In Berlin-Pankow sollen zwei neue siebte Klassen nicht am bekannten Standort der Wilhelm-von-Humboldt-Schule, sondern in einer temporären Filiale in Weißensee unterrichtet werden. Die kurzfristige Maßnahme sorgt für Irritationen bei betroffenen Familien und wirft Fragen zur Kommunikation zwischen Verwaltung und Elternschaft auf.

Zwei neue siebte Klassen sollen künftig in einem Modulbau in Weißensee unterrichtet werden. Die Ersatzschule steht nicht im Behördenverzeichnis und hat bislang weder Namen noch festes Lehrpersonal. / © Foto: depositphotos.com / monkeybusiness
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Um dem akuten Schulplatzmangel im Bezirk Pankow entgegenzuwirken, haben Senat und Bezirk eine neue schulische Filiale in Weißensee eingerichtet. Sie soll der Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule zugeordnet sein, wie die Senatsbildungsverwaltung dem Tagesspiegel bestätigte. Zwei siebte Klassen werden dort zum neuen Schuljahr starten, weit entfernt vom Hauptstandort in Prenzlauer Berg.
Laut Senat handelt es sich um eine „zeitlich befristete Filiale“, die auf dem Gelände der Grundschule an der Rennbahnstraße untergebracht wird. Die Räume im Modularbau seien bereits fertiggestellt. Ab 2027 soll dort eine neue Gemeinschaftsschule entstehen. In der Zwischenzeit nutze die Humboldt-Schule die Räume, um zwei zusätzliche Klassen auszulagern, wie der Tagesspiegel berichtet.
Kritik an Informationspolitik: Eltern bemängeln fehlende Hinweise auf Standort Weißensee
Nach Darstellung der Senatsbildungsverwaltung sei die Maßnahme im Austausch mit den Schulleitungen und Behörden entwickelt worden. Ziel sei es gewesen, weite Schulwege zu vermeiden und Kindern eine Perspektive in der Nähe ihres Wohnorts zu bieten. Die Entscheidung sei alternativlos gewesen, erklärte auch Bezirksstadtrat Jörn Pasternack gegenüber dem Tagesspiegel. Die neue Filiale sei eine „letzte Option“, um auf den „eklatanten Schulplatzmangel“ zu reagieren.
Kritik kommt jedoch von vielen Eltern. Sie bemängeln, dass die Schulzuweisungen nicht eindeutig auf den Standort Weißensee hingewiesen hätten. In den Bescheiden war laut Eltern lediglich von einem Platz an der Wilhelm-von-Humboldt-Schule die Rede, ohne Angabe der Filiale. Erst durch spätere Informationen der Schule sei der tatsächliche Standort bekannt geworden, wie die Berliner Morgenpost mitteilt.
Schulstart ohne Klarheit: „Geheimschule“-Vorwürfe und Unmut über fehlende Mitbestimmung
Die Schulverwaltung betont, dass die Zuweisung rechtlich korrekt erfolgt sei. Man bedaure „Missverständnisse“ und hoffe, dass „Unannehmlichkeiten in Grenzen gehalten werden konnten“, so Pasternack, gegenüber dem Tagesspiegel. Dennoch zeigt ein Blick in vorliegende Bescheide: Der konkrete Standort Rennbahnstraße wird dort nicht genannt.
Besonders problematisch: Die offizielle Infoveranstaltung für die betroffenen Familien findet erst nach Ablauf der Anmeldefrist statt. Eltern sprechen gegenüber dem Tagesspiegel von einer „Geheimschule“ und kritisieren eine „Salamitaktik“ bei der Kommunikation. Der Vorwurf: Man sei in ein pädagogisches Experiment verwickelt worden, ohne echte Mitbestimmung.
Unklare Personalplanung: Übergangslösung ohne langfristiges Konzept in Weißensee
Auch organisatorisch bleiben Fragen offen. Wer die Klassen künftig unterrichtet, ist bislang nicht final geklärt. Laut Schulleitung sollen vorhandene Bewerbungen reaktiviert und Lehrkräfte befristet angestellt werden, für zwei Jahre, bis die neue Schule 2027 übernimmt. Eine langfristige Lösung ist das nicht.
Klar ist: Die Filiale ist keine dauerhafte Erweiterung der Humboldt-Schule. Vielmehr soll sie als Übergangslösung dienen. Ob das Konzept aufgeht und wie die betroffenen Familien den Start erleben, bleibt vorerst offen.
Quellen: Tagesspiegel, Berliner Morgenpost
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