Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf schlägt für das leerstehende Gebäude an der Soorstraße 80-82 eine neue Nutzung vor. Statt einer regulären Flüchtlingsunterkunft sollen dort künftig Azubi-Wohnen und ein Oberstufenzentrum mit integrierter Unterkunft für stark pflegebedürftige Geflüchtete entstehen.

© Fotos: Wikimedia Commons, Gerd Fahrenhorst, CC BY 4.0

 

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Das ehemalige Bürogebäude an der Soorstraße 80-82 in Westend steht seit Jahren größtenteils leer. Ursprünglich plante der Senat, die Immobilie vollständig als Flüchtlingsunterkunft mit rund 950 Plätze zu nutzen. Für einen Teil des Hauses hatte der Senat bereits einen Mietvertrag mit dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten abgeschlossen.

Seit Ende 2025 prüft der Senat jedoch zusätzliche Nutzungen für das Gebäude. Zunächst rückte studentisches Wohnen in den Fokus, später kamen auch Auszubildende als mögliche Zielgruppe hinzu. Käme keine Alternative zustande, sollte die Flüchtlingsunterkunft ursprünglich im ersten Quartal 2027 ihren Betrieb aufnehmen.

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Azubi-Wohnen und Oberstufenzentrum geplant

Nun bringt das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf einen eigenen Vorschlag ins Spiel. Der Vorschlag entstand nach einer gemeinsamen Begehung durch Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Bündnis 90/Die Grünen) und die Präsidentin der Handwerkskammer Berlin. Bauch und das Bezirksamt sprechen sich nun für eine Kombination aus Azubi-Wohnen und schulischer Nutzung aus. Der Bezirk prüft, ob sich das Oberstufenzentrum Leopold Ullstein in die Soorstraße verlagern lässt. Am bisherigen Standort in der Prinzregentenstraße könnte dadurch Platz für eine neue Integrierte Sekundarschule entstehen.

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Eine reguläre Flüchtlingsunterkunft nach den derzeitigen Plänen der Senatsverwaltung lehnt das Bezirksamt weiterhin ab. Stattdessen schlägt es vor, einen Teil der Räume für stark pflegebedürftige Geflüchtete aus der Ukraine bereitzustellen. Das barrierefreie Erdgeschoss biete dafür laut Bezirksamt nahezu ideale Bedingungen.

Blick von schräg unten auf ein mehrstöckiges Bürogebäude mit brauner Fassade, im Vordergrund Bäume, im Hintergrund parkende Autos und Passantinnen und Passanten.

Das ehemalige Bürogebäude an der Soorstraße 80-82 in Berlin-Westend steht seit Jahren größtenteils leer. Ursprünglich war es vollständig als Flüchtlingsunterkunft mit rund 950 Plätzen vorgesehen. / © Foto: Wikimedia Commons, Gerd Fahrenhorst, CC BY 4.0

Bezirkspolitik zur Soorstraße: Einigkeit für einen Ausbildungscampus

Bezirksbürgermeisterin Bauch erklärt, der Standort solle unterschiedlichen Menschen eine Perspektive bieten. Pflegebedürftige Geflüchtete sollen dort ebenso Unterstützung finden wie Auszubildende gute Bedingungen für Lernen und Ausbildung. Das freiwerdende Gebäude in der Prinzregentenstraße könnte zudem dringend benötigte Schulplätze schaffen.

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Auch Bezirksstadtrat Simon Hertel (CDU) unterstützt den Vorschlag. Bezahlbarer Wohnraum sei für viele junge Menschen die Voraussetzung, um eine Ausbildung in Berlin beginnen und erfolgreich abschließen zu können. Deshalb stehe das Bezirksamt bereits mit den zuständigen Senatsverwaltungen für Bildung sowie für Arbeit und Soziales in Kontakt.

Ausbildung in Berlin: Wohnraum für Azubis bleibt knapp

Der Vorschlag setzt an einem konkreten Problem an. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Berlin mussten rund 30 Prozent der befragten Betriebe Ausbildungsplätze unbesetzt lassen. Der Grund war meist, dass Bewerberinnen und Bewerber keine Wohnung fanden. Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung liegt laut Handwerkskammer Berlin 2026 je nach Lehrjahr nur zwischen 724 und 1014 Euro im Monat.

Dem stehen Mieten gegenüber, die in Berlin im Schnitt bei 14,39 Euro pro Quadratmeter liegen, in Charlottenburg-Wilmersdorf teils deutlich darüber. Schon eine kleine Wohnung sprengt damit vor allem im ersten und zweiten Lehrjahr schnell das Budget. Vor diesem Hintergrund erscheint ein gezieltes Wohnangebot für Azubis an der Soorstraße als naheliegende Antwort.

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Offen bleibt jedoch, wo die für die Soorstraße vorgesehenen 950 Plätze künftig entstehen sollen. Denn trotz sinkender Neuankunftszahlen fehlen der Stadt 2026 laut Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung (LAF) mehrere tausend reguläre Unterkunftsplätze.

Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, Handwerkskammer Berlin, Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage, Drucksache 19 / 25 416, immowelt

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