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Zwischen François-Mitterrand-Platz und Niddastraße bleibt die Mainzer Landstraße ab sofort autofrei. Aufgrund wiederholter Unfälle mit Radfahrenden wird der Abschnitt dauerhaft für den motorisierten Verkehr gesperrt. Frankfurt treibt damit den Umbau zugunsten nachhaltiger Mobilität weiter voran.
Fahrradtstraße, auf der rechten Seite Geschäfte

Die Umgestaltung Frankfurter Nebenstraßen hin zu Fahrradstraßen zeigt Wirkung – aber nicht überall wie erwartet. Die Konfliktlage nimmt ab, die Verkehrszahlen bleiben weitgehend konstant. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto Titelbild: Pixabay
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Die Stadt Frankfurt hat einen Abschnitt der Mainzer Landstraße in Höhe der Hausnummer 33a zwischen dem François-Mitterrand-Platz und der Niddastraße seit dem 9. Juli dauerhaft für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.

Anlass sind wiederholte Unfälle, bei denen Radfahrende von rechtsabbiegenden Fahrzeugen verletzt wurden. Frühere Maßnahmen wie Poller, Schutzstreifen und Markierungen hatten keine nachhaltige Wirkung auf das Unfallgeschehen. Polizei und Unfallkommission empfahlen deshalb die dauerhafte Sperrung für Kraftfahrzeuge.

Frankfurt Innenstadt: Häufung von Abbiegeunfällen führt zu dauerhafter Sperrung eines stark frequentierten Straßenabschnitts

Mehrjährige Auswertungen zeigten an dieser Kreuzung eine signifikant erhöhte Gefährdung für Radfahrende, insbesondere durch rechtsabbiegende Fahrzeuge. Trotz baulicher Eingriffe und verkehrsleitender Maßnahmen blieb die Unfallhäufigkeit auf einem kritischen Niveau.

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In enger Abstimmung mit der Polizei, der Feuerwehr und dem zuständigen Ortsbeirat setzte die Stadt nun die dauerhafte Sperrung um. Radfahrende, zu Fuß Gehende sowie Einsatzfahrzeuge dürfen den Bereich weiterhin passieren. Für den motorisierten Verkehr empfiehlt die Stadt eine Umleitung über die Weserstraße.

Maßnahme ist Teil der strategischen Neuordnung des Frankfurter Verkehrsraums zugunsten nachhaltiger Mobilität

Die Sperrung an der Mainzer Landstraße ist Bestandteil einer umfassenden verkehrlichen Neuausrichtung, die Frankfurt seit dem Radentscheid im Jahr 2019 intensiv verfolgt. Ziel ist es, die Sicherheit im Straßenraum zu erhöhen, den Umweltverbund zu stärken und die Nutzung öffentlicher Flächen neu zu organisieren. In diesem Zusammenhang hat die Stadt bereits mehrere Fahrradstraßen eingerichtet, darunter den Oeder Weg, die Kettenhofweg–Robert-Mayer-Straße-Achse sowie den Grüneburgweg.

Am Oeder Weg wurde zusätzlich zur Verkehrsberuhigung die Aufenthaltsqualität durch Möblierung und Begrünung verbessert. Studien belegen eine deutliche Zunahme des Radverkehrs sowie eine signifikante Reduktion der Unfallzahlen. Weitere Achsen wie die Bockenheimer Landstraße, der Cityring und der Anlagenring befinden sich aktuell in der Planungsphase. Erste bauliche Maßnahmen sollen im kommenden Jahr beginnen.

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Veränderte Infrastruktur sorgt für Diskussionen: Stadt Frankfurt arbeitet an Lösungen für Einsatzfahrzeuge

Die Umgestaltung des öffentlichen Raums geht mit unterschiedlichen Bewertungen in der Stadtgesellschaft einher. Viele Bürgerinnen und Bürger begrüßen die neuen Flächen für den Rad- und Fußverkehr sowie die Aufenthaltsqualität in verkehrsberuhigten Bereichen. Vertreterinnen und Vertreter des Einzelhandels und der Logistikbranche äußern hingegen Bedenken hinsichtlich der Erreichbarkeit und der Reduzierung von Stellplätzen.

Auch Rettungsdienste melden Herausforderungen an. Die Feuerwehr sieht mögliche Verzögerungen bei Einsätzen durch geänderte Verkehrsführungen und fordert eine engere Abstimmung mit den Planungsstellen. Die Stadt arbeitet derzeit an der Entwicklung eines digitalen Routingsystems für Einsatzfahrzeuge, das eine sichere und zügige Navigation durch umgestaltete Straßenräume ermöglichen soll.

Untersuchungen bestätigen Sicherheitsgewinne durch Fahrradstraßen, flächendeckende Wirkung bleibt bisher aus

Fachliche Untersuchungen zeigen, dass Fahrradstraßen lokal betrachtet zu mehr Sicherheit und Nutzung führen. Eine umfassende Verlagerung vom Auto auf das Fahrrad lässt sich jedoch bislang nur punktuell nachweisen.

Die Wirksamkeit der Maßnahmen zeigt sich vor allem dort, wo diese nicht isoliert, sondern als Teil eines stadtweiten Netzkonzepts umgesetzt werden. In solchen Fällen profitieren sowohl Alltagsradfahrende als auch die Umwelt. Der langfristige Erfolg hängt davon ab, in welchem Umfang die Infrastruktur zusammenhängend, sicher und intuitiv nutzbar gestaltet wird.

Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Frankfurter Rundschau

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