Berlin steht während der aktuellen Hitze vor einer wachsenden Wasserfrage. Die Versorgung gilt derzeit als stabil, doch Klimawandel, Trockenheit und der Braunkohleausstieg erhöhen den Druck auf Spree, Havel und Grundwasser.

Menschen nutzen einen Brunnen in Berlin bei warmem Wetter, was die steigende Bedeutung der Wasserversorgung und die Auswirkungen von Wasserknappheit verdeutlicht.

Berlin droht Wasserknappheit: Steigende Temperaturen erhöhen den Wasserbedarf und zeigen die Bedeutung einer stabilen Wasserversorgung. / © Foto: Berliner Wasserbetriebe / Benjamin Pritzkuleit

© Titelbild: Berliner Wasserbetriebe / Benjamin Pritzkuleit

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Berlin steht vor den bislang heißesten Tagen des Jahres. Nach mehreren Tagen mit Temperaturen knapp über 30 Grad soll das Thermometer am Wochenende auf bis zu 40 Grad steigen. Die Trinkwasserversorgung gilt aktuell als stabil. Doch die Hitzewelle zeigt, wie verletzlich das System wird, wenn Trockenheit, steigender Verbrauch, sinkende Flusspegel und der Braunkohleausstieg in der Lausitz zusammenkommen.

Berlin erlebt Hitze nicht nur als Wetterlage. In der dicht bebauten Innenstadt speichern Asphalt, Beton und Fassaden die Wärme bis in die Nacht. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor starker Wärmebelastung, besonders dort, wo die nächtliche Abkühlung gering bleibt.

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Für viele Menschen bedeutet das: heiße Wohnungen, überlastete Körper und einen höheren Bedarf an Trinkwasser. Für die Stadt bedeutet es aber auch: Die Frage nach Wasserknappheit rückt aus der Zukunft in den Alltag.

  • 70 % des Trinkwassers stammen indirekt aus Spree und Havel
  • 30 % entstehen durch natürliche Grundwasserneubildung
  • Braunkohleausstieg reduziert Wasserzufluss um etwa 7 Kubikmeter pro Sekunde
  • Ausbau von Klärwerken
  • Neue Reinigungsstufen sollen Spurenstoffe aus dem Abwasser entfernen
  • Fertigstellung wichtiger Anlagen zwischen 2027 und 2036 geplant

Berlin und Hitze: Warum die Wasserversorgung bisher noch stabil bleibt

Die Berliner Wasserbetriebe betonen, dass die Versorgung derzeit nicht akut gefährdet sei. Das ist wichtig. Berlin verfügt über große Grundwasserspeicher und ein über Jahrzehnte gewachsenes Netz aus Wasserwerken, Brunnen, Leitungen und Klärwerken.

Doch die Stabilität des Systems hängt an Bedingungen, die sich gerade verändern. Denn Berlin ist keine wasserreiche Stadt, nur weil Spree, Havel, Kanäle und Seen sichtbar zum Stadtbild gehören.

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Wasserbecken und moderne Anlagen der Klärwerk Schönerlinde, die zur Sicherung der Wasserversorgung und zur Reduzierung von Wasserknappheit beitragen.

Modernisierte Wasserinfrastruktur in Berlin: Neue Anlagen verbessern die Wasserqualität und helfen, Folgen von Wasserknappheit auszugleichen. / © Foto: Sven Bock / Berliner Wasserbetriebe

Trinkwasser in Berlin: Woher das Wasser eigentlich kommt

Berlin gewinnt sein Trinkwasser aus Grundwasser. Dieses Grundwasser entsteht aber nicht nur durch Regen, der im Stadtgebiet versickert. Ein großer Teil stammt aus Uferfiltration. Dabei sickert Wasser aus Spree, Havel und Seen durch den Untergrund zu Brunnen in der Nähe der Gewässer.

