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Nach dem Abschleifen des historischen Kopfsteinpflasters liegen erste Messergebnisse für die Hufelandstraße in Prenzlauer Berg vor. Sie zeigen deutliche Verbesserungen bei Sicherheit, Lärmbelastung und Nutzung durch den Radverkehr. Der Umbau der Straße ist damit aber noch nicht abgeschlossen.

Die Hufelandstraße im Bötzowviertel ist eines der ersten Berliner Beispiele für abgeschliffenes Kopfsteinpflaster im Radverkehr. Nun belegen Messungen, wie sich Oberfläche, Lärm und Verkehrsverhalten verändert haben. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Nach wenigen Wochen Bauzeit hatte das landeseigene Unternehmen infraVelo die zentralen Arbeiten an der Hufelandstraße im Prenzlauer Berg abgeschlossen. Seit Mitte Oktober 2025 wurde das historische Kopfsteinpflaster geschliffen, um die Oberfläche gleichmäßiger und griffiger zu gestalten. Ziel der Maßnahme war es, die Verkehrssicherheit und den Fahrkomfort für den Radverkehr zu erhöhen, ohne den Charakter der Straße zu verändern.

Der über 600 Meter lange Abschnitt zwischen Greifswalder Straße und Volkspark Friedrichshain gilt als wichtige innerstädtische Verbindung im Bötzowviertel. Insgesamt wurden rund 2.500 Quadratmeter Fahrbahn bearbeitet, eine Fläche in der Größenordnung eines halben Fußballfeldes.

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Hufelandstraße in Prenzlauer Berg: Mehr Sicherheit und Komfort durch veränderte Oberfläche

Die ersten Messergebnisse der begleitenden Untersuchungen liegen laut einer Mitteilung von infraVelo inzwischen vor und deuten auf spürbare Verbesserungen hin. Die Griffigkeit und damit die Rutschfestigkeit des Pflasters haben deutlich zugenommen, was kürzere Bremswege ermöglicht und insbesondere bei Nässe die Sicherheit erhöht. Gleichzeitig blieb die historische Substanz des Pflasters vollständig erhalten, ebenso das typische Erscheinungsbild der Straße im Altbauquartier.

Auch akustisch zeigen sich Veränderungen. Rückmeldungen aus dem Kiez sowie erste Messungen weisen darauf hin, dass die Lärmbelastung durch den Verkehr gesunken ist. Eine belastbare Vergleichsmessung soll nach Abschluss der Markierungsarbeiten im kommenden Jahr erfolgen, so infraVelo. Während der Bauphase selbst lagen die gemessenen Erschütterungen demnach trotz zeitweise hoher Geräuschkulisse durchgehend im zulässigen Normbereich.

Abgeschliffenes Kopfsteinpflaster: Verändertes Verkehrsverhalten im Bötzowviertel

Besonders deutlich fallen die Effekte beim Verkehrsverhalten aus. Nach Angaben des Unternehmens hat der Radverkehr auf der Hufelandstraße nach dem Umbau um mehr als 50 Prozent zugenommen. Gleichzeitig wich ein deutlich geringerer Anteil der Radfahrenden auf den nördlichen Gehweg aus.

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Diese Entwicklung wird als Hinweis gewertet, dass die Fahrbahn nun als sicherer und attraktiver wahrgenommen wird. Rad fahrende Kinder bis etwa zehn Jahre, die weiterhin den Gehweg nutzen dürfen oder müssen, sind in diesen Zählungen berücksichtigt.

Ergänzend zu den technischen Messungen führt die Technische Hochschule Wildau im Rahmen eines Forschungsprojekts eine Befragung von Anwohnenden und Gewerbetreibenden durch. Ziel ist es, die subjektive Wahrnehmung der Veränderungen im Straßenraum systematisch zu erfassen und mit den Messdaten abzugleichen.

Fahrradstraße mit Verzögerung: Markierungen in der Hufelandstraße ab Frühjahr 2026

Die Umgestaltung der Hufelandstraße ist allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Die endgültige Beschilderung und Markierung als Fahrradstraße soll im Frühjahr 2026 erfolgen, da diese Arbeiten witterungsabhängig sind.

Bis dahin bleibt die Verkehrsführung weitgehend unverändert. Finanziert wird das Projekt aus Landesmitteln im Rahmen der Berliner Strategie zur Förderung des Radverkehrs. Bei einem Vor-Ort-Termin verschafften sich Vertreterinnen und Vertreter des Bezirks und von infraVelo zuletzt ein Bild vom Stand der Arbeiten.

Prenzlauer Berg: Kurze Bauzeit, minimale Eingriffe, spürbare Ergebnisse

Aus Sicht des Unternehmens zeigen die bisherigen Ergebnisse, dass sich mit vergleichsweise kurzen Bauzeiten und gezielten Eingriffen messbare Verbesserungen erzielen lassen, sowohl für den Radverkehr als auch für die Aufenthaltsqualität im Kiez.

