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In Berlin-Wedding ruht der geplante Umbau des Karstadt-Gebäudes am Leopoldplatz auf unbestimmte Zeit. Stattdessen lädt ein Künstlerkollektiv zur Aktionswoche auf das benachbarte Parkdeck ein. Dabei geht es nicht nur um Kunst, sondern auch um die Frage, wie Stadtentwicklung in Zeiten des Stillstands aussehen kann.
Zu sehen ist das geschlossene Karstadt-Gebäude am Leopoldplatz in Berlin-Wedding mit auffälligen Abverkaufsbannern an der Fassade.

Die Karstadt-Filiale an der Müllerstraße ist seit Anfang 2024 geschlossen. Das Gebäude prägt weiterhin das Stadtbild. Aktuell wird über eine kulturelle Zwischennutzung diskutiert, während das Künstlerkollektiv „Stadtgewitter“ auf dem benachbarten Parkdeck kreative Impulse setzt. / © Foto: Wikimedia Commons, Roy Zuo, CC BY-SA 4.0

© Titelbild: Wikimedia Commons, IngolfBLN, CC BY-SA 2.0 

 

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Am Leopoldplatz in Berlin-Wedding steht das ehemalige Karstadt-Warenhaus leer. Ursprünglich sollte der großflächige Bau an der Müllerstraße umfassend umgestaltet werden. Vorgesehen waren Wohnungen, Büros, soziale Einrichtungen und ein modernisiertes Kaufhaus. Doch diese Pläne wurden von der Eigentümerin, der Versicherungskammer Bayern, inzwischen auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund dafür sind die deutlich gestiegenen Baukosten und hohen Zinsen.

Ein Sprecher der Eigentümerin bestätigte lediglich, dass aktuell eine neue Ausrichtung des Projekts geprüft werde. Vorläufig ist ein Lidl im Erdgeschoss des Hauses eingezogen. Gleichzeitig sei man offen für weitere Zwischennutzungen, um die Zeit bis zur Neuentwicklung zu überbrücken. Der Bezirk Mitte rechnet dabei mit einem Zeitraum von bis zu fünf Jahren.

Künstlerkollektiv „Stadtgewitter“ ergreift Initiative: Parkdeck wird zum Ort für Diskussionen und Ideen

Während der Innenraum des ehemaligen Warenhauses weiterhin ungenutzt bleibt, verlagert sich die Aktivität auf das Dach des benachbarten „Cittipoint“-Einkaufszentrums. Dort organisiert das Berliner Künstlerkollektiv „Stadtgewitter“ eine Aktionswoche, die vom 29. Juli bis 2. August stattfindet. Bereits im vergangenen Sommer hatten die Künstlerinnen und Künstler das Parkdeck für ähnliche Veranstaltungen genutzt. Nun nehmen sie gezielt den Leerstand des Karstadt-Gebäudes in den Fokus.

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Die Aktionswoche beginnt mit einer Gesprächsrunde, bei der sich Vertreter lokaler Initiativen, Aktivistinnen und interessierte Anwohner austauschen können. In den darauffolgenden Tagen finden verschiedene Workshops statt. Dabei sollen Strategien erarbeitet werden, wie das brachliegende Kaufhausdach zu einem öffentlichen Raum für Begegnung und Teilhabe werden könnte.

Aktionswoche bis zum 2. August geplant: Ein kollektives Zeichen gegen den Stillstand im Wedding

Der Höhepunkt der Aktionswoche ist für Samstag, den 2. August, geplant. Die Veranstalter rufen zu einer Parade vom Dach des „Cittipoint“ zum Karstadt-Gebäude auf. Details werden bewusst offengelassen, doch im Mittelpunkt steht ein gemeinschaftliches Erlebnis, das die Erfahrungen und Diskussionen der Woche sichtbar machen soll. Die Parade soll zugleich Ausdruck für den Wunsch nach mehr öffentlicher Teilhabe an der Entwicklung urbaner Räume sein.

Solche temporären Kunstaktionen sind Teil eines wachsenden Interesses an nichtkommerziellen Nutzungen im städtischen Raum. Das Parkdeck wird damit zur symbolischen Brücke zwischen Vergangenheit und möglicher Zukunft des ehemaligen Kaufhauses. Gleichzeitig zeigt sich, dass es kreative Wege geben kann, um mit städtischen Leerständen umzugehen, auch wenn die großen Umbaupläne vorerst nicht umgesetzt werden können.

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Vision des Bezirks für das alte Karstadt-Gebäude: Kultur statt Konsum in der Müllerstraße

Parallel zur Aktionswoche denkt der Bezirk bereits länger über eine längerfristige kulturelle Zwischennutzung des Karstadt-Gebäudes nach. Vertreter der Grünen in Mitte schlagen vor, dort ein Zentrum für Kunst und Kultur zu entwickeln. Auch Bezirksbürgermeisterin Remlinger unterstützt diese Idee grundsätzlich. Sie betonte jedoch, dass es bislang keine ausreichenden finanziellen Mittel für ein solches Projekt gebe. Man hoffe stattdessen auf ein Zusammenspiel verschiedener kultureller Initiativen, die den Ort nach und nach beleben und so eine Aufwertung des Umfelds anstoßen könnten.

Erste Kulturprojekte könnten laut Bezirksamt Ende des Jahres einziehen. Bis dahin soll Lidl als Übergangslösung zumindest einen Teil des Erdgeschosses beleben. Auch das Parkhaus soll bald wieder öffnen – ob als Kulturstätte oder als Parkhaus steht offen.

Quellen: Tagesspiegel, Weddingweiser

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