Viele wollen das SEZ an der Landsberger Allee retten, obwohl es längst nicht mehr zu retten ist. Dabei entsteht hier ein innerstädtisches Projekt, das Berlin dringend braucht, mit 680 Wohnungen und einer neuen Schule. Warum ist das ein Problem? Der Abriss des SEZ wird zum Sündenfall des DDR-Kulturverlusts stilisiert, obwohl es in Berlin zahlreiche Beispiele für den Erhalt der Ostmoderne gibt. In seiner Freitags-Kolumne beschäftigt sich ENTWICKLUNGSSTADT-Chefredakteur Björn Leffler mit dem umstrittenen Abriss in Berlin-Friedrichshain.

SEZ Areal

Nach den Entwürfen des Büros Stefan Forster könnte sich das künftige SEZ-Areal aus dem Volkspark Friedrichshain gesehen als neues Wohnquartier zeigen. Die Gebäude sollen in serieller und modularer Bauweise errichtet werden und rund 680 Wohnungen für etwa 1.500 Menschen bieten. / © Visualisierung: Stefan Forster GmbH

© Titelbild: Kieback&Peter GmbH & Co. KG  / Portrait: ENTWICKLUNGSSTADT

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Berlin, wir müssen reden. Diesmal über das SEZ an der Landsberger Allee. Jenen Betonkoloss, der seit Jahrzehnten wie ein gestrandetes Raumschiff an einer der wichtigsten Magistralen der Stadt steht und von vielen als Kulturgut verehrt wird. Ein Ort voller Erinnerungen an Rutschen, Chlorgeruch und Kindheitsnostalgie. Ein Ort, an dem wir uns gern festhalten würden, weil er mal Spaß gemacht hat. Das verstehe ich gut, ich war als Kind selbst dort, mit meinen Eltern.

Nur hilft Nostalgie nicht weiter, wenn ein Gebäude längst nicht mehr zu retten ist. Das SEZ ist, leider Gottes, ein Denkmal dafür, was passiert, wenn man über Jahrzehnte nichts tut. Berliner Verwaltung, ehemaliger Besitzer, Rechtsstreitigkeiten, Vernachlässigung und Verfall – das Gebäude ist heute in einem Zustand, der eine Rettung praktisch ausschließt.

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SEZ an der Landsberger Allee: Jahrzehntelange Vernachlässigung haben das Gebäude vollkommen ruiniert

Wer ehrlich ist, weiß das. Wer es vor Ort gesehen hat, sowieso. Und die Frage müsste gar nicht lauten: „Wie retten wir das SEZ?“, sondern eher: „Warum haben wir das nicht früher gemacht?“

Vor allem aber: Warum ist die Aufregung jetzt plötzlich so groß? Kaum wagt es der Senat, auf diesem Gelände Wohnraum und eine Schule zu planen, läuft wieder einmal eine emotionale Debatte los, die am eigentlichen Problem vorbeigeht. Man spricht von Kulturmord, von Identitätsverlust, vom Ende der Berliner Seele.

Auf dem SEZ-Areal können deutlich mehr Wohnungen entstehen als bislang gedacht

Dabei übersieht man gern den wichtigsten Satz des gesamten Vorhabens: Auf dem Areal können deutlich mehr Wohnungen entstehen als bislang angenommen. Bis zu 680 Wohneinheiten mitten in der Stadt, direkt an der Straßenbahn, im Zentrum, bestens angebunden und mit einem großen Anteil bezahlbarer Wohnungen. Und der Volkspark Friedrichshain liegt direkt nebenan.

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Dazu ein Schulstandort. Berlin schreit seit Jahren nach Wohnraum, nach modernen Bildungseinrichtungen, und bekommt dies hier plötzlich in erstaunlich großer Menge. Und was machen wir? Wir jammern. Wir trauern einem Gebäude nach, das technisch und wirtschaftlich längst tot ist. Wir führen Denkmaldebatten über einen Bau, der nie unter Schutz gestellt wurde, weil er dafür weder baulich noch historisch ausreichend qualifiziert war. Und wir tun so, als würde Berlin in jedem Monat ein Stück DDR-Architektur verlieren, obwohl das Gegenteil stimmt.

