
Was ist mit dem bahnhof schöneweide oder bahnhof Königs Wusterhausen??
Sehr spannend ist dies nicht, Büros oder Wohnungen, mehr kann man in Berlin bei alten Bahnhöfen nicht erwarten.
In Berlin hält man nicht viel von historischen Bahnhöfen, was vom Kriege übrig blieb wurde später oft platt gemacht, auch zu Zeiten wo man es eigentlich hätte besser machen können. Ich denke da z.B. an den Lehrter Stadtbahnhof, denkmalgeschützt wurde er dem Hauptbahnhof geopfert, anstatt ihn intelligent zu integrieren. Und was weg ist ist weg.
Es geht auch anders wie z.B. das Musee d’Orsay in Paris, ein alter Bahnhof wird zu einem neuen öffentlichen Hotspot, in Berlin ansatzweise beim Hamburger Bahnhof, in Berlin jährlich 350.000 Besucher, in Paris mehr als das Zehnfache.