Das einsturzgefährdete Wohnhaus in der Burgsdorfstraße 1 im Wedding sollte im Juli abgerissen werden. Doch geschützte Tierarten verzögern die Pläne. Während Anwohnende auf Entlastung hoffen, bleibt die Zukunft des Grundstücks weiter offen.

Aus dem einsturzgefährdeten Haus in der Burgsdorfstraße 1 wächst ein Baum, während sich Fledermäuse, Mauersegler und Spatzen in der verlassenen Ruine angesiedelt haben. Der Rückbau ist derzeit gestoppt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Das Wohnhaus in der Burgsdorfstraße 1 ist seit Jahren ein Ärgernis im Wedding. Schon 2004 musste ein Seitenflügel aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, 2017 stellte ein Gutachten Einsturzgefahr für das gesamte Gebäude fest. Der Bezirk reagierte und sperrte die Straße großflächig. Seither prägt die baufällige Immobilie mit fehlenden Fensterscheiben, bröckelndem Putz und einem Baum, der aus dem Dach wächst, das Straßenbild.
Bereits 2015 wollte das Bezirksamt Mitte den Abriss zwangsweise durchsetzen, doch die Eigentümerin wehrte sich juristisch. 2018 sagte sie vor Gericht zu, das Haus zu sanieren, umgesetzt wurde diese Zusage jedoch nicht. Stattdessen verschlechterte sich der Zustand weiter. Anfang Juli 2025 beauftragte der Bezirk schließlich eine Fachfirma, um das Gebäude in Ersatzvornahme abreißen zu lassen.
Artenschutz verzögert Abriss in Wedding: Spatzen, Mauersegler und Fledermäuse verhindern Rückbau der Ruine vor Ende der Brutzeit
Kaum hatten die vorbereitenden Maßnahmen begonnen, wurden sie wieder gestoppt. Grund dafür sind geschützte Arten, die sich in der Ruine angesiedelt haben. Neben Haussperlingen wurden auch Mauersegler und Zwergfledermäuse nachgewiesen. Laut Bezirksamt darf ein Abriss während der Brutzeit nicht erfolgen, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Ein Gutachten wurde erstellt, die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hat Naturschutzverbände zur Stellungnahme aufgefordert. Bis Anfang September bleibt das Haus daher unberührt.
Ob Ende August oder Anfang September weitergearbeitet werden kann, ist fraglich. Da die Stellungnahmen der Verbände erst ausgewertet werden müssen, dürfte sich der Zeitplan weiter verschieben. Sicher ist nur: Der Abriss kann frühestens nach Ende der Brutzeit erfolgen.
Jahrelange Belastung für Anwohner und Gewerbe: Bezirk Mitte übernimmt Kosten für längst überfälligen Abriss nahe Leopoldplatz
Für die Anwohnenden im Kiez ist die Ruine eine dauerhafte Belastung. Seit 2010 ist die Straße immer wieder eingeschränkt, zeitweise ganz gesperrt. Nur ein Gehweg auf der Südseite ist passierbar. Zudem berichteten Nachbarn von einer Rattenplage, die sich im verfallenden Gebäude ausbreitete. Auch lokale Einrichtungen wie das Prime Time Theater klagten über Umsatzeinbußen.
Bezirksstadtrat Ephraim Gothe betonte, der Abriss sei notwendig, um die Sperrung endlich aufzuheben. Er sprach von erheblichen Beeinträchtigungen für die Menschen im Umfeld und verwies darauf, dass der Bezirk nun selbst die Kosten übernehme, weil die Eigentümerin ihren Pflichten nicht nachgekommen sei.
Offene Zukunft nach dem Abriss: Hoffnung auf sozialen Wohnungsbau und Chancen für eine städtebauliche Neuordnung im Wedding
Wie das Grundstück nach dem Abriss genutzt werden soll, ist bislang offen. Das Bezirksamt Mitte hat noch keine konkreten Pläne vorgestellt. In der Nachbarschaft wird auf sozialen Wohnungsbau gehofft, denn das Gelände liegt zentral nahe Leopoldplatz und Müllerstraße. Damit bietet es gute Voraussetzungen für eine künftige Neubebauung.
Fest steht: Mit dem Abriss könnte eine städtebauliche Neuordnung beginnen. Bis dahin bleibt die Ruine ein Symbol für langwierige juristische Auseinandersetzungen, stockende Verfahren und die schwierige Balance zwischen Denkmalschutz, Naturschutz und den Interessen der Stadtentwicklung.
Quellen: Bezirksamt Mitte, Weddingweiser, Tagesschau, Berliner Morgenpost
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