Das KALLE Neukölln sollte mehr sein als ein modernisiertes Kaufhaus: ein offener Ort für den Stadtteil mit Dachgarten und Pool über der Karl-Marx-Straße. Ein neues Dossier von Anwohnern und Nutzern hinterfragt, ob dieser Anspruch heute erfüllt wird.

Die Dachsauna des „Kalle Neukölln“ ist als kompakte Fasssauna gestaltet.

Mit Pool und Sauna auf dem Dach sollte das Kalle Neukölln um einen besonderen Baustein ergänzt werden: einen öffentlich gedachten Aufenthaltsort über den Dächern Neuköllns. / © Foto: MREI

© Titelbild: smartvillage, Team Code Zero

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Als das KALLE Neukölln nach Jahren des Leerstands neu entwickelt wurde, war die Idee klar formuliert: Aus dem ehemaligen Kaufhausstandort sollte ein lebendiger Ort entstehen, der Arbeiten, Kultur, Gastronomie und öffentliche Nutzung miteinander verbindet. Besonders der Dachbereich mit Pool und Gartenfläche galt als Symbol für den Anspruch, einen neuen Treffpunkt für den Stadtteil zu schaffen.

Ein von Anwohnerinnen, Anwohnern und Nutzern des Gebäudes verfasstes Dossier wirft nun die Frage auf, ob die öffentlich kommunizierten Ziele tatsächlich vollständig eingelöst werden. Die anonym gebliebenen Verfasser, die unter dem Namen „Club der toten Philosophen“ auftreten, schildern darin ihre Wahrnehmung, dass die Dachfläche inzwischen vor allem über Veranstaltungsformate mit Registrierung, Einladungen und Zugangsbeschränkungen genutzt werde.

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Vom „Dach für alle“ zur Veranstaltungslocation?

Ausgangspunkt der Kritik sind frühere Aussagen des Projektentwicklers MREI. Bei der Vorstellung des Projekts war mehrfach betont worden, dass der Dachgarten öffentlich zugänglich sein solle. MREI-Partner Hans Stier sprach 2024 davon, den Bewohnerinnen und Bewohnern „ein Dach schenken“ zu wollen. Auch später wurde das Versprechen bekräftigt, man wolle den öffentlichen Charakter der Fläche nicht aufgeben.

Das nun veröffentlichte Dossier stellt diesen Anspruch der aktuellen Nutzung gegenüber. Nach Angaben der Verfasser erfolge der Zugang im Sommer 2026 häufig über die Eventplattform Luma. Für einzelne Veranstaltungen seien demnach Angaben wie ein LinkedIn-Profil, eine Startup-Zugehörigkeit oder eine Einladung durch einen Gastgeber erforderlich gewesen. Zudem dokumentieren die Autoren unterschiedliche Ticketpreise und Rabattcodes für bestimmte Nutzergruppen.

Kritiker sehen darin einen Widerspruch zum ursprünglichen Leitbild „KALLE FÜR ALLE“. Ihre Einschätzung: Der Anspruch eines offenen Treffpunkts für den Kiez werde durch die aktuellen Zugangshürden zumindest teilweise infrage gestellt.

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KALLE Neukölln mit dem Banner "KALLE FÜR ALLE".

Ausgerechnet der Slogan „KALLE FÜR ALLE“ steht nun im Mittelpunkt der Debatte: Der Anspruch eines offenen Treffpunkts für den Kiez wird durch die heutigen Zugangshürden infrage gestellt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Zwischen Kiezangebot und kuratiertem Veranstaltungsort

Die Kritik richtet sich dabei nicht grundsätzlich gegen Veranstaltungen auf dem Dach. Das KALLE Neukölln war von Beginn an als gemischter Ort geplant, an dem neben öffentlicher Nutzung auch Gastronomie, Kultur und wirtschaftliche Aktivitäten stattfinden sollten. Die zentrale Frage des Dossiers lautet vielmehr, wie viel Öffentlichkeit eine Fläche tatsächlich bietet, wenn der Zugang überwiegend über geschlossene Formate organisiert wird. Es entstehe der Eindruck einer stärker kuratierten Nutzung.