DDR-Architektur wird in Berlin an vielen Stellen gewürdigt und erhalten

Denn wer genau hinsieht, erkennt sehr schnell: DDR-Architektur wird in Berlin nicht abgerissen, sondern vielerorts gerade gesichert, gepflegt und umfangreich weiterentwickelt. Das Haus der Statistik wird zum städtebaulichen Zukunftsprojekt, die DDR-Plattenbauten in der Spandauer Vorstadt etwa stehen inzwischen unter Denkmalschutz.

Zahlreiche Wohnbauten im Zentrum (am Alexanderplatz oder an der Wilhelmstraße) wurden nicht abgerissen, sondern saniert und modernisiert, ein seltenes DDR-Atelier- und Wohnhaus an der Wallstraße wurde jüngst unter Schutz gestellt, das FEZ in Köpenick ist längst Denkmal – und an vielen Standorten der Ostmoderne wird gerade enorm investiert, wie unter anderem das Projekt „Funkytown“ an der Nalepastraße zeigt. Berlin ist also nicht die Stadt, die DDR-Architektur systematisch auslöscht, sondern eher die Stadt, die sie gerade neugierig neu interpretiert.

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Es gibt in Berlin Beispiele für erhaltene DDR-Architektur, aber auch Gebäude, die verloren sind

Der Vorwurf, Berlin reiße „alles Ostdeutsche ab“, ist vor allem ein romantisches Narrativ. Eine Erzählung, die gut funktioniert, weil sie Drama verspricht. Die Fakten jedoch sprechen dagegen. Ja, es gibt verlorene Fälle: das Ahornblatt, das Palasthotel, jetzt das SEZ.

Aber es gibt ebenso viele Gegenbeispiele, an denen sichtbar wird, dass Ostmoderne und DDR-Architektur eine Zukunft haben, wenn sie strukturell, kulturell oder städtebaulich sinnvoll transformiert werden können. So wird derzeit etwa das Kino International aufwendig restauriert, direkt gegenüber befindet sich das neu interpretierte, modernisierte Café Moskau.

Für einen Erhalt des SEZ-Gebäudes ist mittlerweile leider zu spät

Beim SEZ aber ist das nicht mehr möglich. Die Substanz ist ruinös, die Kosten wären gigantisch, der Nutzen unklar. Man hätte dieses Haus bewahren können, wenn man es nicht jahrzehntelang verfallen ließ. Heute ist es zu spät.

Und deshalb sollte man keinen Mythos daraus machen. Der Abriss des SEZ zerstört kein identitätsstiftendes Kulturgut, sondern beendet einen Stillstand. Und schafft Platz für etwas, das Berlin wirklich braucht: Wohnen, Bildung, Urbanität. Es entsteht Wohnraum in der Innenstadt, an einem Ort ohne Verdrängung, ohne Konfliktpotenzial, auf einer Brachfläche. Wohnraum, der auch Menschen mit geringerem Einkommen offenstehen soll. Wohnraum, der hilft, Druck aus dem Markt zu nehmen. Wohnraum, der Familien eine Zukunft in der Stadt ermöglicht.

Wir reden ständig von Wohnungsmangel, aber wenn Wohnraum entsteht, ist es auch verkehrt

Dass ausgerechnet dieser Schritt kritisiert wird, sagt viel über Berlin aus. Wir reden ständig von Wohnungsmangel und bauen dann Mauern aus Nostalgie, sobald ein konkretes Projekt kommt. Wir verteidigen Ruinen, während wir überlegen, wie wir Schulen, Kitas und bezahlbare Wohnungen finanzieren sollen. Wir diskutieren lieber über Erinnerungsarchitektur als über lebensnotwendige Stadtentwicklung – als gäbe es in Berlin nicht an jeder Ecke bemerkenswerte, historische Architektur zu bestaunen.

Das SEZ verschwindet, ja. Aber dafür entsteht ein innerstädtisches Quartier, das Berlin zukunftsfähiger macht. Das ist ein kleiner Verlust, aber viel mehr eine große Chance. Und es ist kein Angriff auf die DDR-Architektur, denn die bleibt, an vielen Orten der Stadt: sichtbar, respektiert, geschützt. Es ist lediglich das Ende eines Gebäudes, das man zu spät zu retten versucht hat.

Berlin, vielleicht wäre es an der Zeit, die Perspektive zu wechseln: Nicht der Abriss ist die Geschichte, sondern das, was danach kommt. Und das klingt nach 680 guten Gründen, endlich ein kleines bisschen optimistischer zu sein. Warum also so negativ? Freuen wir uns lieber mal darüber, dass hier Platz entsteht für Menschen, die dringend nach einer Wohnung suchen.