Die Senatsverwaltung gibt an, dass rund 60 Prozent des Berliner Trinkwassers aus Brunnen nahe Havel und Spree gewonnen werden. Die Berliner Wasserbetriebe nennen in einer parlamentarischen Antwort sogar 70 Prozent Uferfiltrat. Die unterschiedlichen Angaben beruhen auf verschiedenen Berechnungsmethoden und Bezugszeiträumen.

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Damit hängt Berlins Trinkwasser stark von den Flüssen der Region ab. Genau dort liegt das Problem. Die Spree führte jahrzehntelang auch deshalb mehr Wasser, weil in der Lausitz Grundwasser aus Braunkohletagebauen abgepumpt und in den Fluss geleitet wurde. Dieses Sümpfungswasser stabilisierte den Abfluss künstlich. Mit dem Ende des Braunkohleabbaus fällt dieser Effekt schrittweise weg.

Nach Angaben der Berliner Wasserbetriebe fehlen künftig im Durchschnitt etwa sieben Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das Umweltbundesamt erwartet für den Unterlauf der Spree in Brandenburg ein jährliches Defizit von rund 126 Millionen Kubikmetern.

Die Grafik zeigt den Wasserkreislauf in Berlin – von der Grundwassergewinnung über Wasserwerke und Haushalte bis zur Reinigung in den Klärwerken und der Rückführung in Flüsse und Seen. Sie erklärt den Zusammenhang zwischen Wasserversorgung, Hitze und Wasserknappheit in Berlin.

Die Grafik veranschaulicht den Berliner Wasserkreislauf und zeigt, wie Trinkwassergewinnung, Abwasserreinigung und Grundwasser miteinander verbunden sind. /© Grafik: Berliner Wasserbetriebe

Wasserknappheit in Berlin: Sinkende Flusspegel bringen neue Herausforderungen

Für Berlin zählt dabei nicht nur die Wassermenge. Wenn weniger Wasser durch Spree und Havel fließt, konzentrieren sich auch Stoffe stärker im Gewässer. Dazu gehören Nährstoffe und Spurenstoffe, etwa Rückstände aus Arzneimitteln.

Gleichzeitig steigt an heißen Tagen der Wasserbedarf in Haushalten, Parks, Kleingärten, Sportanlagen und bei der Straßenreinigung. Einzelne Hitzetage bringen das System nicht an seine Grenze. Längere Hitze- und Trockenphasen können den Druck jedoch deutlich erhöhen.

Großes Klärwerk in Berlin-Ruhleben mit Becken und Industrieanlagen, das für die Wasserversorgung und den Umgang mit Wasserknappheit in Berlin entscheidend ist.

Klärwerk Ruhleben in Berlin: Die Anlage spielt eine zentrale Rolle bei der Aufbereitung von Wasser und der Sicherung der Wasserversorgung der Hauptstadt. / © Foto: Berliner Wasserbetriebe

Hitze in Berlin: Klärwerke als Schlüssel-Infrastruktur

Die Antwort der Stadt liegt deshalb nicht nur beim Trinkwasser, sondern auch beim Abwasser. Gereinigtes Abwasser fließt zurück in die Gewässer und bleibt damit Teil des Berliner Wasserkreislaufs. Je weniger Wasser Spree und Havel führen, desto wichtiger wird die Qualität dieser Einleitungen. Deshalb rüsten die Berliner Wasserbetriebe ihre Klärwerke auf. Nach eigenen Angaben sollen allein in die Klärwerke rund 1,5 Milliarden Euro fließen.

Der Ausbau betrifft mehrere Standorte. Im Klärwerk Schönerlinde entstehen unter anderem eine Ozonung zur Spurenstoffentfernung, eine Flockungsfiltration, ein großer Mischwasserspeicher, ein neuer Klärwerksableiter und mehrere Blockheizkraftwerke. Die Ozonung soll Stoffe abbauen, die bisherige Reinigungsstufen nicht vollständig erfassen. Die Flockungsfiltration soll zusätzlich Nährstoffe wie Phosphor reduzieren. Damit trägt die Abwasserreinigung dazu bei, die Wasserqualität trotz sinkender Flussabflüsse zu sichern.

