Auf dem Gendarmenmarkt wird es vorerst nicht grüner: Neue Bäume sind nicht geplant. Dennoch soll sich das Erscheinungsbild des Platzes langfristig verändern.

Die Randbereiche des Gendarmenmarkts in Berlin-Mitte sollen mit Sitzgelegenheiten und Bäumen neue Aufenthaltsqualität bieten. Dennoch gilt der Platz Vielen als zu steinern. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Gendarmenmarkt gehört zu den bekanntesten Plätzen Berlins, und steht seit seiner Wiedereröffnung im März 2025 erneut im Fokus der öffentlichen Debatte. Während sich der Alltag inzwischen eingespielt hat, bleibt ein Kritikpunkt bestehen: Vielen gilt der historische Platz als zu steinern, zu wenig begrünt.
Die Senatsverwaltung weist diesen Vorwurf zurück, räumt jedoch ein, dass zusätzliche Pflanzungen nicht vorgesehen sind. Strenge denkmalpflegerische Vorgaben ließen keinen weiteren Spielraum. Dennoch soll der Platz perspektivisch grüner wirken; allerdings erst mit der Zeit.
Nutzung stabilisiert sich im Alltag, zentrale Platzfläche weitgehend frei
Rund ein Jahr nach der Fertigstellung zeigt sich der Gendarmenmarkt deutlich belebter als noch in der Anfangsphase. Gastronomiebetriebe nutzen ihre Außenflächen inzwischen umfassend, Tische, Stühle und Sonnenschirme prägen die Randbereiche. Auch die umliegenden Straßenräume wurden neu geordnet: breitere Gehwege und zusätzliche Flächen für Außengastronomie stärken den Fußverkehr.
Die zentrale Platzfläche bleibt dagegen weitgehend frei. Das durchgehende Natursteinpflaster schafft Raum für Veranstaltungen, bringt jedoch funktionale Einschränkungen mit sich. An warmen Tagen heizt sich die Fläche stark auf, während Schatten vor allem an den Rändern zu finden ist.
Schnurbäume und Magnolien: Begrünung bleibt auf Randbereiche beschränkt
Während der Umbauphase wurden lediglich sechs neue Gehölze gepflanzt, darunter japanische Schnurbäume und Magnolien. Weitere Bäume sind nicht geplant. Die vorhandenen Exemplare sollen jedoch künftig stärker ins Gewicht fallen: Ihre Kronen können sich auf bis zu 18 Meter ausdehnen, benötigen dafür aber noch viele Jahre Wachstum.
Grünflächen konzentrieren sich vor allem im Umfeld des Französischer Dom und des Deutscher Dom. Dort entstanden Sitzbereiche, die gezielt als Rückzugsorte und kühlere Zonen angelegt wurden. Die zentrale Fläche bleibt hingegen bewusst offen gestaltet.
Infrastruktur für Veranstaltungen deutlich ausgebaut
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Sanierung lag auf der technischen Modernisierung. Unter dem Platz entstand ein rund fünf Kilometer langes Leitungsnetz für Strom, Wasser und Abwasser. Ergänzt wird es durch zahlreiche Anschlüsse und Hydranten, die Veranstaltungen unabhängig von externer Infrastruktur ermöglichen.
Auch das Regenwassermanagement wurde umfassend erneuert. Mehr als 8.000 Quadratmeter Fläche sind Teil eines Systems, das Wasser speichert und kontrolliert ableitet. Damit folgt das Projekt dem Prinzip der klimaangepassten Stadtentwicklung.
Gendarmenmarkt: Zwischen Stadtraum und Veranstaltungsort
Der Gendarmenmarkt bleibt damit ein klar funktional geprägter Stadtraum. Als Veranstaltungsort und touristischer Anziehungspunkt erfüllt er laut Projektverantwortlichen zentrale Anforderungen, die an einen innerstädtischen Platz gestellt werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Erwartungen an Aufenthaltsqualität und Begrünung nicht vollständig erfüllt sind.
So bleibt der Platz auch ein Jahr nach seiner Wiedereröffnung ein Ort, an dem sich Nutzungserfolg und gestalterische Diskussionen überlagern.
Gendarmenmarkt (Berlin-Mitte)
Quellen: rbb, dpa
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4 Kommentare
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Zitat:“Vielen gilt der historische Platz als zu steinern, zu wenig begrünt. Die Senatsverwaltung weist diesen Vorwurf zurück, räumt jedoch ein, dass zusätzliche Pflanzungen nicht vorgesehen sind. Strenge denkmalpflegerische Vorgaben ließen keinen weiteren Spielraum.“
Zitat:“Die Baumbilanz für 2024 ist erneut negativ: Von 431.431 Straßenbäumen in den zwölf Bezirken wurden ganze 5.280 Straßenbäume gefällt, nur 2.571 davon wurden bereits nachgepflanzt – ein Defizit von 2.709 Bäumen. Der NABU Berlin kritisiert diesen schleichenden Verlust an Grünvolumen und fordert einen klaren Kurswechsel im Umgang mit Bäumen insbesondere bei Bauvorhaben.“ https://berlin.nabu.de/news/2025/36137.html
Der Senat ruft zu Spenden auf …
Zitat:“Rund 3.000 Euro werden durchschnittlich benötigt, damit ein Berliner Straßenbaum gepflanzt und die ersten drei Jahre besonders gepflegt werden kann. Um den Berliner Straßenbaumbestand auf seinem hohen Niveau zu halten, werden Spenden benötigt. Gehen wir es gemeinsam an: Spenden Sie für einen Straßenbaum in Ihrem Bezirk“ https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/stadtgruen/stadtbaeume/stadtbaumkampagne/
Das sind doch Ausreden, oder?
Es gibt noch so einige Fläche, die Ensiegelt und begrünten werden könnte, z.B. Die große Fläche südlich vom Konzerthaus.
Der schlichte Verweis auf Denkmalschutz oder Feuerwehr reicht nicht. Was ist wo das Problem?
Der Denkmalschutz, der am Gendarmenmarkt offenkundig den Fokus auf die Situation in der Nazi-Zeit gelegt hat, tut sich hier gerade überhaupt keinen Gefallen. Die laufende Werbekampagne hätte man sich angesichts des Deseasters am Gendarmenmarkt schenken lönnen. Stattdessen hätte Herr Rauhut Bäume spenden sollen. Entwicklungsstadt kann nix dafür und berichtet einen Sachstand, der einfach nur sehr, sehr schade ist.