 

 

Zuletzt in der Kolumne „Warum so negativ, Berlin?“ von ENTWICKLUNGSSTADT-Chefredakteur Björn Leffler: „Berlin, warum machste Dir so klein? Olympia passt wie Faust aufs Auge“ und „Berlin, Deine größte Baustelle ist Dein Selbstwertgefühl“

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12 Kommentare

  1. Berlin Fan 19. Dezember 2025 at 09:04 - Reply

    Super Kommentar

  2. Robur 19. Dezember 2025 at 10:30 - Reply

    Guter Kommentar,
    Es gibt wirklich seit Jahren eine Scheindebatte, die durch die oben genannten Abrisse ausgelöst wurde und wahrscheinlich auch durch den Abriss des Palasts der Republik. Gerade dieses Beispiel offenbart auch den Kern der Streitigkeiten. Es geht mehr um ein Dagegen, als ein Dafür. Es stößt mir immer sauer auf, dass Menschen den Abriss verteufeln, ohne sich auf noch bestehende Bauten zu konzentrieren. Neben dem jetzt errichteten Humboldt-Forum steht das Staatsratsgebäude, dass in seiner politischen Dimension noch wichtiger war als der Palast (mal kurz die persönlichen Erinnerungen und Perspektiven auf den Palast ausblendend). Dieses Bauwerk ist seit Jahren nicht öffentlich zugänglich und wird von der ESMT, einer privaten Hochschule, genutzt. Warum redet man nicht endlich darüber solche wichtigen Häuser der Ost-Moderne zu öffnen? Gerade mit diesem Standort und dem Potenzial die DDR im Stadtzentrum Berlins erklären zu können?

    • Löwe 20. Dezember 2025 at 10:22 - Reply

      „…auch durch den Abriss des Palasts der Republik..“

      Dem Asbest verseuchten Palast der Republik, und ein abgerissenes Stadtschloss …

  3. a.t. 19. Dezember 2025 at 14:08 - Reply

    Der Ostberliner sieht halt den Palast gehen, während das Westberliner Asbestmonster ICC bleibt und der Lehrstand dem Senat Unsummen kostet, er sieht den Bohai um den Mäusebunkererhalt während das SEZ fällt, er sieht mit dem Ahornblatt eine ikonografische Konstruktion vom DDR-Schalenpapst Ulrich Muether fallen, während in West-Berlin die potthäßlichsten Teile stehen bleiben bzw. nicht mal ergänzt werden dürfen… Die Motive und die Emotionalität dahinter kann ich nachvollziehen, aber wenn das SEZ
    geht, werde ich wohl eher nicht um den Schlaf gebracht.

  4. Ricardo 19. Dezember 2025 at 14:48 - Reply

    Das Wohnungsbau in dieser Stadt notwendig ist, dürfte unstrittig sein. Umso problematischer ist jedoch, dass die aktuellen Planungen der WBM den bestehenden städtebaulichen Kontext des SEZ weitgehend negieren – genau darin liegt das eigentliche Kernproblem.

    Zwar verbinden manche Menschen mit dem SEZ emotionale oder nostalgische Erinnerungen. Doch gerade heute muss nüchtern betrachtet werden, welche Leistung ein großes Bestandsgebäude erbringen kann – insbesondere im Kontext der Klimakrise. Das SEZ ist vor allem als bauliche Ressource zu verstehen: In ihm steckt erhebliche graue Energie, die durch einen Abriss unwiederbringlich verloren ginge. Vom architektonischen und kulturhistorischen Wert ganz zu schweigen.

    Auffällig ist, dass Sie einen Wettbewerbsbeitrag eines Architektenteams unerwähnt lassen, der den Teilerhalt zentraler Gebäudeteile mit Neubau kombiniert und nachweislich mindestens 500 Wohnungen ermöglicht. Als massiver Stahlbetonskelettbau sowie Hallen mit großen Spannweiten bietet das SEZ vielfältige Umnutzungsoptionen – etwa für sportliche, gewerbliche oder kommunale Nutzungen.