Im Umfeld der Hufelandstraße wird der Umbau aber sehr unterschiedlich bewertet. Während viele Anwohnende die glattere Oberfläche und die geringere Lärmbelastung begrüßen, gibt es auch kritische Stimmen. Diese verweisen unter anderem auf eine aus ihrer Sicht unzureichende Information im Vorfeld oder stellen infrage, ob die Straße langfristig als Fahrradroute angenommen wird.

Anwohner hoffen auf Reduzierung des Durchgangsverkehrs durch Umwandlung in Fahrradstraße

Andere wiederum verbinden mit der geplanten Umwandlung in eine Fahrradstraße die Hoffnung auf weniger Durchgangsverkehr und eine ruhigere Wohnstraße. Ob die Hufelandstraße als Modell für weitere Straßen mit historischem Kopfsteinpflaster dienen kann, wird sich nach Abschluss der zweiten Umsetzungsphase zeigen.

Mit den dann vorliegenden vollständigen Messreihen und Befragungsergebnissen soll bewertet werden, inwieweit sich das Verfahren auf andere Abschnitte im Bezirk Pankow übertragen lässt. Vergleichbares wurde übrigens bereits am Priesterweg im Bezirk Tempelhof-Schöneberg umgesetzt. Auch her wurde das Kopfsteinpflaster geglättet, damit die Fahrradfahrer nicht auf den Gehweg ausweichen müssen.

© Foto: infraVelo GmbH

Hufelandstraße im Bötzowkiez

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Abgeschliffenes Kopfsteinpflaster in der Hufelandstraße

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: infraVelo GmbH, Bezirksamt Pankow, Hochschule Wildau 

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3 Kommentare

  1. Paul C 13. Januar 2026 at 17:30 - Reply

    Als Anwohner des Bötzowkiezes ist der Umbau eine wahnsinnige Bereicherung. Sowohl als Fußgänger, als auch als Fahrradfahrer. Der Fußweg ist nun besser und sicherer nutzbar, besonders mit Hund und Kind. Zuvor waren Fahrradfahrerinnen, verständlicher Weise, auf den Gehweg ausgewichen. Gleichzeitig muss ich nun als Radfahrer nicht mehr den Gehweg nutzen, oder das gesamte Viertel über „am Friedrichshain / Greifswalder“ umfahren. Die Verbindung vom Volkspark bis zur marienburger Straße ist perfekt.

    Eine Wunschvorstellung:

    Eine Verlängerung des geschliffenen Kopfsteinpflasters über die marienburger Straße (winsviertel) bis zum kollwitzkiez. Mit ein wenig Fantasie kann man sich sogar eine sichere Verkehrsführung von der Richard-Sorge-Straße, durch den Park und über die Hufelandstrasse vorstellen.

  2. nadja 13. Januar 2026 at 20:11 - Reply

    Die Hufelandstrasse als reine Fahrradstraße zu degradieren würde bedeuten, das gerade Gewerbetreibene, Menschen mit körperlicher Einschränkung, Ältere, kurz Menschen die auf ein Auto angewiesen sind, sehr stark benachteiligt werden, gar ausgegrenzt würden.
    Auch würden die umliegenden Hauptstrassen viel stärker frequentiert werden.
    Es sollte eine Abstimmung aller Einwohnenden & Gewerbetreibenen erfolgen, ob eine Fahrradstraße eingeführt würd.
    Die Hufelandstrasse, wie die Bötzowstrasse sind die wichtigsten Hauptzu- Abfahrtstrassen im Huflandkiez. Diese müßen für jeden uneingeschränkt zugänglich bleiben.
    Als Anwohnende das Hufelandkizes lehne ich eine Fahrradstraße in der Huflandstraße ab.
    Es existiert Tempo 30 im Kiez, dies genügt zur Verkehrsberuhigung.
    Persönlich nutze ich mein Kraftfahrzeug z.B. zum Einkaufen, da im Kiez keine Möglichkeit mehr besteht, preiswert ein zu kaufen. Nicht jeder kann oder will sich Rewe oder die Luxusbiomärkte leisten.
    Aufgrund eines Unfalls kann ich kein Fahrrad mehr fahren … Nicht jeder Mitbürger ist in der Lage Fahrrad zu fahren.

  3. Jan 15. Januar 2026 at 08:42 - Reply

    Nadja, Sie müssen sich wohl keine Sorgen machen: eine Fahrradstraße bedeutet ja in der Regel nicht, dass da kein Auto mehr fahren darf – nur dürfen Radfahrende zB immer nebeneinander fahren, und PKWs dürfen Radfahrende nicht behindern oder gefährden.
    Ich finde die abgeschliffene Straße sehr gut, es ist für alle sicherer, komfortabler und für die Anwohner leiser.
    Die Umwandlung in eine Fahrradstraße ist auch gut, da geht es js nicht nur um direkte Anwohner, sondern auch um das übergreifende Radverkehrsnetz. So richtig interessant wird es allerdings erst, wenn Durchgangsverkehr (nicht Anwohnerverkehr!) durch Autos verhindert wird – die ist weiterhin die Hauptgefahrenquelle. Ein Fahrradstraßenschild allein bringt manchmal wenig, siehe Stargarder Str. In diesem Sinne freue ich mich auf den Kiezblock!

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