Wasserknappheit in Berlin: Stadtentwicklung als Teil der Lösung

Konkrete Zeitpläne unterscheiden sich je nach Anlage und Reinigungsziel. Laut einer Antwort der Senatsverwaltung sollen zusätzliche Stufen zur Nährstoffreduzierung in Ruhleben 2027, in Schönerlinde 2028 und in Wansdorf 2029 in Betrieb gehen. Für die vierte Reinigungsstufe zur Spurenstoffentfernung nennt die Antwort Schönerlinde 2027, Münchehofe 2032 und Stahnsdorf 2035. Stahnsdorf nimmt eine Sonderrolle ein, weil dort ein kompletter Neubau des Klärwerks vorgesehen ist.

Die aktuelle Hitzewelle zeigt zudem, dass Wasserknappheit nicht nur eine technische Frage ist. Berlin muss Wasser länger in der Stadt halten. Versiegelte Flächen leiten Regen schnell in die Kanalisation. Entsiegelte Böden, Mulden, Grünflächen, Straßenbäume, begrünte Dächer und Regenwasserspeicher können dagegen helfen, Wasser zu speichern, Verdunstung zu ermöglichen und die Umgebung zu kühlen. Das Schwammstadt-Prinzip wird dadurch vom Planungsideal zur praktischen Notwendigkeit.

Luftaufnahme des Klärwerks Schönerlinde nahe Berlin, die den Ausbau zur Sicherung der Wasserversorgung bei Wasserknappheit und im Zuge des Braunkohleausstiegs zeigt.

Ausbau des Klärwerks Schönerlinde im Umland von Berlin: Die Baustelle zeigt, wie Infrastrukturprojekte die Wasserversorgung sichern und auf zunehmende Wasserknappheit reagieren. / © Foto: Sven Bock / Berliner Wasserbetriebe

Hitze in Berlin: Wie sich die Stadt besser wappnen kann

Auch der öffentliche Raum steht unter Druck. Trinkbrunnen, Schatten, kühle Orte und entsiegelte Plätze helfen in Hitzewellen sofort. Sie ersetzen keine Wasserstrategie, senken aber Gesundheitsrisiken und machen die Stadt nutzbarer. Besonders wichtig sind solche Maßnahmen in dicht bebauten Quartieren mit wenig Grün, hoher Verkehrsbelastung und vielen aufgeheizten Hofflächen.

Berlin muss deshalb mehrere Aufgaben gleichzeitig lösen. Die Stadt muss ihre Wasserwerke sichern, Klärwerke modernisieren, Flusswasser sauber halten, Regenwasser speichern und Hitzeinseln reduzieren. Gleichzeitig müssen Maßnahmen getroffen werden, um die Stadt abzukühlen.

Die Versorgung mit Wasser funktioniert heute. Doch die kommenden Jahre entscheiden darüber, ob Berlin auch bei mehr Hitze, weniger Zufluss aus der Lausitz und wachsendem Nutzungsdruck ausreichend Wasser in guter Qualität bereitstellen kann.

Ein blauer Trinkbrunnen der Berliner Wasserbetriebe steht in einer Grünanlage in Berlin und bietet an heißen Tagen eine einfache Möglichkeit zur Abkühlung und kostenlosen Trinkwasserversorgung.

Ein öffentlicher Trinkbrunnen der Berliner Wasserbetriebe versorgt Menschen in Berlin während heißer Sommertage kostenlos mit frischem Trinkwasser. / © Foto: Berliner Wasserbetriebe

 

Quellen: Berliner Wasserbetriebe, Senatsverwaltung Berlin, Umweltbundesamt, Deutscher Wetterdienst, rbb

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