    Ihre Einschätzung, das Gebäude sei „marode“ und nicht zu retten, bleibt dabei konkret unbelegt. Bis zur Zwangsräumung wurde das SEZ weiterhin von Sportgruppen genutzt. Solange unabhängige Gutachten, transparente Abriss- und Neubaukosten sowie belastbare Vergleiche nicht öffentlich vorliegen, kann von einer sachlichen Entscheidungsgrundlage kaum die Rede sein. Gleichzeitig wird mit dem Argument des bezahlbaren Wohnraums operiert, ohne die zeitliche Begrenzung der Mietbindung zu thematisieren, die langfristig entfällt.

    Das Beispiel „Haus der Statistik“ zeigt, dass Erhalt, Umnutzung und neuer Wohnungsbau sich nicht ausschließen, sondern durch Beteiligung sogar zu einem städtebaulichen Gewinn werden können. Es stellt sich daher die berechtigte Frage, warum ein solcher Ansatz am SEZ von vornherein ausgeschlossen wurde.

    Dass es früher keinen breiten Protest gab, erklärt sich zudem daraus, dass das SEZ erst 2024 in Landesbesitz überging und sich zuvor im Privatbesitz befand – eine zentrale Tatsache, die Sie in Ihrem Artikel ausblenden. Befürworter eines Teilerhalts pauschal als Gegner des Wohnungsbaus darzustellen, greift daher zu kurz.

    Mir geht es ausdrücklich nicht um einen ideologischen Ost-West-Gegensatz, sondern um eine transparente, zeitgemäße architektonische Lösung, die Wohnungsbau und Bestand zusammendenkt. Diese leistet der aktuelle Ansatz von Senat und WBM und deren Öffentlichkeitsarbeit nicht. Auch Ihr Artikel bleibt hier leider argumentativ schwach, da er offizielle Positionen weitgehend unkritisch reproduziert und die eigentliche Kernfrage umgeht.

  5. Elke 19. Dezember 2025 at 21:53 - Reply

    Sehr geehrter Herr Leffler,

    ich pflichte Ricardo (19. Dezember, 14:48 – Danke, Ricardo!) vollkommen bei und möchte noch ein paar Aspekte ergänzen.

    Lassen wir mal das Thema Ostalgie außen vor. Das wird ja immer gerne als Totschlagargument verwendet. Aber geschenkt.
    Was ist denn eigentlich falsch daran, Dinge zu bewahren? Wie soll Berlin denn jemals Klimaneutralität erreichen, wenn über einen Erhalt solcher Gebäude wie des SEZ nicht einmal nachgedacht wird? Denkmalwürdigkeit ist nachweislich gegeben, auch geschenkt. Die Nicht-Unterschutzstellung war eine politische Entscheidung, keine fachliche. Selbst der Landeskonservator hat schon öffentlich eingelenkt.
    Sie schreiben: „Und wir tun so, als würde Berlin in jedem Monat ein Stück DDR-Architektur verlieren, obwohl das Gegenteil stimmt.“ Das Gegenteil wäre: Wir gewönnen jeden Monat ein Stück DDR-Geschichte dazu. Das ist ja nun wohl nicht so richtig möglich. Ein bisschen Präzision in der Argumentation bitte! Sie schreiben „DDR-Architektur wird in Berlin nicht abgerissen“ und nennen glücklicherweise selbst Gegenbeispiele. Entschuldigung, ein bisschen Präzision in der Formulierung bitte!
    Wieso sollte das SEZ nicht auch ein Beispiel dafür werden, wie DDR-Architektur „neugierig neu interpretiert“ und „städtebaulich sinnvoll transformiert“ wird? Ist die Frage, ob ein Gebäude geschätzt und geschützt wird, abhängig davon, wie viele andere Gebäude ähnlicher Art schon geschützt sind? Darf nur eine bestimmte Anzahl von Gebäuden einer Epoche geschützt werden, sollte eins für das andere geopfert werden?

    Die Bausubstanz des SEZ ist nicht so marode, wie es von außen scheinen mag. Alle Experten, die das Gebäude wirklich gesehen haben, sagen, die Substanz ist grundsätzlich intakt. Es kann saniert werden. Natürlich hat die sträfliche Vernachlässigung des privaten Eigentümers über 20 Jahre ihre Spuren hinterlassen. Traurig genug.