Besonders deutlich wird dieser Konflikt in einer im Dossier beschriebenen Szene: Drei Kinder aus dem Kiez seien mit Badesachen auf die Dachterrasse gekommen und hätten nach dem „Schwimmbad“ gefragt. Daraufhin hätten sie erfahren, dass ein Zugang nur über Registrierung und Anmeldung möglich sei.

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Die Schere zwischen denen da oben und denen da unten ist im Kalle Neukölln keine Metapher mehr – sie ist Architektur.

Der Club der toten Philosophen

KALLE Neukölln: Erfolgreiche Transformation – aber mit offenen Fragen zur Zugänglichkeit

Im Mittelpunkt der Debatte steht demnach weniger die grundsätzliche Qualität des Projekts, sondern eine stadtentwicklungspolitische Frage: Wie lässt sich der Anspruch eines öffentlich zugänglichen Ortes dauerhaft mit den wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen eines privat entwickelten Gebäudes verbinden?

Das KALLE Neukölln zeigt dabei beide Seiten einer solchen Transformation. Einerseits steht das Projekt für die erfolgreiche Umwandlung einer lange leerstehenden Immobilie in einen vielfältig genutzten Stadtbaustein. Andererseits zeigt die aktuelle Diskussion, dass öffentliche Versprechen und tatsächliche Nutzungsmöglichkeiten dauerhaft miteinander abgeglichen werden müssen.

Ob die Kritik zu Anpassungen beim Zugang zur Dachfläche führt oder ob Betreiber und Nutzer andere Wege finden, den öffentlichen Charakter stärker sichtbar zu machen, bleibt abzuwarten. Die Debatte könnte letztlich auch eine Chance sein: Denn ein Ort wie das KALLE Neukölln lebt nicht allein von seiner Architektur, sondern davon, wie viele unterschiedliche Menschen ihn tatsächlich als Teil ihres Quartiers wahrnehmen und nutzen.

Quellen: Dossier Der Club der toten Philosophen, KALLE Neukölln

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4 Kommentare

  1. Max 13. Juli 2026 at 15:38 - Reply

    Ein öffentlicher Ort heisst nicht, dass jeder einfach reinlatschen kann wie er will.

    Wenn ich ins Theater will muss ich auch zahlen.

    Man könnte zum Bsp Yoga machen um hinzukommen.
    https://urbansportsclub.com/de/venues/yoga-on-the-move-kalle-rooftop

    • N. Guy 14. Juli 2026 at 22:10 - Reply

      Hat ja auch niemand gesagt, dass wer einfach so „reinlatschen“ will. (Außer vielleicht der 3 Kids, die in den Pool wollten – aber vielleicht hatten selbst die Geld dabei und hätten einen etwaigen Eintritt entrichten wollen. Wir wissen es nicht.)

      Aber: Wenn mit Gastronomie/Bar geworben wird, erwarte ich irgendwie schon, dass ich innerhalb der Öffnungszeiten hinkommen und einen Drink oder Fine Dining über den Dächern Neuköllns genießen kann.
      Wenn es allerdings nur für eine ausgewählte Nutzerschaft angeboten wird oder aber den Charakter einer gated Community annimmt, ist das schon ziemlich traurig im Hinblick auf Teilhabe.

  2. Martin 15. Juli 2026 at 05:31 - Reply

    Lieber Max,
    die Betreiber versprechen nach wie vor auf ihrer Webseite:
    „Roofgarden – frisch, frech und ⁷/₇ für euch da.- Dachgartengensslandschaft – grün & genial, sü oder herb. Immer offen für  alle & immer üppig! Eine Dachgarten-Genusslandschaft für alle!“

    Aber wie du schon festgestellt hast, braucht man ein monatliches Sportabo, um hochzukommen.
    Oder man ist auf einer Gästeliste, aber dann ist es doch keine offene Veranstaltung, oder?

  3. Sören 16. Juli 2026 at 02:07 - Reply

    Ich verstehe das Ganze Gemeckere nicht. Ich bin kürzlich abends einfach hin , mit dem Aufzug hochgefahren schön einen Drink in der Bar getrunken später noch ein Fußballspiel geguckt, neben mir haben Leute im Pool gebadet, es war alles schön. keine Eintrittskontrolle keine Anmeldung alles gut.

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