Im März beziehen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ein neu errichtetes Wohnhaus in Berlin-Weißensee. Der Neubau in der Großen Seestraße schafft 24 sozial gebundene Apartments für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Unterstützungsbedarf.
© Titelbild: LA VIDA gGmbH
In Berlin wird viel über fehlenden Wohnraum gesprochen, über steigende Mieten und lange Wartelisten. In Weißensee, unweit der Schönstraße, ist nun ein Projekt abgeschlossen worden, das eine konkrete Antwort auf diese Debatte geben möchte. In der Großen Seestraße 109 hat die LA VIDA gGmbH ein neues Wohnhaus errichtet, das sich an Menschen richtet, die auf dem regulären Wohnungsmarkt kaum Chancen haben.
Bereits im März sollen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen. Es handelt sich um Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen, die im Rahmen betreuter Wohnangebote begleitet werden. Ziel sei es, ihnen nicht nur ein Dach über dem Kopf zu bieten, sondern stabile Lebensverhältnisse zu ermöglichen, so der Träger.
Große Seestraße: Vom Bestandsstandort zum Neubau
Das Grundstück ist kein Neuland für die soziale Arbeit. Schon 2011 hatte die damalige ZeitRaum gGmbH, heute Teil von LA VIDA, das ehemalige Gefängnis an der Großen Seestraße erworben und dort betreutes Wohnen etabliert. Angesichts der hohen Nachfrage entschied sich der Träger 2020, das Grundstück weiterzuentwickeln und zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.
Die Finanzierung des Neubaus konnte 2024 gesichert werden. Ein Förderdarlehen der Investitionsbank Berlin in Höhe von 2,8 Millionen Euro wurde durch Mittel aus dem „Sondervermögen Wohnraumförderung“ ergänzt. Diese Zuschüsse ermöglichten unter anderem barrierefreie Wohnungen und den Bau im Effizienzhaus-Standard 55.
24 Apartments in Holzbauweise: Architektur, die auf Gemeinschaft setzt
Entstanden sind 24 Apartments mit insgesamt rund 820 Quadratmetern Wohnfläche. Die etwa 30 Quadratmeter großen Wohnungen verfügen jeweils über ein eigenes Bad und eine kleine Küche. Acht Apartments bilden jeweils ein Cluster mit gemeinschaftlich genutzter Küche, Terrasse und Gartenzugang. In jedem Cluster ist zudem eine vollständig rollstuhlgerechte Wohnung vorgesehen.
Der zweigeschossige Neubau wurde vollständig in Holzbauweise errichtet. Beheizt wird das Gebäude über Wärmepumpen in Kombination mit PVT-Modulen, die Strom und Wärme erzeugen. Dieses System kommt ohne externe Außengeräte aus und arbeitet nahezu geräuschlos.
Sozial gebundener Wohnraum in Berlin: Mehr als ein Einzelprojekt?
Bei dem Neubau gehe es nicht nur um ein einzelnes Haus, betont die LA VIDA gGmbH. Das Projekt solle zeigen, dass sozial gebundener Wohnraum auch unter schwierigen Rahmenbedingungen realisierbar sei. Die Mietpreisbindung habe man aufgrund der Gemeinnützigkeit über den üblichen Förderzeitraum hinaus sichern können.
Langfristig, so die Hoffnung des Trägers, könnten gemeinnützige Akteure im sozialen Wohnungsbau eine größere Rolle spielen – vorausgesetzt, politische Rahmenbedingungen und Förderinstrumente würden entsprechend ausgerichtet. In Weißensee ist nun ein Beispiel entstanden, das diese Debatte mit Leben füllt.
Quellen: LA VIDA gGmbH
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