    Bitte betrachten Sie das Gebäude auch in seinem Gesamtzusammenhang. Es liegt mitten in einem der am dichtesten besiedelten Stadtteile Berlins. Gerade auch in der unmittelbaren Umgebung ist in den letzten Jahren extrem nachverdichtet worden. Der ÖPNV und der benachbarte Park platzen aus allen Nähten. Konfliktpotenzial ist da. Gleichzeitig mangelt es in ganz Berlin eklatant an Sportflächen, und raten Sie mal: Friedrichshain ist hier Schlusslicht. Lesen Sie dazu gerne in der Siko nach.

    Den Befürwortern eines Erhalts des SEZ geht es darum, dass sie mit ihren Kindern wohnortnah schwimmen gehen können, ohne langen Fahrweg Badminton spielen gehen können, ihre Teenager um die Ecke zum Schlittschuhlaufen schicken können. Sie möchten tanzen, einen Ort für Begegnung, Kultur und Gesundheitsangebote. Hier geht es um Lebensqualität und Teilhabe. Immer mehr solcher Angebote verschwinden in der Stadt, nicht zuletzt wegen der aktuellen Sparpolitik, aber auch weil die Interessen von Investoren und Bauindustrie wichtiger scheinen als die der Menschen, die in der Stadt wohnen.
    Die Menschen möchten nicht nur aufbewahrt werden. Sollten sie auch nicht, denn wo sollen sozialer Zusammenhalt und demokratischer Diskurs denn herkommen, wenn alle nur noch zu Hause sitzen?
    Wenn der Bausenator sagt, die nächste Therme und das Tropical Islands lägen doch nur 50 km entfernt, man solle doch da hingehen, dann ist das blanker Hohn. Mit Teilhabe hat das nichts zu tun.

    Die nun veröffentlichte Machbarkeitsstudie sagt, dass angeblich 680 Wohnungen auf dem Gelände entstehen können. Angenommen, dass tatsächlich 50% davon, also 340, zu Sozialwohnungen werden. Sie gehen doch nicht davon aus, dass das Wohnungsproblem von Berlin damit gelöst wird? Sollte man 35000 m2 intakte und dringend benötigte Sportflächen dafür wirklich opfern?
    Sollte man nicht zunächst einmal ein Kostenschätzung machen? Der Abriss würde mehrere zig Millionen Euro kosten. Die WBM weigert sich jedoch, dazu Angaben zu machen und beginnt stattdessen Ende November heimlich – ungenehmigt und nicht angezeigt – mit Abrissarbeiten und tituliert diese als „bauvorbereitende Maßnahmen“. Es gibt einen Geheimvertrag, nach dem die WBM von der ganzen Geschichte zurücktreten darf, falls sie irgendwann merken sollte, dass es zu teuer wird. Alles in der Presse nachzulesen.

    Fun-Fact: der Bodenrichtwert des SEZ-Grundstücks beträgt aktuell 15 EUR/m2 („sonstige Flächen“). Durch eine Umwidmung in Wohnbaufläche ist mindestens eine Verhundertfachung zu erwarten. Die östlich benachbarte Fläche hat einen Richtwert von 1900 EUR/m2, südlich sogar 3800 EUR/m2. Nachtijall ick hör Dir trapsen.

    Proteste und Widerstand gegen den Umgang mit dem SEZ gibt es übrigens schon länger. Schon bei Aufstellung des Bebauungsplans 2018 wurde Einspruch erhoben. Ein Verein engagierte sich seitdem dafür, dass das SEZ aus den Händen des Privateigentümers, der es sträflich vernachlässigte, wieder an die Berliner Menschen geht. Seit knapp 2 Jahren wird dieses Engagement ergänzt durch eine Bürgerinitiative und mehrere andere Akteure. Herr Gaebler und weitere Entscheidungsträger wurden zu fünf Runden Tischen und weiteren Gesprächsrunden eingeladen, stellen sich aber tot. Und Herr Gaebler sagt, es sei ja nun, wo man „endlich mal etwas umsetzen“ wolle, zu spät um noch darüber zu diskutieren. Ein gewählter Vertreter einer sozial-demokratischen Partei.

    Noch ein Fun-Fact: die auf dem Gelände geplante Schule wird de facto nicht benötigt – die Geburtenraten sinken, Erzieherinnen werden entlassen, die Schülerzahlen gehen zurück. Die Schule, die gezwungen werden soll, in den Neubau einzuziehen, kann und möchte das gar nicht und wird nun als Bauernopfer gebracht, um den Neubau zu legitimieren.

    Was wir in Berlin brauchen sind bezahlbare Wohnungen. Beton gibt es genug. Es stehen 1,75 Mio m2 Büroflächen leer. Und 40000 Wohnungen. Wie wäre es, diese verfügbar zu machen statt dieser Abriss-Neubau-Abriss-Neubau-Logik zu folgen? Selbst wenn hier ein paar Sozialwohnungen entstehen, müssen doch in Anbetracht der hohen Abriss- und Baukosten die übrigen Wohnungen umso teurer vermietet werden. Das wird den Mietspiegel weiter ungebremst in die Höhe treiben. Die Sozialwohnungen fallen irgendwann aus der Preisbindung. Damit ist am Ende niemandem geholfen, im Gegenteil. Wer das Wohnungsproblem lösen möchte, muss an ganz anderen Stellschrauben drehen, anstatt hier Symbolpolitik zu betreiben, um seine Bilanz zu schönen.

  6. Carsten Joost 19. Dezember 2025 at 22:21 - Reply

    Alles schön und gut wenn wir die Nutzungspotentiale des SEZ nicht so sehr dringend bräuchten! Wassernutzungen, Sport, Erholung, Eislaufen und vieles mehr. Das SEZ ist nicht so marode wie es von außen aussieht. Bis Dezember 2024 gab es tolle Veranstalungen im SEZ und wir (Initiative „SEZ für alle!“) haben uns den Gebäudekomplex bis in den letzten Winkel anschauen können. Eine Generalsanierung ist nötig, sinnvoll und ökologisch geboten. Schließlich sollen Kombibäder und Sporthallen usw. gebaut werden, hier zentral gelegen und im Bestand wäre es optimal.
    Und eine Kombination des SEZ mit Wohnungsbau ist ebenfalls möglich, natürlich mit dem Verlust von Nutzungen: https://www.planungsagentur.de/sez/

  7. Dura 19. Dezember 2025 at 22:33 - Reply

    Sie behaupten, die Substanz des SEZ sei bedauerlicherweise so ruiniert, daß ein Erhalt ausgeschlossen sei und sprechen wenige Zeilen weiter von „einer Brachfläche“ die dem dringend benötigten Wohnungsbau in Berlin eine nahezu perfekte Chance biete.
    Das zeugt von Unkenntnis, was die Gegebenheiten vor Ort angeht.
    Etwa den Straßenlärm und -Dreck, der es verbietet in den beiden unteren Geschossen des zu errichtenden Hochhausghettos tatsächlich zu wohnen.
    Überdies werden aktuell ein Stück weiter die Landsberg Allee hoch, weitere Wohnquartiere errichtet.
    Ob die im Vorfeld hochgelobten Sozialwohnungen, die zur Straße hin, den Lärm, Gestank und Dreck von den teuren Wohnungen hinten im Park abschirmen sollen, tatsächlich so preisgünstig werden, wie anvisiert, bleibt momentan offen.
    Was stellen sie sich vor: 7 EU kalt pro qm ?
    Lassen wir jetzt gedanklich die enormen Abrisskosten einfach mal weg, planen die Gebäude höher und höher und bringen immer mehr Wohnungen auf dem Gelände unter.
    Da lässt sich sicher noch mehr hinquetsschen.
    Die drangvolle Enge wird offenbar durch den unmittelbaren Zugang zum Park mehr als ausgeglichen.
    Also baut den Park zu lieber Senat, das ist sicher ein wunderbares Werbehighlight und überzeugt die allerletzte Zweifler.
    Apropos Werbung: dieser Artikel reproduziert sozusagen den einschlägigen Versandhaus-Katalog.

    Besonders ärgerlich, mir als Wessi ist irgendwann aufgefallen, das Ost Berlin komplett und zu 100% aus DDR Architektur bestanden hat.
    Wenn sie jetzt drei, vier, fünf Gebäude aufzählen, die noch nicht abgerissen wurden, dann klingt das nach hilfloser Rechtfertigung und nicht nach einer erwähnenswerten Leistung.

  8. Reinhardt Kirchner 20. Dezember 2025 at 10:31 - Reply

    Keine Studien , nur Blockieren und Lügen. Das Verfahren wurde in klassischer SED-Manier durchgezogen. Der Bürger wird mit Füßen getreten. Eine Machbarkeitsstudie wurde sogar von Carsten Joost massiv bekämpft damit das Objekt ja abgerissen wird. Was eine der Stellschrauben die Elke beschrieben hat sein könnte ist zum Beispiel der Nahverkehr. Mehr Hochbahnen mit mehr Geschwindigkeit würden Außenbezirke weiter in die Mitte holen : Bauland haben wir genug. Die Interessen sind spätestens dann eindeutig wenn man mal schaut wer denn jetzt Geschäftsführer der WBM ist, woher der kommt und welche Wohnungspolitik der betreibt . Übel. Nebenan steht ein Lagerhaus welches in ein Gewerbegebiet gehört und ein Straßenbahnhof der überbaut werden könnte wie in Steglitz beim Kreisel der sich über dem Busbahnhof befindet. Also : kifft weiter und lasst euch abreißen…

  9. wolff matthias 20. Dezember 2025 at 14:23 - Reply

    Ich brauche wenig hinzufügen….
    Viele richtig(!) Gute Kommentare sprechen Bände, die man durchaus 2fach lesen kann.

    Ein Chefredakteur von etwas, das sich Stadtentwicklung nennt, schreibt ein Humbug, wie man das fast nur von Trump gewohnt ist.

    • Mario 20. Dezember 2025 at 16:00 - Reply

      In Berlin ist eine Minderheit ständig sehr laut.
      In Berlin kann mein kein Blatt umdrehen ohne Gefahr zu laufen einen Berliner zu empören.
      Diese Minderheit hat viel zu lange die Diskurse bestimmt.
      Wir müssen endlich anfangen logisch und konsequent abzuwägen. Die Mehrheit braucht Wohnungen und kein heruntergekommenes ehmaliges Schwimmbad. Was wahrscheinlich eh kaum wirtschaftlich betrieben werden könnte.
      Berlin steht sich sonst weiter selbst im Weg.

  10. Claudia 20. Dezember 2025 at 15:05 - Reply

    Sehr geehrter Herr Leffler, aus Anlass Ihres Artikel zum SEZ: für mich ist Ihre Seite gestorben, Ihre Absichten sind einfach zu durchsichtig und einseitig. Am Anfang (vor Ihrem „Verkauf“) haben Sie sich noch ehrlich mit den unterschiedlichsten Bauvorhaben kritisch konstruktiv befasst, nun gibt es eine Lobhudelei nach der anderen.
    Hauptsache, Sie bekommen Ihren Kaiser Willem wieder zurück.
    DDR- Architektur? Wenn sie anonym, unaufgeregt und/oder wohnraumspendend ist, darf sie bleiben. Wenn es herausragende Architekturen sind, müssen sie verschwinden – wäre doch gelacht, wenn man die 40 Jahre nicht nach und nach eliminieren oder wenigstens bis zur Unkenntlichkeit „amputieren“ könnte:
    Außenministerium, PdR, Ahornblatt, Fernsehturm und seine Umbauung, Rathauspassagen,
    Wohnbebauung Karl-Liebknecht-Straße – vis a vis, DDR-Bebauung Unter den Linden, Fischerinsel, Alexanderplatz als Ensemble, Hauptzentrum Marzahn, Zentrum Marzahn 3 – Kino, Post u. a . Die Liste ließe sich fortsetzen.
    Ganz nebenbei sind noch ein paar Schwimmhallen – alte wie neue – vernichtet oder der Öffentlichkeit entzogen worden, nur einige Beispiele:
    Schwimmhalle Weinstraße,
    Schwimmhalle Wolfshagener Straße,
    Schwimmhalle Holzmarktstraße.
    Schon mal verglichen und in Beziehung gesetzt, wie sich in den letzten Jahren die Zahlen der ertrunkenen Kinder in Berlin verändert haben?
    Last but not least: wenn Sie den Fernsehturm nicht abreißen können, dann soll er wenigstens von Hochhäusern umzingelt werden, damit er seine im besten Sinne des Wortes herausragende Rolle nicht mehr hat.
    Fragen Sie mal Touristen oder Menschen die im Ausland leben, welches Wahrzeichen der Stadt Berlin diese unter 1,2,3 nennen würden. Und fragen Sie doch mal die Pariser Bewohnerschaft, warum sie die Champs de Mars um den Eiffelturm nicht bebauen wollen, wäre doch ein attraktives Immobilien-Geschäft.
    Tschüss – oder auch adieu.

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